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Andreas Möller : „Ungarn hat eine historische Chance“

Länger nicht im Fokus: Möller ist für zwei Spiele Assistenztrainer in Ungarn. Bild: dpa

Andreas Möller tritt für die beiden EM-Play-off-Spiele einen Kurzzeitjob als Assistenztrainer der ungarischen Nationalmannschaft an. Im Interview beschreibt er vor dem Hinspiel in Norwegen, welche Erfahrungen er vermitteln kann und wie er mit den Spielern kommuniziert.

          Eigens für die beiden EM-Play-off-Spiele an diesem Donnerstag (20.45 Uhr) und am Sonntag gegen Norwegen stehen Sie und Torwarttrainer Holger Gehrke dem deutschen Trainer der ungarischen Nationalmannschaft, Bernd Storck, als Assistenten zur Seite. Kann man als Ko-Trainer in so kurzer Zeit überhaupt etwas bewegen?

          Als das Angebot von Bernd Storck kam, war ich natürlich sehr überrascht. Für ihn ist es wichtig, für diese zwei Spiele einen Mann seines Vertrauens an der Seite zu haben. Wir schätzen uns und haben bei Borussia Dortmund zusammen gespielt. Er weiß, dass ich die Trainerlizenz habe und mich im internationalen Fußball gut auskenne. Die zwei Spiele sind eine sehr reizvolle Aufgabe, sie ist übersichtlich – für mich war sofort klar, dass ich Bernd da unterstütze.

          Wieso hat Storck Sie erst jetzt angesprochen?

          Ich glaube, dass er für diese Aufgabe Leute an seiner Seite haben wollte, mit denen er sich gut austauschen kann. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie es in den Spielen davor war, aber ich denke, dass da noch die Mitarbeiter aus dem Trainerstab von Pál Dárdai involviert waren.

          Wie ist Ihre Verpflichtung abgelaufen? Haben Sie einen Vertrag mit dem ungarischen Verband?

          Alles musste sehr schnell gehen. Es gibt eine mündliche Vereinbarung für die beiden Qualifikationsspiele.

          Gegen den 39-jährigen Torhüter Gábor Király haben Sie selbst noch gespielt. Aber inwieweit kennen Sie die anderen Spieler der ungarischen Nationalmannschaft?

          Ich habe Ende Oktober schon einige Cup-Spiele in der ungarischen Liga gesehen, und in der Akademie habe ich mir dann ein genaues Bild machen können. Ich habe viel Videomaterial zur Verfügung gehabt, das war eine Menge Arbeit. Jetzt haben wir die Mannschaft hier zusammen, das geht relativ schnell.

          Welchen Eindruck haben Sie von den Bedingungen?

          Die Akademie liegt etwa 40 Minuten Autofahrt entfernt von Budapest. Das, was der DFB in Frankfurt baut, ist hier schon da: ein phantastisches Trainingsgelände, wo sich die Nationalmannschaften vom U-Bereich bis zur A-Nationalmannschaft vor ihren Länderspielen treffen.

          Wie kommunizieren Sie mit den Spielern?

          Auf Englisch, das können die meisten. Wir haben aber auch einen Übersetzer, der sehr gut Deutsch spricht: Zoltán Szélesi, der früher für Cottbus gespielt hat. Das ergänzt sich optimal.

          In den Play-offs treffen Sie jetzt auf Norwegen. Ein schwerer Gegner? Immerhin stand Norwegen in einer Gruppe mit Kroatien und Italien vor dem letzten Spieltag noch auf Platz zwei, Ungarn dagegen wurde hinter Nordirland und Rumänien Dritter.

          Wir sehen uns schon in einer gewissen Außenseiterrolle. Wir wissen, dass Norwegen ein sehr gutes, international sehr erfahrenes Team hat. Die Mannschaft kennt sich, viele Spieler verdienen ihr Geld im Ausland. Das ist ein harter Brocken. Nichtsdestotrotz besitzt Ungarn die historische Chance, seit 30 Jahren das erste Mal wieder an einem großen Turnier teilzunehmen.

          Möllers Chef und ehemaliger Teamkamerad Bernd Storck: „Er wollte Leute, mit denen er sich austauschen kann“

          Welche Möglichkeiten sehen Sie?

          Unser primäres Ziel ist, beim Rückspiel in Budapest eine reelle Chance zu haben. Die müssen wir uns in Oslo mit einem guten Resultat hart erarbeiten.

          Sie haben in mehren Endspielen Titel gewonnen. Welche Erfahrungen aus Ihrer Karriere können Sie den Ungarn mitgeben?

          Den ein oder anderen Tipp kann ich geben. Die Fragen sind: Was erwarte ich von mir selbst in so einem Spiel? Wie kann ich der Mannschaft helfen, was muss ich abrufen? Es ist sehr wichtig, dass man so ein Spiel im Vorfeld gedanklich annimmt, dass man sich klarmacht: Was kommt auf mich zu? Was sind die Stärken und Schwächen des Gegners? Letztlich müssen die Spieler die Drucksituation selbst bewältigen, aber man kann den Spielern viel mitgeben und eine gute Atmosphäre schaffen. Es ist schon ein Erfolg, dass man diese zwei Spiele überhaupt hat. Es gibt andere Nationen, die sich über diese Chance freuen würden.

          Inwieweit ist es auch für Sie persönlich eine Chance? Nach Ihrem Rücktritt als Sportmanager bei Kickers Offenbach 2011 waren Sie nicht mehr als Verantwortlicher tätig.

          Ich habe nach meiner Zeit in Offenbach immer wieder versucht, Fuß zu fassen, und hatte ein paar Hospitationen. Massenhaft Bewerbungsunterlagen habe ich aber nicht rausgeschickt. Wenn man das nicht macht, ist man relativ schnell wieder von der Bildfläche weg. Ich habe es etwas zurückgestellt, mehr an die Familie gedacht. Daher kann ich das jetzt noch gar nicht sagen. Ich denke im Moment nicht langfristig, sondern nur an diese zwei Spiele. Ob es hier weitergeht, hängt davon ab, wie es läuft.

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