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Antoine Griezmann erzielte zwei Tore im Finale für Atlético Madrid. Bild: Reuters

Antoine Griezmann : Der Poker um den 100-Millionen-Euro-Stürmer

  • Aktualisiert am

Mit zwei Toren gegen Marseille verhilft Antoine Griezmann Atlético zum Titel in der Europa League. Nun könnte er gehen. Sein möglicher neuer Verein heißt ihn schon willkommen – sehr zum Ärger von Madrid.

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          Zum Feiern durfte dann auch Diego Simeone aufs Spielfeld. Lange hatte der gesperrte Coach auf der Tribüne mit Atlético Madrid gezittert – nach dem Abpfiff des 3:0-Erfolgs im Europa-League-Finale gegen Olympique Marseille herzte er dann seinen Superstar Antoine Griezmann. Mit zwei Treffern hatte der kleine Franzose sein Team in Lyon zuvor zum Titel geführt. Es könnten seine letzten Tore im Trikot Atléticos gewesen sein.

          Europa League

          Der 27-Jährige wird seit Wochen vom FC Barcelona umworben. Aufgrund einer Ausstiegsklausel soll er Atlético am Saisonende für 100 Millionen Euro verlassen können. Äußern wollte er sich dazu nach dem ersten großen Titelgewinn seiner Karriere nicht. „Es ist jetzt nicht die Zeit, um über meine Zukunft zu reden. Ich will die Gegenwart genießen und mit den Fans feiern“, sagte er. An diesem Sonntag (18.30 Uhr bei DAZN) steht für Simeones Team noch das letzte Ligaspiel dieser Saison gegen Eibar an. Es könnte gleichzeitig Griezmanns Abschiedsvorstellung werden.

          „Es war immer mein Traum, Titel zu gewinnen“, sagte Griezmann. Zweimal verlor er ein großes Finale. Erst 2016 in der Champions League gegen Real Madrid, dann im Anschluss mit Frankreich bei der Heim-EM gegen Portugal. Mit seinen zwei Toren von Lyon (21. und 49. Minute) ebnete der Offensiv-Star Atletico den Weg zum Sieg. Den dritten Treffer steuerte kurz vor Schluss Gabi (89.) bei. Trainer Simeone hat die Hoffnung auf einen Verbleib Griezmann nicht aufgegeben. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass er bei uns bleiben kann“, sagte der Argentinier in Lyon. „Sportlich sind wir nicht so weit weg von den Teams, die tiefer in die Tasche greifen können.“

          Für Fernando Torres wird Atléticos Partie gegen Eibar definitiv die letzte im Atlético-Shirt. „Für Fernando Torres ist ein Traum wahr geworden. Ich hoffe, das Stadion bebt für ihn am Sonntag“, sagte Simeone. Auch der 34 Jahre alte Torres, der in seiner Karriere etliche Titel gewonnen hat, bezeichnete diesen als „sentimental wohl besten Titel“. Er wird Madrid am Saisonende verlassen. Was er danach macht, ist noch unklar.

          Wer ist dieser so umworbene Griezmann? Er liebt die Geschwindigkeit. Auch in seiner Freizeit. Diese verbringt der Fußball-Star gerne auf der Pferderennbahn. Als seine zweijährige Stute Princeca kürzlich auf dem Kurs von Lyon-Parilly als Dritte ins Ziel einlief, war der Pferdenarr hocherfreut: „Ich bin sehr zufrieden. Die Aussichten für ihre weitere Karriere sind bestens.“ Das Ungewöhnliche am wochenlangen Geschacher um die Zukunft des Torjägers ist, dass es sowohl die Spieler als auch die Klubbosse in aller Öffentlichkeit tun.

          Doch allen Beteiligten ist auch klar, dass gegen ein Buhlen des FC Barcelona kaum anzukommen ist, zumal, wenn sich Superstar Luis Suarez öffentlich für den Transfer einsetzt. „Er ist ein Spieler, der einen großen Wert mitbringt", sagte Suarez und hieß den neuen Sturmpartner bereits willkommen. In Madrid stießen diese Äußerungen auf Empörung. „Wir haben Barcelonas Haltung satt“, wetterte Atleticos Boss Miguel Angel Gil Marin, nachdem auch Barcas Verantwortliche in aller Öffentlichkeit um Griezmann warben. Der spanische Meister „lasse jeden Respekt für Atletico vermissen“.

          Antoine Griezmann von Atlético Madrid jubelt mit dem Pokal. Bilderstrecke

          Doch offenbar zieht es Griezmann selbst auch zum Weltklub nach Katalonien. Dort kann er an der Seite von Messi und Suarez große Titel gewinnen. Mit dem Abstieg von Atletico in dieser Saison aus der Champions League nach der Gruppenphase deutete sich an, dass eine große Zeit bei Atletico zu Ende geht, auch wenn jetzt die Europa League gewonnen wurde. Das spürt auch Griezmann, der dem Verein und vor allem Trainer Simeone viel zu verdanken hat. „Er hat mich als Spieler und als Persönlichkeit weiter gebracht“, sagte Griezmann.

          Doch am Ende kommt gegen Barcelonas Buhlen keiner an. Der spanische Meister wird ohne Murren die festgeschriebene Ablösesumme von 100 Millionen Euro bezahlen und darf sich auf einen neuen, relativ günstigen Neymar-Ersatz freuen, nachdem der noch teurere frühere Dortmunder Ousmane Dembele die großen Erwartungen bislang nur phasenweise erfüllen konnte. Griezmann, dessen Mimik erstaunliche Ähnlichkeit mit der des deutschen WM-Fahrers Nils Petersen hat, hält sich wohltuend aus all den öffentlichen Diskussion um seine Person heraus. Der 49-malige Nationalspieler forderte nur, dass noch vor der WM in Russland Klarheit herrschen müsse. Kein Trödeln also, schnell muss es gehen – wie auf der Rennbahn.

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