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Zweite Bundesliga : Leipziger Logik

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Der neue Mann am Schaltpult: Interimstrainer Achim Beierlorzer (rechts) neben Sportdirektor Ralf Rangnick Bild: dpa

Trainer Alexander Zorniger muss trotz erfolgreicher Arbeit gehen - er war dem Klub, der mit aller Macht in die Bundesliga strebt, offenbar zu unbequem. Achim Beierlorzer übernimmt.

          Wie schnell sich die Dinge doch ändern. Vergangene Woche noch hatte RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick seinem Trainer die Absolution ausgesprochen. Nun, fünf Tage und eine Niederlage beim Tabellen-Letzten Erzgebirge Aue später, setzte er ihn doch vor die Tür. Alexander Zorniger passte einfach nicht mehr ins Konzept des hochambitionierten Zweitligaklubs. Am Mittwoch war die Zusammenarbeit beendet.

          Zorniger hatte seine Arbeit in Leipzig bislang eigentlich gut gemacht. „Viel mehr Erfolg ging nicht“, sagte jetzt sogar Rangnick. Seit seinem Antritt im Sommer 2012 hatte Zorniger die Leipziger von der Regionalliga in die zweite Liga geführt. Ginge es nach der Vereinsführung, soll der nächste Schritt Richtung Fußball-Bundesliga direkt folgen. Doch auf dem Weg dorthin kamen die Rasenballer mit der teuersten Truppe der Liga zuletzt ins Stolpern, blieben fünf Spiele in Serie ohne Sieg. Platz sieben und sechs Zähler Rückstand auf den Relegationsrang - das war eine Entwicklung, die Rangnick nicht hinnehmen wollte. „Es ist schon klar, dass die nicht immer nur nach oben gehen kann. Wenn ich mir die Entwicklung der letzten Spiele ansehe, das war ein Rückschritt“, sagte er.

          Der Rückschritt zog nun den Rücktritt des Trainers nach sich. Es war freilich kein freiwilliger. Am Wochenende hatte die Vereinsführung in Rücksprache mit Geldgeber Dietrich Mateschitz beschlossen, dass sich nach dieser Saison die Wege von RB Leipzig und Trainer Zorniger trennen würden. Der zog die Konsequenz, sagte gleich adieu. Es passt zu Zorniger, dass er diesen Weg gewählt hat – war er doch trotz seines allmächtigen Arbeitgebers nie um klare Worte und auch Kritik verlegen gewesen.

          Demut ist ein Fremdwort bei RedBull

          Vielleicht war es auch genau das, was den Vereinsoberen am Ende zu unbequem war: dass Zorniger selbst dann seine Meinung kundtat, wenn diese nicht mit der Maxime der Höhergestellten übereinstimmte. So etwa zuletzt in der Aufstiegsfrage: Nach zwei Aufstiegen in Serie sei der Durchmarsch in Liga eins in diesem Jahr keine Pflicht, hatte Zorniger immer wieder betont, nicht zuletzt als der Abstand zur Tabellenspitze immer größer wurde. Mehr noch: „Ein zweites Jahr in der zweiten Liga würde allen nicht schaden“, sagte Zorniger noch im Dezember im Interview mit dieser Zeitung. Man wisse gar nicht wie es sei, keinen Erfolg zu haben, und das sei eine große Gefahr, sagte er. Man müsse auch lernen, Niederlagen etwas Positives abzugewinnen.

          Zorniger traurig: RB entlässt den Aufstiegstrainer

          Doch Demut ist im Kosmos um den Brausegiganten RedBull ein Fremdwort. Dem Vernehmen nach hatte RB Leipzig in der Winterpause gut neun Millionen Euro in Verstärkungen investiert – mehr gaben im deutschen Profifußball nur Wolfsburg und Dortmund* aus. Es muss wohl vor allem als eindeutiges Signal verstanden werden, dass der Aufstieg noch dieses Jahr gelingen soll. Mit aller Gewalt und gegen alle Widerstände – selbst, wenn die Warnungen vom eigenen Trainer kommen.

          Beierlorzer soll es richten

          Bei dieser Einschätzung war es zum Rückrundenstart zu den ersten Misstönen zwischen Sportdirektor Rangnick und dem Trainer gekommen. Widerspruch gilt nicht im RB-Fußballimperium. Vergangene Woche hatte Rangnick verlauten lassen, sich vom Sommer an ganz auf das Leipziger Projekt konzentrieren zu wollen und die Parallelarbeit beim österreichischen Schwesternklub RedBull Salzburg ruhen zu lassen – ein weiteres Zeichen, dass es jetzt schon nach ganz oben gehen soll.

          Richten soll das fürs Erste U17-Coach Achim Beierlorzer. Erfahrung im Männerbereich sammelte der bislang in der Fußballprovinz beim SC 04 Schwabach und dem SV Kleinsendelbach, danach bei den Junioren der Spielvereinigung Greuter Fürth, ehe im Sommer der Wechsel nach Leipzig erfolgte. Nun die zumindest zwischenzeitliche Beförderung - nicht aber ohne Überwachung von oben. Möglich, dass Rangnick am Wochenende gegen den FSV Frankfurt neben Beierlorzer auf der Bank Platz nimmt. „Ich habe ihm alle Unterstützung angeboten, die ich ihm bieten kann. Letztlich ist es seine Entscheidung, wie viel er annehmen will“, sagte Rangnick. In dieser Sache sei noch keine Entscheidung gefallen.

          Fest steht dagegen, dass im Sommer eine Dauerlösung kommen wird. Zuletzt hatte in Leipzig immer wieder der Name des ehemaligen Mainzers Thomas Tuchel die Runde gemacht. Sportdirektor Rangnick hielt sich angesprochen auf diese Personalie bedeckt. „Wir werden es handhaben wie immer“, sagte er. Heißt: Namen werden nicht kommentiert. Nur so viel: „Ein Trainer, der bei uns Trainer sein soll, muss von unserer Art Fußball überzeugt sein.“

          Die Mannschaft habe zuletzt die Spielfreude vermissen lassen, sagte Sportdirektor Rangnick. Die Art von aggressivem Angriffsfußball, der den Zuschauern Spaß macht und so auch in allen Nachwuchsmannschaften bis hinunter zu den Elfjährigen bei RB Leipzig praktiziert wird, war zuletzt nicht mehr zu sehen. Doch Beierlorzer ist überzeugt: „Wir können zu dieser Art von Fußball zurückkommen.“ Auch den Aufstieg hält er noch immer für möglich. Was soll er auch anderes sagen in einem Fußball-Kosmos, der außer dem absoluten Erfolg keine Prinzipien zulässt.

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