https://www.faz.net/-gtl-74nj5

Arbeitsprotokoll Alex Meier : Adler ohne Flügel

Zum die kurzen Haare raufen: Meier findet nicht ins Spiel Bild: AFP

Alex Meier steht völlig zurecht an der Spitze der Torjägerliste. Bei der 1:3-Niederlage seiner Frankfurter gegen Mainz 05 lassen ihn Mit- und Gegenspieler aber verhungern. Wir haben fürs Arbeitsprotokoll 90 Minuten genau hingeschaut.

          Der Erste ist bei Eintracht Frankfurt immer der Letzte. Alexander Meier führt zwar die teaminterne Torschützenliste wie auch die Bundesligastatistik derzeit mit neun Toren an, beim Gang aufs Spielfeld reiht sich der 1,96 Meter große Offensivspieler indes stets als Letzter ein. Ein Aberglaube, der ihm in dieser Spielzeit bislang viel Glück gebracht hat.

          Der gebürtige Hamburger, der bereits seit 2004 für die Eintracht auf Torejagd geht und in 170 Erstligaspielen 41 Treffer erzielt hat, spielt die Saison seines Lebens – auch weil Meier erstmals in seiner Karriere schon seit vielen Monaten frei von größeren Blessuren ist. Der Mainzer Manager Christian Heidel betonte im F.A.Z.-Interview vor dem 3:1-Sieg seiner 05er im Nachbarschaftsduell bei Eintracht Frankfurt, dass Meier sicher ganz oben auf seiner Wunschliste Frankfurter Spieler stünde - er ihn aber leider ebenso sicher nicht bekommen werde.

          Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel hatte zudem vor dem Spiel gescherzt, dass Meier derzeit nur zu stoppen sei, wenn er ihn vor dem Spiel noch mit seiner erkälteten Frau und den beiden ebenfalls erkrankten Töchtern zusammenbringen könne. Und selbst Joachim Löw äußerte kürzlich große Anerkennung für Meier, machte ihm aber aufgrund des fortgeschrittenen Spieleralters von 29 Jahren freilich keine Hoffnungen mehr auf eine späte Nationalmannschaftskarriere.

          Mainzer versperren Zulieferern den Weg

          Gegen Mainz konnte Meier freilich nur sehr bedingt Werbung in eigener Sache machen, nachdem er zusammen mit Sturmkollege Olivier Occean den Anstoß ausgeführt hatte: Die Mainzer setzten den Adler im Höhenflug einfach auf Diät, indem sie ihm die gewohnte Nahrung in Form von Zuspielen weitgehend entzogen.

          Selten nur gelingt ihm Kopfball, und keiner kommt gefährlich aufs Tor

          Eine meisterhafte taktische Leistung der Rheinhessen, die das in jüngster Zeit so schwungvolle und temporeiche Eintracht-Spiel nahezu zum Erlahmen brachten, indem sie die Passwege zu den Tempomachern Sebastian Rode und Pirmin Schwegler durch die fleißige Laufarbeit der Offensivreihe mit den Torschützen Andreas Ivanschitz und  Shawn Parker sowie Adam Szalai beständig sperrten.

          Dadurch warteten auch die schnellen Außenverteidiger Sebastian Jung und Bastian Oczipka, die üblicherweise nach Tempoläufen über die Außenbahn die Zulieferer für Meier  sind, vergeblich auf Steilpässe. Entsprechend blieb auch Meier ohne Zuspiele.

          Fehler in ungewohntem Revier

          Deshalb ließ sich der im 4-2-3-1-System der Frankfurter zunächst auf der „Zehn“ als Mann hinter der Spitze aufgebotene Torjäger immer wieder sowohl auf die Außenbahn als auch in die eigene Defensive fallen. Ein solcher Ausflug ins eher ungewohnte Revier hätte schon nach 13 Minuten beinahe zum Rückstand geführt. Meier ließ sich den Ball von Shawn Parker, dem jüngsten Mainzer, direkt am eigenen Strafraum klauen. Noch war der Startelf-Debütant Parker im Abschluss aber nicht kaltschnäuzig genug, um den Ball im Tor unterzubringen. Als Vorbereiter für Ivanschitz in der 18. und als Torschütze in der 42. Minute machte er es dann besser.

          Applaus zum Aufmuntern: es kommen wieder bessere Tage

          Alex Meier fehlte indes die Bindung zum Spiel. Die wenigen Ballkontakte erklärten vermutlich auch seine Nachlässigkeiten, wenn er dann tatsächlich einmal eingebunden wurde. Dann ließ er sich wie in der 23. Minute von Soto ohne Gegenwehr den Ball im Mittelfeld abnehmen. Wenn bei Standards doch einmal Flanken in den Strafraum kamen, sah sich Meier einem an diesem Tag aufmerksameren und deshalb meist schnelleren Gegenspieler gegenüber. Nikolce Noveski gewann nahezu jedes Kopfballduell, so dass Meier schon Zeichen der Resignation aussendete, nachdem auch noch sein erster Schussversuch aus 18 Metern zur Ecke geblockt wurde (37.).

          Ungewohnt wenige Ballkontakte

          In der zweiten Halbzeit wurde es für ihn nicht viel gemütlicher: Trainer Armin Veh beorderte ihn für den harmlosen Stoßstürmer Olivier Occean in die vorderste Reihe, wo sich Meier noch mehr in Duellen mit den Mainzer Innenverteidigern aufrieb und noch weniger ins eigene Spiel eingreifen konnte. Lediglich in der 72. Minute kam er einmal zum Kopfball, brachte aber aus 14 Metern nach einer Jung-Flanke keinen Druck hinter den Ball. In der Schlussminute bekam Meier zu allem Überfluss auch noch leichte Kopfschmerzen verpasst, als Zabavnik ihm mit hartem, aber fairem Einsatz zwei Meter vor dem Tor den Erfolg vom Kopf köpfte.

          So blieb es bei ungewohnt wenigen 44 Ballkontakten und vier ungefährlichen Torschussversuchen. „Wir haben das Spiel schon in der ersten Halbzeit verloren. Da waren die Mainzer in allen Belangen überlegen“, gestand er nachher die Niederlage fair ein. Für Meier werden wieder bessere Zeiten kommen, wenn die Flügel wieder Nahrung liefern.

          Weitere Themen

          Ärger um Rebic, Wirbel um Dost

          Eintracht Frankfurt : Ärger um Rebic, Wirbel um Dost

          Ante Rebic lässt es bei der 0:1-Niederlage im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg an fast allem mangeln. Eintracht-Sportvorstand Bobic stellt den Abbruch der Transfergespräche mit Lissabon in Aussicht.

          Topmeldungen

          Frühchen brauchen besonders intensive Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte.

          Muttermilch-Spenden : Ein Milliliter Lebenskraft

          Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sich die Frühchen in diese Welt – auch dank gespendeter Muttermilch.

          Fußball in Italien : Der Großangriff auf Juventus Turin

          In den vergangenen acht Jahren gelang es keiner Mannschaft mehr, den italienischen Serienmeister Juventus zu entthronen. Nun schickt sich ein früherer Juve-Trainer an das zu ändern – und seine Chancen stehen nicht schlecht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.