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Aufregung um Bayerns Vidal : „Natürlich war es eine Schwalbe“

  • -Aktualisiert am

Küsse fürs Publikum: Thomas Müller sichert den Bayern das Pokalfinale Bild: AP

Eine Fehlentscheidung führt zum 2:0 der Bayern im Pokal-Halbfinale gegen Werder. Erstaunlich ist die Reaktion der Bremer auf den „Fall Vidal“. Konsequenzen muss der Chilene aber nicht befürchten.

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          Pep Guardiola vergrub die Hände nervös in den Hosentaschen und lief unruhig auf und ab. Dem Trainer des FC Bayern gefiel nicht, was er nach einer guten Stunde in diesem Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen auf dem Rasen sah.

          Es musste etwas passieren, denn seiner Mannschaft drohte das Spiel beim Stand von 1:0 zu entgleiten. Also brachte er Arturo Vidal, jenen Mann, der in den vergangenen Wochen die wichtigen Münchner Partien geprägt hatte mit Willen, Bissigkeit und Toren. Und der Chilene gab auch diesem Pokalspiel den entscheidenden Impuls, aber einen höchst zweifelhaften. Vidal war gerade drei Minuten auf dem Platz, als er mit dem Ball am Fuß in den Strafraum stürmte. Janek Sternberg kam herangerauscht, um Schlimmeres zu verhindern, und der Münchner ging artistisch zu Boden.

          Schiedsrichter Tobias Stieler zögerte in dieser 70. Minute keinen Moment mit seiner Entscheidung. „Ich stand so gut“, sagte der Hamburger später. Und er war sich so sicher, dass der Bremer seinen Gegenspieler getroffen hatte. „Ich habe einen Kontakt gesehen“, sagte Stieler später, nachdem er die Fernsehbilder studiert und festgestellt hatte: „Aber es war keiner. Es tut mir leid.“

          Vidal liegt am Boden und hält sich den Fuß – getroffen aber wurde er nicht. Bilderstrecke

          Er habe sich in jenem Augenblick auch noch bestätigt gefühlt, weil außer Sternberg kein Bremer reklamiert habe. Thomas Müller nahm das Geschenk an; der Stürmer, der bereits das erste Münchner Tor erzielte hatte (30. Minute), verwandelte auch den Foulelfmeter zum 2:0.

          Während der FC Bayern das Spiel glanzlos zu Ende brachte und am 21. Mai in Berlin zum 21. Mal in der Vereinsgeschichte das Finale um den DFB-Pokal bestreitet, regte sich in den sozialen Netzwerken heftige Kritik an Vidals höchst unsportlicher Aktion. Auch die Münchner räumten ein, von einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters profitiert zu haben. „Es war nahe dran am Foul“, sagte Müller. „Aber es war kein Foul. Natürlich war es eine Schwalbe.“ Ermittlungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) muss Vidal nicht befürchten, da der Schiedsrichter eine „nicht angreifbare Tatsachenentscheidung“ fällte. Damit ist eine sportrechtliche Verfolgung nicht möglich.

          Erstaunlich gelassen reagierte anschließend hingegen Werder. „Solche Sachen können passieren, da muss der Schiedsrichter etwas mehr aufpassen. Sie können ein Spiel entscheiden“, fand Claudio Pizarro. Der Bremer Geschäftsführer Sport, Thomas Eichin, nahm Stieler sogar in Schutz. „Vidal wartet auf den Kontakt, aber der kam nicht. Das ist in der Geschwindigkeit schwer zu sehen." Nur Kapitän Clemens nahm die Entscheidung nicht ganz so sportlich. Es sei gerade in einer Phase passiert, „in der wir sehr gut im Spiel waren. Man hatte das Gefühl, es könnte noch was gehen. Das ist ärgerlich."

          Tatsächlich waren die in der Bundesliga im Abstiegskampf befindlichen Bremer in der zweiten Hälfte lange dem Ausgleich näher als die Münchner mit ihrem „wackligen, zähen Spiel“, wie es der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge beschrieb, dem zweiten Treffer.

          Vidal trat mit seiner Schauspieleinlage in einen zweifelhaften Wettstreit mit Andreas Möller um die unsportlichste Schwalbe der deutschen Fußball-Historie. Der Weltmeister von 1990, damals in Diensten von Borussia Dortmund, hatte vor 21 Jahren im Bundesliga-Spiel gegen den Karlsruher SC eine Attacke des heutigen Darmstadt-Trainers Dirk Schuster vorgetäuscht und anschließend von einer „Schutzschwalbe“ gesprochen.

          Er wurde nachträglich für zwei Spiele gesperrt und mit einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Mark belegt. Besonders verwerflich fand der DFB damals, dass Möller anschließend auch noch erklärt hatte, bei jedem anderen Trainer des Gegners hätte er dem Schiedsrichter gegenüber den Fehler zugegeben, nicht aber bei Winfried Schäfer. Bei Vidal ging es zumindest nicht um persönliche Animositäten. Der Chilene war immerhin so clever, nach Schlusspfiff die Aussage zu der Szene des Spiels zu verweigern. Er dürfe nicht über das Spiel sprechen, ließ er wissen.

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