https://www.faz.net/-gtl-a560b

Hirn-OP bei Diego Maradona : „Wir sind erstaunt über die Heilung“

  • Aktualisiert am

Gefragter Mann: Diego Maradonas Leibarzt Leopoldo Luque vor der Klinik Bild: AFP

Kurz nach seinem 60. Geburtstag muss Diego Maradona in die Klinik und am Gehirn operiert werden. Fans und frühere Weggefährten bangen um Argentiniens Fußball-Legende. Nun gibt es gute Nachrichten vom Leibarzt.

          3 Min.

          Argentiniens Fußball-Idol Diego Maradona erholt sich offenbar schneller als erwartet von seiner Hirn-Operation. Das bestätigte sein Leibarzt Leopoldo Luque am Mittwoch (Ortszeit). „Ich habe ihn gesehen, er ist munter und in sehr guter Stimmung. Wir sind erstaunt über die Heilung“, sagte Luque. Man müsse allerdings „vorsichtig sein, denn wir sind noch in der postoperativen Phase. Aber die Genesung verläuft ausgezeichnet.“

          F+ FAZ.NET komplett

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          Jetzt F+ kostenlos sichern

          Maradona war am Dienstag in Buenos Aires ein Bluterguss an der Hirnhaut, ein sogenanntes subdurales Hämatom, entfernt worden. Weil er „anämisch und ein wenig dehydriert“ war, hatte sich der Weltmeister von 1986 am Montagabend, drei Tage nach seinem 60. Geburtstag, in ein Krankenhaus in La Plata begeben. Zunächst war geplant, dass sich der Trainer des ortsansässigen Erstligavereins Gimnasia y Esgrima lediglich medizinisch durchchecken lassen sollte.

          „Es geht ihm besser als gestern“, hatte Luque nach der ersten Nacht im Krankenhaus berichtet, nachmittags dann aber überraschend die OP angekündigt. Der einst geniale Spielmacher kämpft seit vielen Jahren gegen seine Kokainsucht und griff laut Luque zuletzt häufig zum Alkohol, um Depressionen zu entfliehen. Deshalb, so der Mediziner, nehme Maradona auch Antidepressiva.

          Schon nach den erlösenden Worten des Mediziners direkt nach der OP brandete Applaus und Jubel unter den von Dutzenden Fans auf, die vor der Klinik warteten, wie TV-Bilder zeigten. „Ich liebe dich, Diego“, schrie einer. Viele trugen Trikots der argentinischen Nationalmannschaft mit Maradonas Rückennummer 10 oder von dessen Heimatvereins Boca Juniors.

          Andere hielten Fahnen mit dem Konterfei des „Pibe de Oro“ (Goldjungen) hoch, der in seiner Heimat als Nationalheld verehrt wird. „Diego, wenn es dir gut geht, geht es uns gut“, war auf einem Transparent nebst der Aufschrift „D10S“ (was sich ähnlich wie „Dios“ – Gott – schreibt) zu lesen. „In diesem fußballverrückten Land ist Maradona unser größter Held, der Rest ist unwichtig“, sagte der 29 Jahre alte Nicolás der Zeitung „La Nación“.

          Die Operation, an der mehrere Ärzte beteiligt gewesen seien, habe etwa eine Stunde und 20 Minuten gedauert, fügte der Mediziner Luque hinzu. Sie sei zwar nicht besonders kompliziert gewesen. „Aber es ist eben ein neurochirurgischer Eingriff.“ Maradona befinde sich nun unter Beobachtung auf seinem Zimmer und erhole sich. Wann der Weltmeister von 1986 entlassen werden kann, könne er noch nicht sagen. Dies hänge vom weiteren Verlauf ab. Zunächst solle die angelegte Drainage entfernt werden, erläuterte Neurochirurg Luque.

          „Danke an alle, die für ihn gebetet haben“, schrieb Maradonas Tochter Dalma in der Nacht auf Mittwoch bei Twitter. Ihre Schwester Jana fügte hinzu: „Jetzt fühlt sich das Leben etwas leichter an.“ Aus ganz Argentinien und aus dem Ausland erreichten Genesungswünsche den legendären Fußballspieler. Selbst Vizepräsidentin Cristina Kirchner und Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro erkundigten sich nach Angaben seines Anwalts Matías Morla nach Maradona.

