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Aserbaidschan : Berti Vogts will auch mal gewinnen

  • -Aktualisiert am

Vorausschauender Trainer: Bald werde es sehr schwer werden, in Aserbaidschan zu gewinnen Bild: dpa

Die vielen Unzulänglichkeiten im Nicht-Fußball-Land Aserbaidschan bewegen Entwicklungshelfer Vogts, seinen Vertrag wohl nicht zu verlängern: „Ich will auch mal ein Spiel gewinnen.“ Allerdings wohl kaum am heutigen Abend gegen Deutschland.

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          In kurzen Hosen, die Fußballschuhe in der Hand und das Hemd durchgeschwitzt, führt Berti Vogts seine Mannschaft durch die Lobby des Hotels am Tiergarten zu den Fahrstühlen. Es hat ihm Spaß gemacht, in Kirchrode auf einem satten grünen Rasen zu trainieren. „Zu Hause“ in Baku, wie zuletzt vor der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen Finnland, muss die Nationalmannschaft Aserbaidschans auf heruntergekommenen Anlagen von „unterem Kreisklassen-Niveau“, so Torwart-Trainer Uli Stein, Laufwege, Positionswechsel und Taktik üben.

          Es sind diese und viele andere Unzulänglichkeiten in dem „Nicht-Fußball-Land“ am Kaukasus, die Berti Vogts bewegen, seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag von sich aus höchstwahrscheinlich nicht zu verlängern. „Ich bin zwar Entwicklungshelfer, aber auch der braucht sein Erfolgserlebnis“, sagt der 62 Jahre alte einstige Bundestrainer. „Ich bin noch zu ehrgeizig und will daher auch mal ein Spiel gewinnen.“

          Voraussichtlich ein Einheimischer wird Vogts' Früchte ernten

          Gegen Finnland am vergangenen Samstag in Baku war er bei der 1:2-Heimniederlage nahe dran. An diesem Mittwochabend aber im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland in Hannover (20.45 Uhr / ZDF) wird kaum der erste Sieg gelingen. „Ich kenne doch die Mentalität der deutschen Spieler“, sagt der frühere Bundestrainer. „Wir haben sie vor vier Wochen in Baku geärgert. Sie sind trotz des 2:0 kritisiert worden und werden von der ersten Minute an mit Vollgas in dieses Spiel gehen. Da braucht Joachim Löw nichts zu sagen.“

          Armer Berti Vogts: Auch ein Entwicklungshelfer braucht mal ein Erfolgserlebnis
          Armer Berti Vogts: Auch ein Entwicklungshelfer braucht mal ein Erfolgserlebnis : Bild: ddp

          Wenn auch die Erfolgsresultate fehlen, glaubt der Weltenbummler in den anderthalb Jahren seiner Tätigkeit trotz aller Schwierigkeiten mit den Ligaklubs einiges bewirkt zu haben. Die Mannschaft habe durch viele junge Spieler ein neues Gesicht bekommen. Konditionell habe sie „enorm aufgeholt“, taktisch habe sie sich verbessert. „Wenn mein Nachfolger weiter diesen Weg geht, wird es schon bei der nächsten Qualifikation sehr schwer werden, in Aserbaidschan zu gewinnen.“

          Ein anderer, „voraussichtlich ein Einheimischer“, sagt Vogts, würde also die Früchte ernten, wenn er geht. Ihm lägen Angebote vor, unter anderem aus Russland (Zenit St. Petersburg), aus dem übrigen Europa, darunter ein schottischer Spitzenklub, und selbst aus den Vereinigten Staaten. Die Nähe zu seinem einundzwanzigjährigen Sohn Justin, der gerade aus Glasgow heimgekommen ist und sein Studium der Mechanikaeronautik an der TH Aachen fortsetzt, spielt bei der Entscheidung eine wichtige Rolle. Drei Wochen im Monat während des Spielbetriebs arbeitet Vogts in Baku, in der vierten besuchte er oft seinen Sohn in Glasgow. „Dennoch bin ich viermal so viel mit der Nationalmannschaft zusammen wie Joachim Löw, verdiene aber nur ein Viertel von ihm“, merkt er an.

          Flagge zeigen in Nagornyj Karabach

          Anders als in den Klubs der Hauptstadt am Kaspischen Meer, bei denen wegen meist älterer Spieler aus Georgien, der Türkei oder der Ukraine Azeris kaum zum Einsatz kommen, wird beim FC Karabach Agdam die nationale Identität hochgehalten. Beim Pokalsieger spielen ausschließlich Einheimische aus der Konfliktregion Nagornyj Karabach. „Der Name Karabach im Fußball ist für Aserbaidschan enorm wichtig“, sagt Vogts. Mehrmals nahm er die vierstündige Autofahrt in das bis 1994 noch kriegerisch mit Armenien umkämpfte Gebiet auf sich, um „Flagge zu zeigen“. Als für die EM-Qualifikation 2008 Armenien und Aserbaidschan in eine Gruppe gelost wurden, fielen beide Spiele aus.

          Ein Spieler aus Karabach schoss gegen Finnland das erste Tor der WM-Qualifikation, der 21 Jahre alte Elwin Mammadow. „Wenn wir gewonnen hätten, wäre ich in Aserbaidschan wahrscheinlich ein Held gewesen. Aber für die Leute in Karabach ist es auch so von großer Bedeutung, dass einer der Ihren das erste Tor geschossen hat“, erzählt Mammadow und verweist darauf, dass auch die Vorlage von einem Spieler aus Karabach gekommen sei, von dem zwanzigjährigen Vafig Jawadow. Beide Talente sind besondere Zöglinge des deutschen Trainers. Kein Wunder, wenn Mammadow hofft, „dass Herr Vogts bleibt“.

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