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Assauer und Lohmeyer im Interview : „Seid ihr verrückt, so hohe Gagen zu zahlen?“

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Peter Lohmeyer: „Du mußt die Gefühle rauslassen” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Vorhang auf für die Bühne Bundesliga: Fußball-Manager Rudi Assauer und Schauspieler Peter Lohmeyer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Schalke 04 und Schauspielerei, Uli Hoeneß und Gott.

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          Vorhang auf für die Bühne Bundesliga: Fußball-Manager Rudi Assauer und Schauspieler Peter Lohmeyer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Schalke 04 und Schauspielerei, Uli Hoeneß und Gott.

          Weil Manager und Schauspieler so einträchtig nebeneinander sitzen: Wieviel Show verträgt der Profifußball?

          Assauer: Show? Fußball ist harter Kampf, wir hatten allein in der Hinrunde 32 Spiele - so viele wie früher in einer ganzen Saison. Ein Spieler kann unter der Woche keine Show machen, weil er ausgelaugt ist von der Arbeit.

          Rudi Assauer: „Ich versuche, die Wahrheit zu ummanteln”
          Rudi Assauer: „Ich versuche, die Wahrheit zu ummanteln” : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Beim Torjubel zeigen Spieler aber Schauspielereien - sie wiegen scheinbar ein Kind oder führen sich wie Pistolenschützen auf.

          Assauer: Das ist keine Show, das gehört zum Fußball. Wenn die Mannschaft ordentlich gekickt hat, erwartet das Publikum, daß die Mannschaft in die Nordkurve läuft.

          Lohmeyer: Die ganzen Richtlinien mit Gelber Karte wegen des Trikotausziehens, das ist Quatsch, das finde ich übertrieben. Du mußt die Gefühle rauslassen. Machst du das nicht, gehst du in den nächsten Zweikampf und sagst: Oh, jetzt habe ich meine Emotionen in die Grätsche gelegt. Ich habe nichts dagegen, wenn bei den Brasilianern "Gott" auf dem Unterhemd steht oder die Wiege gemacht wird, wenn ein Spieler Vater geworden ist. Das ist wie bei uns auf dem Theater das Verbeugen. Wir Schauspieler können wie die Fußballer ja nicht während des Spielens einfach mal unserer Mutter zuwinken.

          Herr Assauer, wie schwer fiel Ihnen der Auftritt in dem Veltins-Werbespot, zumal an der Seite Ihrer Lebensgefährtin, der Schauspielerin Simone Thomalla?

          Assauer: Ich hätte nie im Leben geglaubt, daß ich so etwas mal mache. Es war die Idee von Veltins, aber ohne Simone Thomalla hätte ich nie mitgemacht. Für den zweiten Spot brauchten wir von morgens neun bis abends neun. Da brauchst du Geduld. Ich mußte der Thomallaschen auf den Hintern hauen und 400mal sagen: "Echt lecker!"

          Herr Lohmeyer, wie fanden Sie als Mann vom Fach den Werbespot?

          Lohmeyer: Veltins war schlau, Schalke war schlau, weil der Film schlau gemacht wurde. Die Schlauheit würde man aber nicht glauben, wenn sie nicht authentisch wäre.

          Wieviel schauspielerische Fähigkeiten braucht man als Manager im Bundesligageschäft?

          Assauer: Ich versuche, alles wahrheitsgemäß auf den Punkt zu bringen. Das gefällt vielen nicht. Aber was ich nicht kann, ist, den Leuten etwas "vorzukrücken", wie man im Ruhrgebiet sagt. Dann sage ich lieber gar nichts. Warum soll ich zum Beispiel vor Fernsehkameras etwas beschönigen, wo es nichts zu beschönigen gibt?

          Wenn Sie einen neuen Spieler verpflichten: Müssen Sie dann nicht zumindest ein Pokerface auflegen?

          Assauer: Ich brauche vielleicht schauspielerische Qualitäten, wenn ich einen Profi unter Vertrag genommen habe, es aber nicht bekanntmachen darf. Oder wenn ich mit jemandem verhandele, aber der Spieler auch für andere Klubs zum Objekt der Begierde werden kann. Also sagt man mit einer Ernsthaftigkeit, die rüberkommen muß: "Mit dem Spieler habe ich nicht gesprochen." Oder es gibt einen Riesenkrach im Klub. Wenn das jemand mitbekommt, dann muß ich schauspielern und sagen: "Was für ein Krach? Die haben sich doch nur ein paar Worte an den Kopf geschmissen!" In solchen Situationen schlüpft man in eine Rolle, weil wir den Medien nicht zu jedem Zeitpunkt die Wahrheit sagen müssen. Ich sage dann nicht die Unwahrheit, sondern versuche, die Wahrheit zu ummanteln.

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