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Antisemitismus im Stadion : UEFA ermittelt gegen Union Berlin

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Union-Fans am vergangenen Donnerstag: Das Verhalten einiger ihrer Anhänger könnte dem Verein noch teuer zu stehen kommen. Bild: Reuters

Im Conference-League-Spiel gegen Maccabi Haifa haben einige Union-Fans laut Augenzeugen Anhänger des israelischen Meisters beleidigt und angegriffen. Die UEFA untersucht die Vorwürfe – und der Verein hat einen Täter identifiziert.

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          Die antisemitischen Vorfälle während des Conference-League-Spiels gegen Maccabi Haifa dürften für den Bundesligaverein 1. FC Union Berlin ein Nachspiel haben. Die Europäische Fußball Union leitete eine disziplinarische Untersuchung ein, wie die UEFA am Dienstagabend mitteilte.

          Am vergangenen Donnerstag war es laut Berichten von Augenzeugen und Betroffenen in einem Fan-Block des Olympiastadions beim 3:0-Sieg der Berliner zu Beleidigungen und Angriffen gegen Anhänger des israelischen Meisters gekommen. Der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamtes ermittelt gegen mehrere Personen unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Publik geworden waren die Vorfälle zunächst durch Mitteilungen des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

          Der 1. FC Union Berlin arbeitet gemeinsam mit der Polizei an der Aufarbeitung der Zwischenfälle. Der Verein hat einen Täter identifiziert und Maßnahmen auf den Weg gebracht. Nach Klubangaben wurde ein Verfahren zum Ausschluss der Person aus dem Verein eingeleitet. Zudem wurde mit sofortiger Wirkung und unbefristet ein Hausverbot für alle Räumlichkeiten und ein Zutrittsverbot für alle Veranstaltungen des Vereins und seiner Gesellschaften erteilt.

          „Uns tun die Vorfälle sehr leid“

          Zusätzlich meldete Union ein bundesweites Stadionverbot für den Täter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) an. Alle vorliegenden Informationen habe man darüber hinaus an das ermittelnde Landeskriminalamt übermittelt, erklärte Klub-Präsident Dirk Zingler. „Wir danken den Unionern, die sich am Abend des Spiels mit den Angegriffenen solidarisiert haben und unseren Fanklubs für die deutliche Positionierung. Es ist gut, dass wir bereits einen Täter identifizieren konnten“, sagte Zingler: „Für Diskriminierung gibt es beim 1. FC Union Berlin keinerlei Toleranz. Wir haben daher alle uns zur Verfügung stehenden Maßnahmen eingeleitet, um diese Person aus unseren Reihen zu entfernen.“

          45 eingetragene Fanklubs des Bundesligavereins verurteilten die antisemitischen Vorgänge in einem Schreiben an die Vereinsführungen beider Klubs. „Den Fans und Verantwortlichen von Maccabi Haifa können wir nur sagen, dass uns die Vorfälle sehr leid tun und wir diese keinesfalls tolerieren!“, hieß es. „Diese Einzelpersonen sind zu ermitteln und mit allen, dem Verein zur Verfügung stehenden Mitteln, hart zu bestrafen. Die EUFCs (Eingetragene Union-Fanclubs, Anm.) erklären ihre uneingeschränkte Bereitschaft, bei der Aufklärung zuzuarbeiten und mitzuhelfen.“

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