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Alemannia Aachen : Pokalschreck mit Holland-Connection

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Alemannia-Profis: An guten Tagen erinnern sie an Dortmund oder Mainz Bild: dpa

Am Mittwochabend (20.30 Uhr) trifft der FC Bayern im DFB-Pokal auf Aachen. Die Alemannia vertraut auf ihren Ruf als Angstgegner des deutschen Rekordmeisters und will Fußball-Geschichte schreiben. Das gelang schon zweimal gegen München.

          Erik Meijer schickte seinem alten Kollegen aus Eindhoven unaufgefordert eine kleine Aufmerksamkeit. Der Manager von Alemannia Aachen sandte eine SMS an Mark van Bommel, der in der vorigen Woche angeblich noch nicht wusste, wohin ihn der Weg führen würde. „Wie wäre es mit drei Jahren Aachen. Das ist doch schöner als Wolfsburg oder Mailand?“, schrieb Meijer seinem Landsmann. Die Antwort des Kapitäns des FC Bayern München ließ nicht lange auf sich warten. „Wieso nicht dreieinhalb Jahre?“, lautete van Bommels Replik. Der Austausch per Kurzmitteilung wurde nicht fortgesetzt, und van Bommel wird weder langfristig noch für einen einzigen Abend in die deutsch-niederländische Grenzstadt kommen. Einen Tag vor dem Duell im Viertelfinale des DFB-Pokals an diesem Mittwoch (20.30 Uhr / FAZ.NET-DFB-Pokal-Liveticker) zwischen dem Zweitligaverein Aachen und den Münchnern gab Meijers Freund seinen Wechsel zum AC Mailand bekannt.

          Holländisch geht es bei den Aachenern dennoch zu. Nicht nur Meijer, der frühere Stürmer von Bayer Uerdingen, Bayer Leverkusen sowie des Hamburger SV, stammt aus dem Nachbarland, sondern auch der größte Teil des Trainerteams. Assistenztrainer Eric van der Luer hat bei Bayern München fünf Tage hospitiert, seine Trainerlizenz wie Louis van Gaal in der niederländischen Akademie in Zeist erworben. „Bommel“, „Robben“ oder „Schweini“ rief van der Luer dieser Tage über den Trainingsplatz, wie die Aachener Zeitung notierte.

          Es waren neue Signalworte für die Profis, um spezielle Übungen einzuleiten. Cheftrainer ist zwar der aus Bocholt stammende Deutsche Peter Hyballa, der aber niederländischer Abstammung ist und kürzlich ein Werk über die fußballerische Nachwuchsarbeit im Nachbarland veröffentlicht hat. Ein großer Bayern-Fan war er als Junge, er schlief in rot-weißer Bettwäsche mit Vereinsemblem, aber nun beabsichtigt er, dem Meister den abermaligen Pokaltriumph am 21. Mai zu vermasseln.

          „Wir haben nur eine Mini-Chance”: Aachens Trainer Peter Hyballa

          „Wir werden den Bayern Stress machen“

          „Wir haben nur eine Mini-Chance“, sagt Hyballa, „aber wir glauben an uns. Wir haben Respekt, aber keine Angst. Wir werden den Bayern Stress machen.“ In dieser Saison drückte er sich schon zweimal in ähnlicher Weise aus. Beide Male war seine Alemannia im DFB-Pokal klarer Außenseiter und besiegte dennoch zunächst den 1. FSV Mainz 05 mit 2:1 und anschließend Eintracht Frankfurt mit 6:4 nach Elfmeterschießen. Die Bayern als Gegner bei der Auslosung zu erhalten, löst bei fast allen deutschen Klubs einen Ausnahmezustand aus, aber in Aachen sind mit diesem Duell sehr spezielle Geschichten verbunden. Die Alemannia ist gewissermaßen der Pokal-Angstgegner der Münchner.

          Gleich doppelt beförderten die Westdeutschen den Rekordpokalsieger aus dem Wettbewerb. Im Februar 2004 gewannen sie mit 2:1, Meijer köpfte das entscheidende Tor. Unvergessen ist in Aachen auch der 4:2-Sieg aus dem Dezember 2006, als Jan Schlaudraff phänomenal auftrumpfte, danach zum Nationalspieler und umgehend von den Bayern verpflichtet wurde. „Beide Mannschaften waren erfahrener als die heutige“, sagt Meijer, „aber unser Trainer wird es hinbekommen.“

          Mit dem Jahresgehalt von Schweinsteiger einen ganzen Kader finanziert

          Mit 35 Jahren ist Hyballa der jüngste Coach, der bei einem deutschen Profiverein beschäftigt ist. Bis zum vorigen Sommer betreute er erfolgreich die Jugend von Borussia Dortmund. In Aachen hat er die Altersklasse nicht wechseln müssen, denn die Alemannia besitzt mit einem Durchschnitt von knapp über zwanzig Jahren die jüngste Mannschaft unter den 36 Klubs der ersten und zweiten Liga. Als sehr talentiert gilt Hyballas Team, das an guten Tagen mit seiner forschen, aggressiv nach vorne verteidigenden Spielweise an Dortmund oder Mainz erinnert. Allerdings bietet es, auch wegen vieler durch Verletzungen hervorgerufener Ausfälle, noch keine konstanten Spitzenleistungen.

          Die Aachener, die 2004 nach dem Sieg gegen die Bayern in das Pokalfinale einzogen (2:3 gegen Bremen) und sich für den Uefa-Pokal qualifizierten, arbeiten mit einem kleinen Etat am mittelfristigen Ziel der Erstliga-Rückkehr. Mit dem Jahresgehalt von Bastian Schweinsteiger finanziert Meijer, der den offiziellen Titel Geschäftsführer Sport trägt, einen kompletten Kader für die zweite Liga. Mit dem neuen Tivolistadion scheint sich der Verein übernommen zu haben, weitere Pokaleinnahmen würden das Leben entscheidend erleichtern. In der zweiten Liga zieht der Tabellenzehnte selten mehr als 20.000 Fans an.

          Das Topspiel gegen die Bayern ist mit 32.300 Zuschauern allerdings seit Wochen ausverkauft. „Wir haben die Gelegenheit, Geschichte zu schreiben und zu Ruhm und Ehre zu kommen“, sagt Meijer mit viel Pathos. Van Bommel hat er nicht locken können, seine Landsleute van Gaal und Arjen Robben würde er gerne geschlagen nach München zurückschicken. „Ich gehe davon aus, dass Aachen das Waterloo für die Bayern wird.“

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