          „Diego, ich wünsche dir alle Kraft der Welt“, schrieb der argentinische Stürmerstar Lionel Messi am Mittwoch auf Instagram neben einem älteren Foto, das ihn neben Maradona zeigt. „Meine Familie und ich wollen dich so schnell wie möglich wieder fit sehen. Eine Umarmung von Herzen.“ „#FuerzaDiego“ (etwa: Diego, sei stark) twitterte die Nationalelf.

          Auch Real Madrids Trainer Zinedine Zidane wünschte Maradona alles Gute. „Er ist gerade 60 Jahre alt geworden. Viele Leute haben ihm etwas gewidmet und ich auch. Ich hoffe und bitte, dass alles gut geht, denn das ist es, was wir für ihn und seine Familie wollen“, sagte Zidane nach dem Sieg in der Champions League gegen Inter Mailand laut der Vereinshomepage des spanischen Rekordmeisters.

          Maradona war am Montag in ein Krankenhaus in La Plata südlich von Buenos Aires gebracht worden. Zunächst war lediglich von emotionalem Stress, Blutarmut und Dehydrierung die Rede. Bei den Tests wurde dann die Blutung entdeckt. An seinem 60. Geburtstag hatte das Idol am Freitag bereits einen angeschlagenen Eindruck gemacht. „Diego war zuletzt sehr depressiv“, sagte sein Anwalt Morla am Mittwoch. „In dieser Zeit rund um seinen Geburtstag vermisst er immer sehr jene, die nicht mehr bei und sind – vor allem seine Mutter.“ Die Isolation in der Corona-Pandemie mache ihm zudem schwer zu schaffen.

          Viele leidenschaftliche Fans hofften auf gute Nachrichten von Maradona vor der Klinik.
          Viele leidenschaftliche Fans hofften auf gute Nachrichten von Maradona vor der Klinik. : Bild: AFP

          Vor dem ersten Spiel seines Vereins Gimnasia y Esgrima La Plata nach der Corona-Pause kam er zwar kurz ins Stadion, um Glückwünsche und Geschenke entgegenzunehmen. Allerdings musste er von zwei Begleitern beim Gehen gestützt werden. Die Partie selbst verfolgte Maradona auf Anraten seines Arztes von zu Hause aus. Argentiniens Fußball-Held hat immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt. 2000 diagnostizierten Ärzte ein Herzleiden, verursacht durch Kokainkonsum. Es folgten unter anderem Entziehungskuren und eine Magenverkleinerung.

          Weitere Themen

          Frankreich auf Viertelfinal-Kurs

          Handball-WM : Frankreich auf Viertelfinal-Kurs

          Norwegen gewinnt ein richtungsweisendes Duell bei der Handball-WM. Die Schweiz überrascht abermals. Gastgeber Ägypten bezwingt RHF. Und Frankreich bleibt ohne Verlustpunkt.

          Topmeldungen

          Biden-Präsidentschaft, Tag 1 : Er hat sich viel vorgenommen

          An seinem ersten Tag im Amt nimmt Joe Biden zahlreiche Regelungen von Donald Trump zurück. Der neue Präsident will den Klimaschutz voranbringen und den Kampf gegen Corona besser koordinieren – Hindernisse sind allerdings schon programmiert.

          Party für den Präsidenten : Eine große Werbeveranstaltung für Joe Biden

          Anstelle des traditionellen Balls wird für Joe Biden eine virtuelle Party mit vielen Stars veranstaltet. Doch das als gutgelaunte Feier getarnte Event entpuppt sich als PR-Video. Gerade im Fahrwasser der Trump-Regierung wirkt diese Lobhudelei befremdlich.
          Infektion der anderen Art: Hacker erpressten die Funke-Mediengruppe durch sogenannte Ransomware.

          Funke nach dem Cyberangriff : Wir haben ihre Daten!

          Nachdem die Funke-Mediengruppe Ende Dezember Opfer eines Cyberangriffs geworden war, musste sie ihre gesamte IT-Struktur binnen weniger Wochen wieder aufbauen. Nun will man den Notfallmodus wieder verlassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.