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Argentiniens Nationaltrainer : Novize auf hohem Niveau

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Kein Selbstläufer: Argentiniens Nationalcoach Lionel Scaloni will Deutschland besiegen. Bild: EPA

Lionel Scaloni soll die argentinische Nationalmannschaft zur WM nach Qatar führen. Das jedoch wird für ihn kein Selbstläufer. Im Testspiel gegen Deutschland fehlt zudem sein bester Spieler.

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          Schlafen, so sieht das jedenfalls Lionel Scaloni, ist ein bisschen wie „langsam zu sterben“. Vier Stunden hält es der Nationaltrainer Argentiniens oft nur im Bett aus, länger nicht. Dann muss er los, hinein in den Tag, in den er so gern mit dem Fahrrad fährt. „Ich bin hyperaktiv. Ich denke ständig an all die Dinge, die ich noch vorhabe, deswegen kann ich mich so schlecht entspannen“, sagte er mal der Zeitung „Clarin“.

          Fußball-Länderspiele

          Der Zeit war Scaloni schon immer voraus. Den Trainerschein machte er, da hatte er noch nicht mal seine aktive Laufbahn als Fußballprofi beendet. Dass es allerdings so schnell gehen würde und er im Alter von 40 Jahren die argentinische Nationalmannschaft anvertraut bekommt, das hätte selbst er nicht gedacht. Heute ist Scaloni 41 Jahre alt, sein Amt als Nationaltrainer hat er vor dem Länderspiel am Mittwoch gegen Deutschland (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Länderspielen und bei RTL) noch immer inne und auch das ist mehr, als ihm von der Allgemeinheit zugetraut worden ist.

          Scaloni ist ein Novize auf diesem Niveau, Erfahrung als Trainer hat er kaum. Er trainierte die U 20 und war Assistent von Jorge Sampaoli. Nach dessen Entlassung übernahm er vor rund einem Jahr die Albiceleste, die Himmelblaue, wie Argentiniens Mannschaft vom Volk gerufen wird. Ursprünglich sollte Scaloni nur als Übergangslösung dienen, aber der dritte Platz bei der Copa America im Sommer 2019 sicherte ihm das Bleiberecht.

          Nun soll Scaloni Argentinien zur Weltmeisterschaft 2022 nach Qatar führen. Im kommenden Jahr beginnt die Qualifikation, die in Südamerika einem Marathon gleicht. Zehn Mannschaften, jeder gegen jeden, 18 Spieltage. Dabei müssen die Spieler nicht nur dem Pensum, sondern auch Höhe, Hitze und Kälte in verschiedenen Klimazonen trotzen. Testspiele in Europa wie gegen Deutschland sind da eine willkommene Abwechslung. Zumal die meisten Profis ohnehin auf dem alten Kontinent ihrem Broterwerb nachkommen.

          Es gab in der Geschichte des Fußballs sicherlich günstigere Momente, um als Trainer Argentiniens zu reüssieren. Seit der erfolgreichen WM 2014, die mit einer unglücklichen Finalniederlage gegen Deutschland endete, ist Scaloni bereits der vierte Trainer, der sich bei der Auswahl versuchen darf. Die fehlende Konstanz auf dieser wichtigen Position übertrug sich zuletzt auf die Mannschaft, bei den vergangenen drei Kontinentalturnieren verfehlte Argentinien jeweils den so sehr ersehnten Sieg.

          Für die Titelkämpfe in Qatar soll eine neue Mannschaft aufgebaut werden. Wie diese aussehen könnte, weiß Scaloni noch nicht. Die Testphase hält weiter an, von den 25 Spielern, die er für die Länderspiele gegen Deutschland und Ecuador nominiert hat, sind die wenigsten einem breiten Publikum bekannt. Am ehesten noch Paulo Dybala, der Angreifer von Juventus Turin. Lionel Messi, Sergio Agüero und Angel di Maria, die großen Namen, fehlen. Messi ist nach seiner Schiedsrichterschelte bei der Copa America noch gesperrt, auf die viel beanspruchten Agüero (Manchester City) und di Maria (Paris) verzichtet Scaloni. Aus der Bundesliga sind drei Spieler dabei. Lucas Alario (Leverkusen), Leonardo Balerdi (Dortmund) und Nicolas Gonzalez (Stuttgart).

          Von denen, die vor fünf Jahren in Rio gegen Deutschland um den WM-Pokal spielten, ist nur noch Verteidiger Marcos Rojos übrig. Allein im Kalenderjahr 2019 hat der Trainer 41 verschiedenen Spielern zu Einsätzen in der Seleccìón verholfen. Er sucht noch. Nach der richtigen Formation, der richtigen Taktik, dem richtigen Personal. Am Ende wird es wie bei seinen Vorgängern auch darauf hinauslaufen, das beste Umfeld für Lionel Messi zu schaffen. Auf den Weltfußballer baut Scaloni mit Hinblick auf Qatar, das hat er mehrfach betont. Dass Messi beim Turnier 35 Jahre alt sein wird, fällt aus Sicht des Trainers nicht weiter ins Gewicht. „Messi wird so lange der Beste sein, wie er will“, sagte Scaloni unlängst.

          Nicht nur den besten Spieler, auch die beste Mannschaft zu betreuen, das ist Scalonis Traum. Wie seine Assistenten Walter Samuel, Pablo Aimar und Roberto Ayala gehört er zu jener hochtalentierten argentinischen Millennium-Generation an Fußballern, die das Versprechen auf den WM-Titel nie einlösen konnte. Als Trainer würde er diesen Makel gern beseitigen. Und sollte ihm der Weg dahin ein paar schlaflose Nächte kosten, Lionel Scaloni hätte damit sicher kein Problem.

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