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Interview: Alexander Zorniger : „Noch ein Jahr zweite Liga würde nicht schaden“

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Große Nummer: Die Fans von RB Leipzig hoffen auf den direkten Bundesligaaufstieg und den Angriff auf die großen Weltklubs Bild: dpa

Mit den Millionen von Red Bull strebt RB Leipzig in Richtung Bundesliga. Das Gefühl, keinen Erfolg zu haben, kennt der Serienaufsteiger nicht. Trainer Zorniger sieht das auch als Gefahr.

          6 Min.

          RB Leipzig kennt jeder Fußballfan. Und vielen ist der Klub verhasst, den Red Bull zu einer großen Nummer im deutschen Fußball machen will. Aber kaum jemand kennt Alexander Zorniger, den Trainer, der ein junges Team zum dritten Aufstieg nacheinander führen kann. An diesem Sonntag tritt RB Leipzig im Spitzenspiel gegen Tabellenführer Ingolstadt an.

          Was kann man als Trainer von RB Leipzig eigentlich gewinnen? Wenn man siegt und aufsteigt, gilt das als normal. Und wenn nicht, ist der Trainer schuld.

          So weit habe ich gar nicht gedacht, als ich das Angebot angenommen habe. Zum einen denke ich nicht ans Scheitern, zum anderen hatte ich damals gar nicht die Zeit, mir alles so genau zu überlegen.

          Wollen Sie etwa sagen, dass Sie nicht wussten, auf was Sie sich mit RB Leipzig einlassen?

          Ich war vor zweieinhalb Jahren Trainer in der Regionalliga bei Großaspach. Wir waren gerade als Zweiter nicht aufgestiegen und hatten eine Supertruppe zusammen. Drei Tage vor dem ersten Training der neuen Saison rief mich Ralf Rangnick im Urlaub an. Was er gesagt hat, war so überzeugend, dass ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht habe, wie RB wahrgenommen wird und wie erreichte Ziele vielleicht interpretiert werden. Ich habe nur die Möglichkeiten gesehen. Und ich habe gewusst, was für Qualitäten ich als Trainer habe. Dann habe ich sofort zugesagt.

          Mit Verlaub: Sie sind erst fünf Jahre Profitrainer, und als Sie vor zweieinhalb Jahren das Angebot bekamen, waren Sie von Ihren Qualitäten schon so sehr überzeugt? Woher nehmen Sie dieses Selbstbewusstsein?

          Ich hatte das Selbstvertrauen nach zwei Tagen in meinem ersten Trainerjob in Schwäbisch Gmünd. Ich weiß, wie ich mit Menschen umgehen kann. Ich kann sehr direkt ansprechen, was ich will. Als ich den ersten Tag als Trainer auf dem Platz gestanden habe, wusste ich, dass dies genau das ist, was ich will: mit Leuten zusammenarbeiten, sie begeistern, neue Dinge entwickeln und etwas erreichen. Es ist auch jetzt noch so, dass ich mich in der zweiten Liga immer noch mit „Alex Zorniger“ bei meinen Kollegen vorstelle. Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass ich jetzt einen gewissen Bekanntheitsgrad habe in der Szene. Ich weiß, dass ich jeden Tag noch dazulernen kann. Aber ich glaube auch, dass unter den Kollegen schon klar ist, wer hier bei RB Leipzig für die tägliche Arbeit verantwortlich ist und die sportlichen Zügel in der Hand hat. Genauso, wie alle wissen, dass Ralf Rangnick für die Struktur zuständig ist.

          Selbstzweifel sind Ihnen fremd?

          Ich habe bisher wenige Situationen erlebt, in denen ich keine Antworten auf Trainerprobleme gefunden habe. Sportlich, aber auch in Fragen der Menschenführung. Ich sage immer, wie ich die Dinge sehe.

          Sie meinen, Ehrlichkeit und Offenheit sind eine Option im Profifußball?

          Definitiv. Für mich schon. Ob das allerdings für das gesamte Fußballgeschäft gilt, ist eine andere Frage. Ich will jeden Morgen zufrieden in den Spiegel schauen können. Und das kann ich.

          Dann erklären Sie doch mal, wie man mit einer Mannschaft aus weitgehend unbekannten Spielern zweimal nacheinander aufsteigt und in dieser Saison sogar die Chance hat, in die Bundesliga zu kommen?

          In den letzten zweieinhalb Jahren haben wir einiges erlebt, was uns zusammengeschweißt hat. Die Aufstiegsspiele in die dritte Liga, die Anfangseuphorie in der dritten Liga, dass wir nach einem Rückstand von sieben, acht Punkten noch mal rangekommen sind und bis zum Ende drangeblieben sind und dann auf Platz zwei trotz großen Drucks direkt aufgestiegen sind. Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Das gilt unabhängig von der Liga, in der wir spielen. Was sich geändert hat: die Qualität von Spielern auf einzelnen Positionen. Mit meinem Trainerteam haben wir Spieler auf ein anderes Niveau gebracht.

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