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Arbeitsprotokoll : Der uneitle Herr Robben

Oranje bei Bayern: Arjen Robben Bild: dapd

Arjen Robben soll nicht gut aussehen, sondern gut Fußball spielen. Das gelingt ihm in grellen Schuhen und mit nur einem Handschuh auch beim 3:1-Auswärtssieg von Bayern München in Mainz. Nur als Abwehrspieler führt er sich weinerlich auf.

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          Eitelkeit bezüglich seines Äußeren kann man Arjen Robben definitiv nicht unterstellen: Beim Gastspiel in Mainz läuft er in grellen Schuhen der niederländischen Nationalfarbe Oranje auf, die sich doch sehr mit dem eleganten Blau des Münchner Auswärtsdress' beißt. Seine empfindlichen Muskeln werden wie so oft von einer langen Unterhose gewärmt, die aber nur deshalb seine weit geschnittene graue Lieblings-Schlafanzugshose ersetzt, da die deutschen Fußballregelhüter auf der Einfarbigkeit der Beinkleidkombination bestehen.

          Bei soviel modischer Bescheidenheit stört es Robben natürlich auch nicht, dass es etwas komisch aussieht, nur am linken Arm einen roten Handschuh mit dem Vereinswappen auf der Außenseite zu tragen. Er schaffte es einfach nicht, den Wärmespender auch über den aufgrund einer Verletzung geschienten rechten Ringfinger zu ziehen.

          Jonglieren und Ballartistik

          Aber Arjen Robben soll ja auch nicht gut aussehen, sondern einfach nur gut Fußball spielen. Und das tut der niederländische Weltklassespieler, nachdem er sich beim Warmmachen rund eine Viertelstunde alleine am Spielfeldrand mit Jonglieren und Ballartistik beschäftigt hat, beim 3:1-Sieg seines Teams bei Mainz 05 von der ersten Minute an. Und das, obwohl der Gegner ihn mit ungewöhnlichen Mitteln zu bremsen versucht: Statt eines klassischen Linksverteidigers mit starkem linkem Fuß hat der Mainzer Trainer Thomas Tuchel den zweikampfstarken Rechtsverteidiger Radoslav Zabavnik nach Seitentausch mit seinem linken, auf Franck Ribéry angesetzten Pendant Christian Fuchs, ins Duell mit Robben beordert. Zabavnik soll mit seinem stärkeren rechten Fuß Robbens Weg in die Mitte und den Drang zum Torabschluss bremsen.

          Die rote Faust des niederländischen Münchners

          Das gelingt dem Slowaken zwar in der Anfangsphase recht gut. Dafür sucht sich Robben aber seinen Freiraum auf der rechten Außenbahn. Nach sieben Minuten entwischt er seinem Bewacher und nimmt in schönster Eleganz einen Pass von Bastian Schweinsteiger auf, dringt in den Strafraum ein, wo aber der Mainzer Kapitän Nikolce Noveski die Hereingabe vor dem lauernden Bayern-Stürmer Mario Gomez klärt.

          Vorbereiter Robben - sogar mit dem Kopf

          Nur zwei Minuten später kommen die Rettungsversuche hingegen zu spät. Robben steht bei einer Flanke von Ribéry am rechten Fünfmetereck so frei, dass er statt per linkem Zauberfuß sogar mit seinem fußballtechnisch weitaus weniger begabten Kopf maßgenau für Schweinsteiger vorbereiten kann. Der deutsche Nationalspieler muss aus zwei Metern nur noch zur Führung einnicken. Robben ist beim Auswärtssieg in Mainz also auf ungewöhnliche Weise der „blikopener“, wie seine Landsleute zum Dosenöffner sagen. Im weiteren Spielverlauf wird Robben wieder zum Fußballspieler im wahrsten Sinne des Wortes. Auf den Einsatz seiner Stirn verzichtet er fortan jedenfalls vollkommen.

          Im Feld sieht sich Roben derweil einem neuen Gegenspieler gegenüber: Die Mainzer beenden das Experiment mit den spiegelverkehrt eingesetzten Außenverteidigern zugunsten besserer Möglichkeiten im eigenen Spielaufbau. „Es hat nicht ganz funktioniert mit unserem Außenverteidigertausch. Aber den Versuch war es wert“, wird der zurück getauschte Fuchs nach dem Schlusspfiff sagen.

          Robben beweist enorme Handlungsschnelligkeit

          Da wird er sogar wieder schwindelfrei stehen können, obwohl Robben ihn in den verbleibenden 70 Minuten zu manch ungewollter Pirouette zwingt. So auch in der 41. Minute, als Robben seinen Bewacher mit zwei Richtungsänderungen abschüttelt und erstmals selbst zum Torabschluss kommt. Fuchs rächt sich freilich auf seine Weise, als er Robben bei einem Mainzer Vorstoß kurz vor dem Pausenpfiff zur ungeliebten Defensivarbeit zwingt.

          Und kaum hat sich der Niederländer mit seiner kurzzeitigen Verteidigerrolle arrangiert, da liegt er auch schon auf dem Boden, nachdem sich Fuchs mit einem regelkonformem Rempler seines Widersachers entledigt hat. Robben schaut bedröppelt drein, beschwert sich etwas weinerlich bei Schiedsrichter Knut Kircher und verzieht sich leicht übellaunig in die Halbzeitpause.

          Auch als einer der ersten Gratulanten zur Stelle

          Nach dem Seitenwechsel tritt Robben dann aber wieder sofort in gewohnter Rolle in Erscheinung. In der 47. Minute verpasst er seinen zweiten Scorer-Punkt des Tages noch knapp, als Schweinsteiger seine maßgenau gezirkelte Freistoßflanke aus nur fünf Metern nicht zum zweiten Treffer zu nutzen vermag. Drei Minuten später aber beweist Robben seine enorme Handlungsschnelligkeit. Während der Mainzer Innenverteidiger Jan Kirchhoff noch über seine Abwehrstrategie gegen einen im Luftraum vor dem Mainzer Tor verwaisten Ball nachdenkt, spitzelt Robben das Spielgerät zu Thomas Müller, der zum 2:0 vollstreckt.

          Arjen Robben hat freilich noch nicht genug: In der 62. Minute passt er in Weltklassemanier aus vollem Lauf diagonal durch eine denkbar enge Gasse in der eigentlich gut gestaffelten Mainzer Hintermannschaft zu Mario Gomez, der allerdings nur den Pfosten trifft. Beim dritten Münchner Treffer ist Robben hingegen erstaunlicherweise gar nicht beteiligt. Ausnahmsweise läuft ein Münchner Konter einmal über Robbens Pendant Ribéry, über Müller kommt der Ball zum Gomez. Immerhin ist Robben als einer der ersten Gratulanten beim Torschützen zur Stelle. Auch das ist ja ein Zeichen von Uneitelkeit.

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