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AS Monaco : Das Fürstentum hofft auf den Kalium-König

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Bisher Alleineigentümer: Prinz Albert II, mit Ehefrau Charlene Wittstock Bild: picture-alliance/ dpa

Acht Jahre nach dem Einzug ins Champions-League-Finale kämpft der AS Monaco gegen den Sturz in die Drittklassigkeit. Nun soll ein russischer Investor die Wende bringen.

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          Tief unten im Bauch des Stade Louis II liegt eine Pizzeria, die im Zuge der sportlichen Talfahrt des AS Monaco einige Berühmtheit erlangt hat. Seit die monegassische Equipe in der zweiten französischen Liga so kläglich spielt, dass sie zu Hause in dieser Saison erst einmal gewonnen hat, witzelt Fußball-Frankreich gerne, dass es an Spieltagen im Restaurant voller als auf den Rängen sei. Zwar waren glühende Fußball-Fans im Fürstentum schon immer rar, doch seit der Klub im vergangenen Sommer nach 34 Jahren Erstklassigkeit in die Ligue 2 abstieg, herrscht chronische Leere in seinem Stadion.

          Wo internationale Stars Monacos Hautevolée einst illustre Abendunterhaltung boten, stellen sich heute selten mehr als 2000 Zuschauer ein. Auch so klingende Namen wie Henry, Trezeguet, Thuram, Djorkaeff oder Sagnol finden sich im aktuellen Kader der einstigen Talentschmiede inzwischen ebenso wenig wie elitäres Spielvergnügen auf dem Rasen. Prominenz ins Team bringt lediglich Ludovic Giuly, der schon 2004 für die Monegassen spielte, als sie mit dem Einzug ins Champions-League-Finale ihren europäischen Zenit erreicht hatten.

          Keine acht Jahre, aber sieben Trainer und vier Präsidenten später kämpft der siebenmalige französische Meister im Tabellenkeller gegen den Sturz in die Drittklassigkeit. Um zu verhindern, was nach fürstlichem Selbstverständnis nicht sein darf, öffnete nach langem Zaudern der bisherige Alleineigentümer des Klub Prinz Albert, in der Winterpause dem russischen Investor Dmitri Rybolowlew die Türen zum Sportpalast der Principauté.

          Noch zu Saisonbeginn hatte der adlige Edelfan eine erste Offerte des 9,5 Milliarden Dollar schweren Oligarchen dankend abgelehnt. In der an desaströsen und imageschädigenden Darbietungen reichen Hinrunde des AS Monaco scheinen die moralischen Vorbehalte des Fürsten gegenüber Rybolowlew, der 1996 des Mordes am Generaldirektor einer russischen Aktiengesellschaft angeklagt und wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden war, jedoch verschwunden zu sein.

          Und so brachte Albert, für den das Renommee des bekanntesten Vereins in seinem zwei Quadratkilometer kleinen Land immer auch das Renommee des Staates ist, gegen ein abermaliges Angebot Rybolowlews kein Veto mehr vor. Bis zu 200 Millionen Euro will der 45-Jährige, der 66,67 Prozent der Aktienanteile der Association Sportive de Monaco und das Präsidentenamt übernahm, in den kommenden vier Jahren investieren - die vierfache Summe des jährlichen Klubetats.

          Beginn einer schlagkräftigen Partnerschaft

          Damit wird der Mittelmeerstaat neben Paris und Lyon zu einem finanziellen Hotspot des französischen Fußballs. Doch während die Fans in Paris ihrem Neu-Eigner aus Qatar mit Skepsis begegnen, wird in Monaco gleichmütig akzeptiert, dass ab sofort ein mit der Produktion von Kunstdünger reich gewordener Kalium-König die Finanzen des Vereins aufbessert. Adel verpflichtet im Fürstentum selbst bei fragwürdigen Titeln. Vereinsnähe lässt sich Rybolowlew immerhin nicht absprechen.

          Der Magnat wohnt seit Jahren aus naheliegenden Gründen in der Steueroase und ließ es sich nicht nehmen, dem ersten Spiel nach der Winterpause beizuwohnen, Händeschütteln mit der Mannschaft in der Kabine inklusive. Die bloße Präsenz Rybolowlews zeigte Wirkung. Unter den Augen des neuen Mäzens gewann Monaco, das seit dem 20. September 2011 auf einen Sieg gewartet hatte, auswärts in Istres und bezwang nur vier Tage später den Abstiegskonkurrenten Amiens. Dass dort zwischen rot-weißen Vereinsflaggen auch eine russische Fahne wehte, freute besonders den neuen Präsidenten, für den die Übernahme der Aktienmehrheit nach eigenem Beteuern „kein reines Erwerbsgeschäft“, sondern „der Beginn einer effizienten und schlagkräftigen Partnerschaft“ ist.

          Wolf kommt aus Bremen

          Böse Zungen unken hingegen, der AS Monaco sei für Rybolowlew nach einer 100-Millionen-Dollar-Yacht, einem Airbus und einer Werke von Picasso und Van Gogh umfassenden Gemäldesammlung nicht nur ein weiteres hippes Statussymbol, sondern ein sportlicher Umweg, Vermögenswerte dem Zugriff seiner bald ehemaligen Ehefrau zu entziehen. Einkäufe aus dem Hochpreisbereich sind auf dem Transfermarkt bisher allerdings noch nicht erfolgt.

          Neuer Mann für Monaco: Andreas Wolf von Werder Bremen

          Dafür investierte Monacos neuer Sportdirektor Ewgeni Smolentsew, der sich an gleicher Stelle schon bei Spartak Moskau betätigt hatte, Rybolowlews Millionen fleißig in vier preislich unprätentiöse Neuzugänge. Der Deutsch-Uruguayer Gary Kagelmacher und der von Werder Bremen an die Riviera transferierte Andreas Wolf sollen künftig die anfällige, weil unerfahrene Defensive der Monegassen stabilisieren.

          Eine exklusive Schmach droht

          Den mäßigen Sturm verstärken werden der jüngere Bruder des großen Yaya, der Senegalese Ibrahima Touré, und der Niederländer Nacer Barazite. Weitere Spieler sollen - zur Erleichterung von Trainer Marco Simone - folgen. Gebetsmühlenartig hatte der Italiener, der mit Monaco als Spieler die französische Meisterschaft gewann, nach jeder Niederlage die „Neustrukturierung des Teams“ gefordert und betont: „Wenn es eine Zukunft für uns geben soll, dann müssen wir eine Mannschaft aufbauen.“

          Sollte dieses Unterfangen misslingen, liefert das Schicksal von Racing Strasbourg ein abschreckendes Beispiel, wohin Monacos Weg noch führen könnte. Nach einem finanziell und sportlich denkwürdigen Absturz spielt der ehemalige Meister und dreimalige Pokalsieger in dieser Saison in der französischen Amateurklasse. Dem AS Monaco droht im Fall der Fälle immerhin eine wahrhaft exklusive Schmach: Der Verein wäre Europas erster Champions-League-Finalist in der dritten Liga.

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