https://www.faz.net/-gtl-6k318

Argentinien : Das Land der etwas anderen Fußballrekorde

„Ich danke Gott, dass Maradona ein Argentinier ist”: Diego Maradona mit dem WM-Pokal 1986 Bild: AP

Deutschlands Gegner Argentinien ist mehr als Maradona und Messi. Christian Eichler erinnert an einschläfernde Trinkflaschen, tretende Knochenspezialisten, schmutzige Spiele, verweigerte Platzverweise - und die neuste Verschwörung.

          6 Min.

          Argentinien ist mehr als Maradona und Messi - auch wenn sich die deutschen Spieler im WM-Viertelfinale an diesem Samstag (16.00 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) vor allem auf den kleinen Wirbelwind und seine zehn Mitstreiter kümmern müssen. Doch die WM-Geschichte der Südamerikaner ist reich an kuriosen Anekdoten, in denen es nicht immer herzlich zur Sache ging. Christian Eichler erinnern an zwölf etwas andere argentinische Rekorde.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der letzte Finalist

          Franchisco „Pancho“ Varallo besucht immer noch gern die „Bombonera“, das legendäre Stadion der Boca Juniors in Buenos Aires. Für sie hat der Mann, den sie „Canoncito“ nannten, die kleine Kanone, 181 Tore in 210 Spielen erzielt - mehr schaffte auch ein gewisser Maradona nicht. Varallo ist in diesem Februar 100 Jahre alt geworden.

          Er ist der letzte Überlebende des ersten WM-Finals von 1930. Damals fuhren die Argentinier über den Rio de la Plata nach Montevideo. Dort wurden sie von den Uruguayern beschimpft, mit Lärm um den Schlaf gebracht und 4:2 geschlagen. Noch fast achtzig Jahre später sagte Canoncito: „Ich bin heute noch stocksauer, dass wir verloren haben.“

          Der größte Knochenspezialist

          Eine der Stützen Argentiniens war der hünenhafte Luis Monti, der darauf spezialisiert war, Gegner einzuschüchtern - und aus dem Spiel zu treten. Solche Fähigkeiten waren gefragt. Deshalb lockte Italien 1934 vor der WM im eigenen Land Monti aus dem von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Argentinien. Monti war seine Lire wert, er trat im Halbfinale Matthias Sindelar, den Star des österreichischen „Wunderteams“, zusammen. Italien gewann den Titel, und Luis Monti wurde der erste argentinische Weltmeister - 44 Jahre bevor es sein Land wurde.

          Der Größte, der nie mitmachte

          Als erste Mannschaft, in der Positionen während des Spieles verschoben wurden, ein Kreislauf von Verteidigern und Stürmern, galt River Plate in den vierziger Jahren. Die Sturmreihe, eine der besten der Geschichte, verständigte sich mit einstudierten Pfiffen. 1944 kam der 17 Jahre alte Alfredo di Stefano in die „máquina“, wie man die perfekt geölte Tormaschine in Buenos Aires nannte.

          Eine WM aber konnte er nicht spielen: Es war Krieg. Dann ging er nach Kolumbien, zu den „Millionarios“, in die von der Fifa nicht anerkannte Profiliga. Endlich landete er bei Real Madrid, wurde der größte Spieler der Welt. Aber erst als Spanier wurde Alfredo di Stefano 1962 für eine WM nominiert - und von Helenio Herrera, einem Argentinier als spanischer Nationaltrainer, nicht aufgeboten.

          Der schwächste Favorit

          Deutschland hatte sein erstes Argentinien-Erlebnis bei der WM 1958. Der Südamerikameister war Turnierfavorit und nicht etwa Brasilien, das dann brillant gewann (eine doppelte Parallele zu 2002). Weil das blau-weiß gestreifte Trikot der „Albiceleste“ dem weißen der Deutschen zu ähnlich war, mussten die Argentinier in gelben Leih-Trikots von Malmö FF antreten.

          Das brachte sie wohl ein wenig aus der Fassung. Rahn (zwei Tore) und Seeler trafen das Tor, Rossi (ein geistiger Enkel von Monti) traf nur Eckel, Schäfer und Fritz Walter. Für den verletzten Eckel musste Schmidt in die Verteidigung, am Ende konnte auch der 38 Jahre alte Walter nur noch humpeln. Argentinien verlor 1:3, dann 1:6 gegen die Tschechoslowakei und bekam daheim Prügel.

          Das schmutzigste Spiel

          Weitere Themen

          Nordrhein-Westfalen macht ernst mit Olympia

          Olympische Spiele 2032 : Nordrhein-Westfalen macht ernst mit Olympia

          Ministerpräsident Laschet und Sportmanager Mronz präsentieren in Berlin die Olympia-Initiative von Rhein und Ruhr. Für 2032 wird es wohl die einzige deutsche Bewerbung, die sich als Signal „gegen Rassismus und Antisemitismus“ versteht.

          Topmeldungen

          Bram Schot

          F.A.Z. Exklusiv : So spart Audi gegen die Krise

          Rund 15 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren eingespart werden. Die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm wird es wohl besonders hart treffen. Audi-Chef Schrot sagt, er habe aber auch klare Vorstellungen, wie die Beschäftigung gesichert werde.

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Sie setzt alles auf eine Karte

          Sollte die Verteidigungsministerin einmal Kanzlerin sein, wird sie für den Mut gepriesen werden, den sie mit ihrem Syrien-Vorstoß beweist. Sollte sie es nicht werden, wird der Vorschlag ein Beispiel dafür sein, dass sie sich übernommen hat. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.