https://www.faz.net/-gtl-9l4vg

Herzog gegen Österreich : „Verarschen kann ich mich selber auch!“

  • Aktualisiert am

„Wir haben schon mit sechs Juden und fünf Arabern in der Startelf gewonnen“: Israels Trainer Andreas Herzog Bild: dpa

2017 war er sicher, dass er Österreichs Nationaltrainer wird. Doch wieder bekam Andreas Herzog eine Absage. Er platzte fast vor Wut. Nun kommt es zum pikanten Wiedersehen – als Gegner in der EM-Qualifikation.

          2 Min.

          Ach Gottchen, die Politik. Da winkt Andreas Herzog lieber ab. „Wir haben schon mit sechs Juden und fünf Arabern in der Startelf gewonnen“, berichtet der Trainer der israelischen Fußball-Nationalmannschaft. Er kenne sich mit den unzähligen widerstreitenden politisch-religiösen Interessen „nicht so gut aus“, sagt er. Zudem warte die Welt gewiss nicht auf seine Expertise - zumindest nicht zum Reizthema Nahostkonflikt.

          Fußball-Länderspiele

          Herzog, der Österreicher in Israel, der am Sonntagabend (18.00 Uhr bei DAZN) mit Israel gegen Österreich antritt, wäre auch in Tel Aviv gern einfach nur Fußballtrainer. Doch so einfach ist das nicht. Denn sechs zu fünf in der Startelf: „So knapp war das Verhältnis noch nie. Ich wusste das gar nicht.“ Hätte er im Spiel noch einen jüdischen gegen einen arabischen Profi ausgewechselt, sagt er, wäre es möglicherweise „zu Diskussionen gekommen“.

          Insofern ist seine Arbeit ein Tanz auf dem Drahtseil und ein politischer Akt, weil der Fußball in Israel wie vieles andere politisch ist. Und somit auch jede Entscheidung in ihm. Dass der neue Trainer aus einem Land stammt, in dem Rechtspopulisten mitregieren, war ja anfangs auch Anlass zur Skepsis. Zudem gab es da noch etwas: Herzog höchstpersönlich hatte 2001 mit seinem Freistoßtor in der Nachspielzeit Israels WM-Träume platzen lassen. „Wir werden hier mit Orangen und Steinen beworfen. Ein Geschosshagel, jetzt ist eine Flasche explodiert“, kommentierte die Reporterlegende Hans Huber auf der Tribüne.

          Willi Ruttensteiner, der ebenfalls österreichische Sportdirektor der Israelis, hat seinen Spezl trotzdem angelockt. „Das ist meine ultimative, meine allergrößte Herausforderung“, sagt Herzog. Der langjährige Bundesligaspieler ist in Israel inzwischen recht beliebt, Siege gegen Schottland und Albanien in der Nations League waren Achtungserfolge. Am Donnerstag gab es ein 1:1 gegen Slowenien.

          Dass er mehr muslimische Spieler beruft, wird auch als Beitrag zur Verständigung angesehen. Einer von ihnen ist Munas Dabbur: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass unser Weg an die Spitze ein harter ist“, sagte der in Nazareth geborene Mittelstürmer von RB Salzburg im Spox-Interview. Nun also: Österreich. Immer wieder. „Meine Heimat“, sagt Herzog. Doch auch da war ja mal was. Immer wieder. „Kein anderer Mensch ist so oft nicht österreichischer Teamchef geworden wie er“, schrieb die Zeitung „Der Standard“. Zuletzt 2017: Da war Herzog sicher, diesen Job, der ihm nach eigener Interpretation schließlich auch zustand, endlich zu bekommen.

          Ihn bekam Franco Foda. Ein Deutscher. Auch das noch. Herzog platzte fast vor Wut. „Verarschen kann ich mich selber auch!“, schimpfte er bei Sky. Heute sagt er, der Ärger, der „Grant“, wie er es nennt, sei nach zwei Tagen schon verraucht gewesen. Das ist wahrscheinlich etwas beschönigt. Jedenfalls hat in Österreich, das seinen EM-Quali-Auftakt 0:1 gegen Polen verlor, niemand die Aufregung vergessen. Vor dem Duell richten sich in Haifa deshalb alle Augen auf Herzog, den Rekordnationalspieler, der hinauszog, um in Österreich auch als Trainer anerkannt zu werden. „Sie werden meine Geschichte jetzt rauf- und runterspielen“, sagt er. „In beiden Ländern.“

          Weitere Themen

          Manchester City verteidigt Platz zwei

          Premier League : Manchester City verteidigt Platz zwei

          Manchester City bleibt zumindest mit etwas Abstand dem FC Liverpool auf den Fersen. In ungewohnten Trikots ist der Guardiola-Klub bei Crystal Palace erfolgreich. Klopps Team spielt erst am Sonntag.

          Der BVB meldet sich zurück

          1:0 gegen Mönchengladbach : Der BVB meldet sich zurück

          Die eine Borussia gewinnt, die andere bleibt zumindest bis Sonntag Tabellenführer: Der BVB vermeidet ausnahmsweise mal einen späten Ausgleich und schließt zu Mönchengladbach auf. Ein Tor des Kapitäns genügt in einem rasanten Spiel.

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.
          Bei der aktuellen Sonntagsfrage verliert die AfD an Zustimmung.

          Sonntagsfrage : AfD fällt auf 13 Prozent

          Die AfD fällt damit auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Die SPD hingegen kann leicht Boden gutmachen - und zieht mit 15 Prozent an der AfD vorbei.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.