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Arsène und Arsenal : Die verkaufte Magie

Der einsame Mann am Spielfeldrand: Arsène Wenger bei Arsenals Niederlage gegen die Bayern Bild: AFP

Er brachte als erster so etwas wie Philosophie in den Fußball: Arsène Wenger verwandelte „boring Arsenal“ in ein begeisterndes Schaustück des Offensivfußballs. Doch die Zeit läuft gegen ihn.

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          Ihr werdet mich vermissen, wenn ich fort bin“, sagte Arsène Wenger am Montag. Und wahrscheinlich wird er recht behalten mit seiner Prophezeiung an alle, die seine Zukunft beim FC Arsenal so sehr in Frage stellen wie nie zuvor in seinen 16 Jahren in London. Wenger hat dort Epochales geschaffen. Es waren weniger die Titel, die er von 1998 bis 2005 gewann, es war die Art, wie er den Fußball auf der Insel modernisierte und europäisierte, mit neuen Trainingsformen, mit Gymnastik und Diät, mit der Abkehr von einem Fußball der Tackler und Trinker.

          Der Elsässer verwandelte einen Klub, der als „boring Arsenal“ galt, als destruktives Team, in ein begeisterndes Schaustück des Offensivfußballs. Er brachte als erster etwas ins Spiel, das später bis hinunter zu jedem Landesliga-Trainer mit dem Fußball-Modewort „Philosophie“ belegt wurde. Bei dem sanften Weisen Wenger, hatte das tatsächlich manchmal etwas Philosophisches: eine ganz bestimmte, dem Lauf des Balles, dem Fluss der Kombinationen, der Schönheit und Klarheit des Spiels untergeordnete Idee des Fußballs.

          Bevor der FC Barcelona diese Rolle übernahm, war Arsenal zum Inbegriff für die Kunst des Angriffsfußballs geworden. Wenger schien außerhalb der kleingeistigen Hektik des Alltags zu stehen wie sonst nur Alex Ferguson, der einzige ähnlich langlebige Klubtrainer der Moderne. Während eine Entlassung von Sir Alex bei Manchester United aber seit mehr als zwanzig Jahren so undenkbar scheint wie eine Entlassung der Queen, ist das Ende der Ära Wenger vorstellbar geworden.

          Mehr noch als das 1:3 gegen den FC Bayern war es der dabei sichtbare Klassenunterschied, der Wengers Vertröstungen an die laut protestierenden Fans endgültig unglaubwürdig machte. Während die Bayern aufgrund ihrer ökonomischen Überlegenheit in der Bundesliga Mitte des letzten Jahrzehnts auch die Finanzierung eines eigenen Stadions stemmen konnten, ohne an Vorsprung einzubüßen, hat dieselbe Aufgabe Arsenal im sportlichen Kampf mit fremdfinanzierten Klubs wie Chelsea oder Manchester City überfordert.

          Wenger musste zu viele Weltklassespieler ziehen lassen und fand keine neuen - eine Entwicklung, die sich verselbständigt hat. Wenn ein Klub den Ruf verloren hat, um Titel mitzuspielen, wird er unattraktiv für Spieler mit genau dem Potential, das Arsenal früher hatte. Zu lang hat Wenger darauf vertraut, seine wichtigsten Spieler selbst auszubilden, und sich zu lang geweigert, gerade auf den defensiven Positionen viel Geld auszugeben. Genau dort aber rächt sich die Prinzipientreue schnell.

          Nun scheint finanziell das Schwerste überstanden, das Emirates-Stadion beginnt sich zu amortisieren, und für den Sommer, heißt es, wolle der Klub rund 85 Millionen Euro für neue Spieler bereitstellen. Ob das aber sportlich noch rechtzeitig kommt für Wenger? In 16 Jahren hat der Franzose 16-mal die Champions League erreicht, muss aber nun als derzeit Fünfter der Premier League auch um dieses Minimalziel kämpfen. Sollte es ihm misslingen, es wäre vermutlich das Ende der Ära Wenger - und damit das unwiderrufliche Ende einer einst magischen Fußballgeschichte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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