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Holland-Kommentar : Robben ist der letzte niederländische Riese

Ist ihm schon übel vom Mitspielen? Arjen Robben ist nach der Pleite der Niederländer in Bulgarien schockiert Bild: AP

Ohne Holland fahr’n wir zur WM...? Die Schadenfreude über den Stadionhit hat sich abgenutzt. Die niederländische Nationalelf taumelt von Debakel zu Debakel. Es gibt nur einen, der den totalen Absturz von Oranje verhindern kann.

          Ohne Holland fahr’n wir zur WM... Der Stadionhit von 2002 wird 2018 wohl nicht mehr so viel Spaß machen. Die Schadenfreude hat sich abgenutzt. Der spielerische Vorsprung des kleinen vor dem großen Nachbarn, der die Rivalität befeuerte, ist lange passé. Aber noch ist Zeit für Holland, es abzuwenden und sich neu zu erfinden. Brasilien, bei der letzten WM erst von Deutschland, dann, im Spiel um Platz drei, von den Holländern gedemütigt, macht es vor. Als erster der 32 Teilnehmer neben Gastgeber Russland haben sich die Brasilianer schon qualifiziert – mit einem 3:0 gegen Paraguay, dem achten Sieg nacheinander.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Unter Trainer Tite, mit dem die Siegesserie begann, gibt es keinen festen Kapitän. Die Binde wechselt zwischen fünf, sechs Spielern. Ähnlich verfährt der neue englische Trainer Gareth Southgate. Die Abkehr von einem fix ernannten Spielführer erleichtert es, einen abbauenden Alt-Kapitän wie Wayne Rooney geräuscharm auszumustern oder, wie in Brasilien, einen Superstar wie Neymar, den die Dauerrolle des Anführers überforderte, zu entlasten.

          Einst die Flexibilität auf die Spitze getrieben

          Die Niederlande haben einst die Flexibilität auf einer anderen Position noch weiter getrieben und Trainerlegenden wie Rinus Michels 1974 oder Ernst Happel 1978 nur temporär, für die Dauer einer WM-Kampagne, beschäftigt. Beide verpassten den Titelgewinn knapp. Inzwischen wäre man schon froh, WM-Statist sein zu dürfen – und einen Trainer zu finden, der länger haltbar bliebe als nur ein, zwei Jahre. Und während sonst üblicherweise der Trainer den Kapitän ernennt, könnte es hier nun andersherum sein.

          Denn wenigstens das, wenn schon keinen starken Trainer und keine sichere Turnierpräsenz mehr, hat Oranje noch: einen Kapitän. Einen von Rang. Arjen Robben, der beim 0:2 gegen Bulgarien, dem letzten Spiel unter Danny Blind, auf dem Feld auch nichts ausrichten konnte und danach die Rückkehr nach München verschob, um beim 1:2 im Test gegen Italien seiner Elf wenigstens auf der Tribüne beizustehen, erklärte den Wunsch, als Kapitän über den nächsten Trainer mitentscheiden zu dürfen. Ob sie es wagen, ihm das abzuschlagen? Robben, Hollands letzter Weltstar, ist Kapitän auf einem sinkenden Schiff. Was, wenn auch er aufhört, wie vor ihm Robin van Persie?

          Das Land produziert keine Weltklasse mehr, weder bei Spielern noch bei Trainern. Seit dem letzten Hurra unter dem nun wieder hofierten Louis van Gaal 2014 hat man in 15 Qualifikationsspielen nur gegen Lettland, Kasachstan, Weißrussland und Luxemburg gewonnen. Trainerlos und talentarm scheint das Land nach vier Jahrzehnten als strahlende Größe des europäischen Fußballs auf dem Weg zurück ins Reich der Fußballzwerge. Vielleicht kann das nur ihr letzter Riese, Arjen Robben, verhindern – indem er noch bis zur WM 2022 Kapitän bleibt und sich dann zum Trainer machen lässt.

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