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Afrika-Cup : Die Angst des Fußballs vor Ebola

  • -Aktualisiert am

Die Sorge unter afrikanischen Spielern wie Gervinho von der Elfenbeinküste ist groß Bild: AFP

Mehr als 4000 Ebola-Tote, 8400 Infizierte in 40 Wochen in Westafrika: Der unsichtbare Gegner versetzt auch viele Fußballspieler in Furcht. Doch der Kontinental-Verband glaubt, beim Afrika-Cup alles im Griff zu haben.

          Die Nachricht aus Kairo war eindeutig: „Nein, dem Antrag des Ausrichters auf Verschiebung der Afrika-Cup-Endrunde kann nicht stattgegeben werden“, ließ der Afrikanische Fußballverband (CAF) am vergangenen Wochenende verlauten. Das wichtigste afrikanische Sportevent wird wie geplant vom 17. Januar bis 8. Februar in Marokko stattfinden – ungeachtet der Ebola-Gefahr. Man habe sich, ließ die CAF wissen, auf die Bedrohung eingestellt und konsequent Vorsorge betrieben.

          Die Angst vor der derzeit in Westafrika grassierenden Epidemie geht auch in Afrikas Fußball um, auch in Marokko. Darum beschloss das nationale Gesundheitsministerium am vergangenen Freitag, offiziell eine Verschiebung des Turniers zu beantragen. „Wir sollten momentan Events vermeiden, die von Ebola betroffene Länder einschließen“, begründete Marokkos Jugend- und Sportminister Mohamed Ouzzine den Antrag.

          Bereits Anfang August hatte die CAF alle internationalen Spiele in den betroffenen westafrikanischen Staaten Liberia, Sierra Leone und Guinea abgesagt und größtenteils nach Ghana verlegt. „Diese Länder sehen glücklicherweise ein, warum wir diese Maßnahmen ergreifen mussten“, sagte Erick Mwanza, Sprecher des Afrikanischen Fußballverbands, Ende September im Interview mit der Deutschen Welle.

          „Natürlich ist den Spielern klar, dass sie einen Vorteil verlieren, wenn sie nicht vor heimischem Publikum spielen können.“ Der größtmögliche Schutz liege aber auch im Interesse der Spieler, glaubt Mwanza. Die meisten der Nationalspieler aus den betroffenen Ländern stünden im Ausland unter Vertrag und wollten sich selbst nicht der Ansteckungsgefahr in ihrem Heimatland aussetzen, so der CAF-Sprecher.

          Das Ebola-Risiko ist immer da: In Abidjan wird gewarnt

          Mehr als 4000 Tote, rund 8400 Infizierte in 40 Wochen: Das ist die aktuelle Bilanz der Ebola-Epidemie in Westafrika. Die Zahl der nicht gemeldeten Fälle ist zudem hoch und eine Besserung nicht in Sicht, wie der aktuelle Lagebericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt. Die Situation verschlechtere sich zunehmend, heißt es da, das Ebola-Virus verbreite sich umfassend weiter. „Es gibt keine Belege dafür, dass die Ebola-Epidemie in Westafrika unter Kontrolle gebracht wurde.“ Flaut die Epidemie in einer Region ab, erobert sie die nächste.

          Der Fußball versucht sich zu arrangieren. So trafen sich Bundesligaspieler wie der Augsburger Verteidiger Abdul Rahman Baba (Ghana) und Mönchengladbachs Ibrahima Traoré, der für Guinea spielt, am Wochenende zur Afrika-Cup-Qualifikationspartie zwischen Guinea und Ghana auf neutralem marokkanischem Boden. In Casablanca trennte man sich 1:1 - bei der Anreise waren sämtliche Nationalspieler Guineas schon am Flughafen ärztlich untersucht worden. Das Rückspiel findet an diesem Mittwoch im Norden Ghanas, in Tamale, statt. Ghana gilt bislang als Ebola-freies Gebiet.

          Die Qualifikation für den Afrika-Cup ist in vollem Gang

          Die Furcht, dass dies nicht so bleiben, dass sich die Seuche ausbreiten könnte, ist groß unter den Fußballspielern. Das hat Titelverteidiger Nigeria bereits im August zu spüren bekommen. Nachdem Fälle von Ebola in der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos gemeldet worden waren, sagte das südafrikanische Land Lesotho kurzerhand für ein Spiel seiner U-20-Mannschaft in Nigeria ab. Lesothos Fußballspieler bekamen nach ihrer eigenmächtigen Entscheidung seinerzeit allerdings die harte Hand des afrikanischen Fußballverbandes zu spüren: Sie wurden kurzerhand von den Qualifikationsspielen suspendiert.

          Gleiches drohte dem Starensemble der Elfenbeinküste, als ihr Verband Anfang September über die Ausrichtung des Qualifikationsspiels für den Afrika-Cup gegen Sierra Leone diskutierte. „Ihr spielt, oder ihr scheidet aus“, lautete die eindeutige Botschaft der CAF. Den Verbandsoffiziellen der Seychellen war das Wochen zuvor noch egal gewesen. Sie hatten dem Team aus Sierra Leone bereits Ende Juli die Einreise verweigert und das Qualifikationsspiel abgeblasen.

          Erstaunlich, dass die CAF-Funktionäre den Antrag auf Verlegung des Endturniers am vergangenen Wochenende so brüsk ablehnten. „Seit 1975 ist der Afrika-Cup noch nie verschoben werden. Dabei soll und wird es bleiben“, konstatierte die CAF in ihrem offiziellen Communiqué. So droht dem Kontinent Anfang nächsten Jahres ein Fußball-Großturnier, das ein Großteil der Fans nicht wird besuchen können.

          Die Spiele werden - vermutlich noch extremer als bei den letzten Turnieren - vor weitgehend leeren Rängen und ohne große Fanstimmung stattfinden müssen. Den Funktionären scheint es egal zu sein: Man werde sich beim nächsten Meeting am 2. November in Algier zusammensetzen und über Sicherheitsmaßnahmen für das Event beratschlagen, kündigte die CAF an.

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