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Argentinien bei Copa America : Die große Furcht der Generation Messi

  • -Aktualisiert am

Lionel Messi und Argentinien legten einen Fehlstart hin. Bild: AP

Kein anderes großes Team enttäuscht bei Turnieren so zuverlässig wie Argentinien. Auch die Copa 2019 beginnt für Messi und Kollegen mit einem Fehlstart. Und nun kommt etwas, das die Argentinier ganz besonders fürchten.

          Nichts fürchten sie in Argentinien so sehr wie diese tiefe Sorgenfalte auf der Stirn von Lionel Messi. Immer dann, wenn der Superstar des FC Barcelona auf dem Platz dieses Gesicht zeigt, steht es nicht gut um die „Albiceleste“. Und in der brasilianischen Stadt Salvador hatte sich das Antlitz des mehrmaligen Weltfußballers an diesem Wochenende schon recht zeitig in dieses mürrische Konterfei verwandelt. Es schien fast, als ahne Messi schon früh, was seiner Mannschaft an einem Abend wie diesem bevorsteht. 0:2 unterlag Argentinien in Salvador Kolumbien. Roger Martinez (71.) mit einem satten Schuss ins Eck und Duvan Zapata (86.) nach einer sehenswerten Kombination schickten die Argentinier dahin, wo sie seit Jahren ihren Stammplatz haben: in den Zustand des Selbstzweifels und der Ratlosigkeit.

          Noch vor der Copa America in Brasilien hatte es geheißen, der 41 Jahre alte Trainer Lionel Scaloni habe einen Neuanfang eingeleitet. In der Tat prägen zahlreiche neue Gesichter die Auswahl des 16-maligen Copa-Siegers. Doch an die Herzkammer des argentinischen Spiels wagt sich Scaloni nicht heran. Mit Lionel Messi (31), Sergio Agüero (31) und Angel Di Maria (31) bildete auch gegen Kolumbien jene Generation die Start-Offensive, die seit mehr als einem Jahrzehnt bei Weltmeisterschaften oder der Copa America früher oder später vor dem großen Ziel patzt. Für Paulo Dybala, inzwischen auch schon 25 Jahre alter ehemaliger Jungstar, war wieder einmal kein Platz.

          Vom Mut, auch einmal an die ganz großen Namen heranzugehen, ist Scaloni noch ein Stück weit entfernt. Noch. Bereits während des Spiels nahm Scaloni die Eckpfeiler an der Seite Messis vom Platz. Für Di Maria (46.) kam Rodrigo de Paul, und Agüero (79.) machte für Matias Suarez Platz. In den sozialen Netzwerken erlebte Scaloni derweil, was es heißt, Trainer dieser Nationalmannschaft zu sein. Weil Dybala gegen Kolumbien 90 Minuten auf der Bank schmorte, attackierten die Fans den Trainer scharf. Spott gab es auch von den Medien. Dass sich die Argentinier über den ramponierten Rasen in Salvador beschwerten, kam nicht gut an in der Heimat.

          Erstmals hat Nationaltrainer Nummer neun der Messi-Ära nun aus Reihe eins selbst miterlebt, wie das so ist, wenn die Messi-Offensive will, aber nicht kann. Argentinien bemühte sich gegen Kolumbien, hatte auch die ein oder andere Möglichkeit. Aber ein argentinisches Feuerwerk war das nicht an der brasilianischen Ostküste. Und so steht auch Scaloni vor der Frage, die sich alle acht seiner Vorgänger stellten und an der sie allesamt scheiterten. Wen von den argentinischen Alphatieren frisst der Trainer zuerst, bevor er selbst aufgefressen wird?

          Scaloni hört sich bereits nach dem ersten Turnierspiel seiner Nationaltrainer-Laufbahn an wie seine Vorgänger. „Die Mehrheit der Spieler hat Erfahrung“, sagte der Trainer nach dem Kolumbien-Spiel. „Wenn wir die beiden kommenden Partien (gegen Paraguay und Qatar) gewinnen, werden wir die zweite Runde erreichen. Sicher müssen wir einige Dinge verbessern.“

          Auch Messi blickte bereits nach vorn. „Die Spiele in Südamerika, in der WM-Qualifikation genau wie bei der Copa, sind sehr arbeitsreich. Es gibt nicht viel Raum, die Platzverhältnisse halfen auch nicht, aber es gibt keine Entschuldigung. Wir müssen an das denken, was jetzt kommt, und dürfen die Schultern nicht hängen lassen.“

          Es gibt noch Hoffnung für Argentinien

          Vier Tage hat Scaloni Zeit, die richtigen Erkenntnisse aus einem zwar bemühten, aber eben auch uneffektiven Spiel seiner Mannschaft zu ziehen. Scaloni befindet sich im gleichen Hamsterrad wie seine Vorgänger. Die Angst vor dem personellen Paukenschlag ist noch größer als die vor einer Wiederholung der sich ewig wiederholenden Choreographie des Scheiterns. Die Spiele, die jetzt kommen, fürchtet die Messi-Generation ganz besonders: diese Nervenschlachten des unbedingt Gewinnenmüssens gegen eigentlich unterlegene Gegner, die aber alles dafür tun werden, um dem südamerikanischen Giganten ein Bein zu stellen. Vor allem Paraguay an diesem Donnerstag (2.30 Uhr MESZ bei DAZN), in dessen Reihen ohnehin viel argentinische Identität steckt, brennt darauf, es dem bisweilen überheblichen Nachbarn zu zeigen.

          Es gehört zur Tragik des argentinischen Auftakts dazu, dass Gegner Kolumbien sich genau mit diesem Mut in die Rolle des Mitfavoriten aufschwang. Geführt von einem seriösen James Rodriguez im Mittelfeld, waren es die Cafeteros, die den Argentiniern im Abschluss zwei Dinge voraushatten: Entschlossenheit und Effizienz. Das reichte.

          Noch ist das Kapitel eines abermaligen argentinischen Scheiterns nicht geschrieben. Der Spielplan und die Auslosung meinen es gut mit Messi und Co. Dem großen Turnierfavoriten Brasilien würde Argentinien auch als Gruppenzweiter zunächst aus dem Weg gehen – vorausgesetzt, Brasilien, das sein Auftaktspiel gegen Bolivien 3:0 gewann, wird Gruppensieger. Dann aber könnte es im Halbfinale zum großen Showdown in Belo Horizonte kommen. Und dort hätte dann auch Brasilien ein ganz eigenes Trauma zu besiegen. War dieses Stadion doch Schauplatz der krachenen 1:7-Niederlage Brasiliens im WM-Halbfinale gegen Deutschland.

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