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Allianz-Arena : Leuchtende Rauten markieren das bayerische Lokalderby

  • -Aktualisiert am

Der Clou des Stadions: Es leuchtet in verschiedenen Farben Bild: AP

Das bautechnisch und architektonisch bemerkenswerte Fußballstadion Allianz-Arena soll zu einem Wahrzeichen der Stadt München werden.

          Das neue Fußballstadion an der Münchener Peripherie nimmt Formen an. Seitdem das Dach fast vollständig montiert ist, kann jeder selbst beurteilen, was sich der Baseler Architekt Pierre de Meuron unter "einem großen, leuchtenden Körper" vorstellt, der nach seiner endgültigen Fertigstellung im Mai 2005 zum "Pilgerort für Fußballbegeisterte" werden soll. 66 000 sollen dort einen Sitzplatz finden - nur wenige tausend mehr als die 63 000 Zuschauer, die das gut 30 Jahre alte Olympiastadion faßt.

          Wie damals zu den Olympischen Spielen 1972, als Günter Behnisch den Münchnern erstmals ein Stadion mit einem weit ausladenden Zeltdach schuf, setzt das Schweizer Architektenduo Herzog & de Meuron für die Fußballweltmeisterschaft 2006 auf eine ebenso außergewöhnliche Hülle: Sie soll die respektablen Ausmaße des neuen Fußballstadions tarnen, das immerhin 259 Meter lang, 227 breit und 50 hoch ist. Weil es auf Ecken und Kanten verzichtet, sieht es aus wie ein eben gelandeter bauchiger Zeppelin.

          Die leichte Folie altert nicht

          Die äußere Hülle ist nicht aus Glas und Beton, sondern aus federleichter, nur 0,2 Millimeter dünner ETFE-Folie (Ethylen-Tetrafluorethylen). Das ist ein sehr stabiler textiler Fluor-Kunststoff aus der Teflongruppe, der von Covertex aus dem bayerischen Chiemgau, einem von wenigen Spezialisten für Membranbauten, entwickelt wurde. Das Material soll selbst rauher Witterung (Wind, Hagel, Schnee) widerstehen; es ist schwer entflammbar, "nichtbrennend abtropfend", wie Fachleute sagen, und transparent mit einer Lichtdurchlässigkeit von 90 Prozent. Die leichte Folie altert nicht und wird mit der Zeit auch nicht trübe wie einst die Kunststoffscheiben des Olympiadachs; sollte das eine oder andere Kissen im Dachbereich einmal erschlaffen, weil es ein Loch bekommen hat oder einer der vier Kompressoren ausgefallen ist, kann sich in einer Kuhle kein Regenwasser sammeln, denn ein Ventil entwässert selbsttätig.

          Diese der Welt wohl größte Membrandachhülle deckt derzeit eine Fläche von 64 000 Quadratmeter - mit ihr will der Schweizer de Meuron "eine Architektur schaffen, die mit Licht arbeitet und Emotionen ausdrücken kann", wie er im Februar 2002 in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) sagte. Dach und Fassade gliedert er einheitlich mit 2784 meist unterschiedlich großen, trapezförmigen Elementen. De Meuron will damit "auf die bayerische Raute anspielen".

          Licht und Form verdecken die massive Konstruktion

          Diese Formen beherrschen als zentrales Fassadenelement die neue Fußballarena, rücken sie aber optisch etwas in die Nähe einer übergroßen Luftmatratze. Genau betrachtet sind es tatsächlich nur mit Luft gefüllte Kissen. 1056 davon sind vom Beleuchtungsspezialisten Siteco mit Effektlicht - jeweils bis zu acht Leuchtstoffröhren - ausgestattet worden. Damit die Außenhaut wahlweise weiß, blau und rot erstrahlen kann, sind speziell auf die Vereinsfarben hin entwickelte Farbfilter eingebaut. Mit unterschiedlich farbigem Licht - rot-weiß für den FC Bayern München und weiß-blau für den TSV 1860 München - sollen die Fußballvereine in der neuen Arena heimischer werden, als das in dem etwas steril wirkenden Olympiastadion gelingen wollte.

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