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Nationalspieler Rüdiger : „Eine Katastrophe! Der Rassismus hat gewonnen“

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„Es ist nicht so, dass ich aufgebe oder meine Stimme nicht mehr erhebe“: Antonio Rüdiger Bild: AFP

Wieder wird der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea ausgebuht. Nach der Partie spricht er emotional über den Rassismus im Stadion – und denkt dabei auch an sein erst vor kurzem geborenes Baby.

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          Fußball-Nationalspieler Antonio Rüdiger vom früheren englischen Meister FC Chelsea hat sich tief enttäuscht über abermalige rassistische Vorkommnisse beim Premier-League-Spiel gegen Tottenham Hotspur (2:1) am Samstag gezeigt, als der Abwehrspieler der Blues ausgebuht worden war. „Der Rassismus hat gewonnen! Das zeigt sich, dass diese Leute gewonnen haben, weil sie wieder ins Stadion gehen können“, sagte der ehemalige Stuttgarter im Sky-Sport-Interview im Anschluss an die Partie.

          Es müsse nicht er sein, es könne jeder andere sein: „Sie werden nicht bestraft, und am Ende des Tages bin ich der Buhmann.“ Er werde zwar nicht resignieren, fühlt sich allerdings allein gelassen: „Es ist nicht so, dass ich aufgebe oder meine Stimme nicht mehr erhebe. Ich werde immer meine Stimme erheben, aber in dieser Hinsicht bin ich alleine.“

          Rüdiger war am Donnerstag Vater geworden, aber dieser Tatbestand macht ihn angesichts der neuerlichen Vorkommnisse nachdenklich: „Es ist eine Katastrophe. Ich habe am Donnerstag ein Kind bekommen. Man denkt nach. Soweit wie die Gesellschaft heute ist, wird am Ende des Tages höchstwahrscheinlich auch mein Kind darunter leiden. Wenn nicht gehandelt wird, wenn die kleinen Kinder keine gute Ausbildung, keine gute Bildung, keine gute Erziehung von zu Hause bekommen, dann haben wir verloren. So ehrlich müssen wir sein.“

          Vorwürfe, dass nicht genug in anderen Ländern gegen Rassismus getan werde, lässt Rüdiger nicht gelten: „Jeder sollte auf sein eigenes Haus schauen, denn als ich in Italien rassistisch beleidigt wurde, hab ich immer gehört: In Italien ist das normal. Jeder sollte bei sich zu Hause selbst anfangen, und dann sollte man über andere reden. Kein Land hat irgendetwas im Griff.“

          Rüdiger, dem in der 89. Minute gegen Tottenham ein unglückliches Eigentor unterlief, empfindet zwar Support, aber das reiche nicht aus. „Unterstützung ist da, aber Worte und Taten sind etwas Unterschiedliches“, betonte der 26-Jährige, „jeder kann am Ende sagen: Tut mir leid! Aber es kann nur derjenige verstehen, der dasselbe Schicksal teilt wie ich. Ob ich jetzt einen Instagram- oder Twitterpost mache, was hilft das? Sein Kopf ist trotzdem kaputt und meiner auch. Am Ende des Tages ist man alleine.“

          Rüdiger nahm auch zu den rassistisch motivierten Terroranschlägen von Hanau mit insgesamt elf Toten Stellung: „Für mich ist es das Endprodukt! Erst Torunarigha, dann Kwadwo, dann gibts Tote.“ Der deutsche Profifußball war zuletzt von Rassismus-Attacken gegen dunkelhäutige Spieler (Herthas Jordan Torunarigha und Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers) ebenfalls eingeholt worden.

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