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Fußball-Glosse : Alles ist wieder gut

Suarez’ Gebiss bohrte sich in den Nacken von Chiellini Bild: AP

Suárez biss Chiellini, Zúñiga brach Neymar den Lendenwirbel. Lange dauerte es nicht, inzwischen vertragen sich alle wieder. Das dauerte zu Zeiten von Rijkaard und Völler noch deutlich länger.

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          Tolle Tore, packende Spiele und ein großer Champion sind das Vermächtnis der Fußball-WM 2014 - aber auch zwei hinterhältige Fouls. Beide wurden für ein paar Sommertage das globale Aufreger-Thema Nummer eins, über den Fußball hinaus. Beide sind inzwischen aus der Welt, sie enden in Verbrüderung.

          Das erste: der Biss von Luis Suárez in den Nacken von Giorgio Chiellini. Es machte den Uruguayer zum großen Geächteten des Weltfußballs. Erst vor wenigen Wochen durfte Suárez zum ersten Mal wieder vor einen Ball treten. Nun soll es eine Versöhnung geben. Die Manager der beiden Spieler wollen ein Treffen mit Trikottausch und Wohltätigkeitsinitiative organisieren. Auch der Internationale Fußball-Verband (Fifa) soll seine Zustimmung signalisiert haben - wobei sich die Frage stellt, warum dem Treffen zweier Menschen überhaupt jemand zustimmen muss.

          Das zweite Foul: das von Juan Zúñiga, der Neymar mit dem Knie einen Lendenwirbel brach. Dem Kolumbianer brachte das Todesdrohungen aus Brasilien ein, das ohne seinen verletzten Star gegen Deutschland ein Debakel erlebte. Die beiden haben sich schon lang versöhnt. Im ersten Länderspiel nach der WM (1:0 für Brasilien, Torschütze Neymar) gab es eine Umarmung. Außerdem bekam Zúñiga von Neymar eine Einladung für die „Icebucket Challenge“, die Social-Media-Version von Per Mertesackers legendärer Eistonne.

          Auch früher hat man sich irgendwann wieder vertragen, manchmal sogar ohne öffentliche Inszenierung. Aber in solch prominenten Fällen ist es wohl besser, das schnell zu tun, um jede Eskalation zu verhindern; und es auch öffentlich zu tun, damit die Fans sich ebenfalls vertragen. Rudi Völler frühstückte sogar im Bademantel für holländische Butter-Werbung mit Frank Rijkaard, der ihm bei der WM 1990 auf unappetitliche Art die Dauerwelle befleckt hatte. Aber das war erst sechs Jahre später, als beide schon Fußballrentner waren.

          Zuniga brach Neymar bei diesem Foul einen Wirbel
          Zuniga brach Neymar bei diesem Foul einen Wirbel : Bild: Reuters

          Heute will niemand mehr so lange warten. Das hat auch mit der wachsenden Selbstvermarktung von Fußballern durch soziale Medien zu tun, in denen sich solche Versöhnungen neben all den kleinen und größeren Belanglosigkeiten des Alltags, die einen Einblick ins Gefühls- und Sozialleben von Stars vorgaukeln, gut machen. Dagegen wirft man den klassischen Medien gern vor, immer nur die schlechten Nachrichten zu bringen. Also lieber das Foul als das Vertragen. Stimmt aber nicht. Zwischen Suárez und Chiellini, Neymar und Zúñiga ist bald alles wieder gut. Und trotzdem eine Nachricht.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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