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Ajax Amsterdam : Cruyffs letzter Kampf

Alle Augen auf Cruyff: Der Niederländer spricht nach dem Treffen mit der Presse
          6 Min.

          Jaap de Groot ist Sportchef des „De Telegraaf“, und seit 25 Jahren verleiht er Johan Cruyff in den Niederlanden eine unüberhörbare Stimme. Seit Cruyff in den achtziger Jahren als Trainer bei Ajax anfing, schreibt de Groot die Cruyff-Kolumnen für das auflagenstärkste Blatt des Landes. Zunächst erschienen die Kommentare unregelmäßig, aber seit 2002 jede Woche. Seitdem ist es sonntags zu einem Ritual geworden zwischen dem Star und seinem Ghostwriter, dass sie immer zwischen halb elf und elf telefonieren, da kann passieren, was will.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          „Er ist immer sehr gut vorbereitet“, sagt de Groot. In einer Viertelstunde gibt Cruyff dann seine Sicht des Fußballs und der Welt zum Besten. Sein Schreiber kennt die Ansichten von Cruyff, „aber in neun von zehn Fällen überrascht mich Johan immer wieder mit einem neuen Gedanken“. Wenn Cruyff das Gespräch beendet, sieht de Groot es als seine Aufgabe an, „die Balance zu finden zwischen der Grammatik und dem Sound von Johan“. Ohne den Sound von Johan kann man sich den Fußball in Holland nicht vorstellen.

          „Johan befindet sich in einem Krieg“

          Normalerweise ruft de Groot nicht mehr zurück, wenn er alles aufgeschrieben hat, dafür kennen sie sich mittlerweile zu gut. Nur bei den „harten Kolumnen“, wo es auf jedes Wort ankommt, meldet sich de Groot noch mal. Zweimal sind nach Cruyffs Beiträgen schon Gesetze geändert worden. Einmal ging es um Steuern, die nach Spenden für Wohltätigkeitsorganisationen fällig werden, bei denen anderen um staatliche Unterstützung für Athleten, die sich der Doppelbelastung von Studium und Sport aussetzen. Zuletzt war es wieder nötig, dass de Groot bei Cruyff zurückruft, wegen Ajax: „Denn Johan befindet sich in einem Krieg.“

          Selten war der Sound, der von und mit Cruyff produziert wird, für Ajax Amsterdam so bedeutsam wie in diesen Tagen. Dabei geht es nur auf den ersten Blick allein darum, ob Cruyff doch noch Louis van Gaal als künftigen Sportdirektor verhindern kann. Der ehemalige Bayern-Trainer war über Cruyffs Kopf hinweg von dessen vier Aufsichtsratskollegen, darunter dem ehemaligen Nationalspieler Edgar Davids, für die kommende Saison engagiert worden. Es war eine plumpe Intrige. Seine Kollegen hatten gewartet, bis Cruyff wieder in Barcelona war, dann schickten sie ihm eine Mail an die Adresse seiner Tochter mit der Einladung für ein Treffen am selben Abend in Amsterdam. Es ist allerdings nicht ganz leicht, mit dem Allgegenwärtigen in Kontakt zu treten. Cruyff besitzt kein Handy, eine eigene Mailadresse hat er auch nicht. „Sie haben Ajax in Brand gesteckt“, sagte Cruyff.

          Cruyff-Fußball 2.0

          Seine Gegner im Gremium hatten damit gerechnet, dass „König Johan“ nach diesem Affront keine Lust mehr haben würde - er hatte vor einigen Jahren bei Ajax schnell aufgegeben, als damals die Zusammenarbeit mit Trainer Frank Rijkaard nicht klappte. Aber Cruyff verstand die Entscheidung diesmal als Kriegserklärung und mobilisiert seitdem alle Kräfte. „Wer etwas hinter dem Rücken von Johan macht, der hat einen Feind fürs Leben“, sagt de Groot. So stehen sich bei diesem Duell nicht nur zwei enorme Egos des Fußballs in einem Tulpenkrieg gegenüber, die unvergessliche Erfolge bei Ajax und dem FC Barcelona gemeinsam haben, die aber vor allem eine innige Abneigung verbindet. Cruyff geht es längst um mehr.

          Mit seinen Gegnern an einem Tisch: Johan Cruyff (links) fühlt sich als Außenseiter, wenn er sich mit den anderen Ajax-Funktionären (Edgar Davids ist Dritter von links) auseinandersetzen muss
          Mit seinen Gegnern an einem Tisch: Johan Cruyff (links) fühlt sich als Außenseiter, wenn er sich mit den anderen Ajax-Funktionären (Edgar Davids ist Dritter von links) auseinandersetzen muss : Bild: dpa

          Es ist vermutlich sein letzter Versuch, den europäischen Spitzenfußball noch einmal nach seinen Vorstellungen zu beeinflussen, wenn nicht gar zu prägen, so, wie er das seit den siebziger Jahren immer wieder getan hat. Erst in Amsterdam und dann in Barcelona, und somit auch in der niederländischen und spanischen Nationalmannschaft. Es steht die Erneuerung des „voetball total“ nach seinem Willen auf dem Spiel, der Cruyff-Fußball 2.0 unter den Bedingungen des Fußballkapitalismus. „In fünf Jahren soll Ajax wieder unter den Top Ten in Europa sein“, sagt Cruyff.

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