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Eintracht Frankfurt : „Es tut mir leid für die Jungs“

Am Boden: Eintracht-Kapitän Alexander Meier beim Pokalfinale in Berlin gegen Borussia Dortmund. Bild: Reuters

Außenseiter Frankfurt macht im DFB-Pokal-Finale ein großes Spiel, auch wenn Dortmund den Titel gewinnt. Im Mittelpunkt beim Endspiel in Berlin stehen zwei Spieler – und die Fans der Eintracht.

          Der „Lange“ war der Letzte. Es schien, als wollte Alexander Meier diesen besonderen Moment besonders intensiv auskosten. Doch es war die Doping-Kontrolle, die seine Abfahrt aus dem Olympiastadion verzögerte. Seine Mitspieler hatten die Stätte des angestrebten Triumphs längst verlassen. Der Frankfurter Mannschaftsbus, eskortiert von reichlich Polizei mit Blaulicht, war schon in der lauen Berliner Nacht verschwunden, als der Kapitän der Eintracht Abschied nahm. Abschied von Berlin, Abschied vom Pokalfinale, das der 34 Jahre alte Meier so gerne gewonnen hätte. „Es war sehr knapp. Jeder war traurig und niedergeschlagen in der Kabine“, sagte der Frankfurter Anführer.

          Das wäre was gewesen. Meier holt in seinem zweiten und vermutlich letzten Endspiel den DFB-Pokal. Gegen die Bayern 2006 ging es beim 0:1 schief, und jetzt, elf Jahre später, gegen Borussia Dortmund auch. Bei der 1:2-Niederlage war es Torwart Lukas Hradecky, der mit einem Foul an Christian Pulisic den Elfmeter verschuldete, den Pierre-Emerick Aubameyang zum Siegtreffer der Borussia verwandelte (67.). „Es tut mir leid für die Jungs“, sagte der finnische Keeper der Eintracht. „Es war wohl die falsche Entscheidung, dass ich rausgelaufen bin.“ Auch und vor allem wegen Hradecky und seiner vorzüglichen Paraden hatte die Eintracht überhaupt erst den Einzug in das DFB-Pokalfinale geschafft. „Auf das, was wir erreicht haben, können wir stolz sein“, sagte Hradecky.

          Vor allem auf ihre Anhänger können die Frankfurter stolz sein. Mit einer imposanten Choreographie, die in der prallgefüllten Ostkurve des ausverkauften Olympiastadions Maskottchen Adler Attila zeigte, der die Trophäen der bisherigen vier Pokalsiege und der einzigen Meisterschaft festgekrallt hatte, machte die Eintracht mächtig Eindruck und präsentierte sich als kreative Gemeinschaft.

          In den Stunden zuvor, als es galt, sich auf dieses wichtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte einzustimmen, zu dem der Klub die Spieler der siegreichen Pokalmannschaften von 1974, 1975, 1981 und 1988 in die Hauptstadt und die dort kurzfristig eröffnete „Frankfurter Botschaft“ am Spreeufer eingeladen hatte, funktionierten die findigen Frankfurter Fans den Alexanderplatz im Osten der Stadt kurzerhand zum „Alex-Meier-Platz“ um.

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          Der große Treff mit reichlich Prominenz sollte die letzte Etappe bei der „Adler im Anflug“ genannten Operation Pokalfinale sein. „Europa ohne Frankfurt, das geht nicht“, war sich Peter Feldmann sicher. Der Oberbürgermeister spielte auf den angestrebten Einzug in die Europa League an, der der Mannschaft von Niko Kovac, in der Bundesliga auf Rang elf gelandet, über die Ausweichroute DFB-Pokal nicht vergönnt war. „Es war ein tolles Erlebnis“, sagte der Eintracht-Trainer nach dem knappen 1:2 gegen den BVB. „Werbung pur für den Fußball.“ Und zugleich Ansporn, „dass wir versuchen werden, auch im nächsten Jahr so weit wie möglich zu kommen.“

          Kovac, den sportlichen Finalabend über in feinen Zwirn gehüllt, erinnerte nochmals daran, „innezuhalten und zu bedenken: Wo kommen wir her, was ist mit dieser Mannschaft möglich?“ Er selbst gab eine Antwort. „Es ist das Maximale, das wir heute holen konnten.“ Sicherlich: Die Möglichkeit war gegeben, in diesem einen Spiel nur den Favoriten bei seiner vierten Finalteilnahme hintereinander zu bezwingen. Dafür aber wäre es hilfreich gewesen, wenn der Schuss von Haris Seferovic ins Tor – und nicht an den Pfosten gegangen wäre (39.).

          Zu diesem Zeitpunkt war die Partie nach den Toren von Ousmane Dembélé (8.) und Ante Rebic (29.) nur vom Zwischenergebnis her ausgeglichen. Denn die Vorteile lagen bei der Eintracht. Und Seferovic hätte sich gerne als Sieger verabschiedet. „Heute war mein letztes Spiel für die Eintracht“, sagte der Schweizer. Der Stürmer, der vor ziemlich genau einem Jahr mit seinem Treffer in Nürnberg der Eintracht über den Umweg Relegation die Erstklassigkeit gesichert hatte, wird sich Benfica Lissabon anschließen. „Ich habe dort einen Fünfjahresvertrag unterschrieben“, bestätigte er – und verschwand auch dann in die Nacht.

          Alexander Meier, seit dreizehn Jahren schon das Gesicht der Eintracht, steht noch bis Mitte nächsten Jahres im Wort. Er wird die kommenden Tage und Wochen dazu nutzen, um am Strand von Miami abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. Meier und das Pokalfinale: Eine lange Geschichte ohne Happy End.

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