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Ailton in Uerdingen : Erdnussflips für ein Elefantenbaby

  • -Aktualisiert am

2009 in Uerdingen: Ailton mit Agissilaos Lakis Bild: dpa

Ein Geschäftsmann will den sechstklassigen KFC Uerdingen wieder zum Profiklub machen. Am letzten Spieltag will der fußballverrückte Millionär selbst für seinen Verein auflaufen. Platz auf dem Feld könnte ein alter Bekannter machen: Ailton.

          Auch in der sechsten Liga hat man noch Träume, vor allem, wenn man Millionär ist und fußballverrückt. Der Weg in die nächsthöhere Klasse ist weit, aber der Vereinspräsident des KFC Uerdingen hat das Aufstiegsszenario im Frühjahr schon vor Augen. Wenn alles klar ist, will der Immobilienunternehmer und Hobbykicker Agissilaos Kourkoudialos selbst für den Verein seines Herzens auflaufen, am letzten Spieltag in der Verbandsliga Niederrhein. Ein Spielerpass für den Zweiundvierzigjährigen, der zuweilen mit der Mannschaft trainiert, ist bereits ausgefertigt. Und es hat sich auch schon jemand gefunden, der bereit ist, ihm Platz zu machen für die letzte Viertelstunde.

          „Presidente, dann wirst zu für mich eingewechselt“, sagt Ailton, einst Torschützenkönig der Bundesliga. Mit 36 Jahren gehört Ailton zu den reifen Semestern im Fußball. „Ganz Deutschland lacht, weil ich in die sechste Liga gehe, aber mein Vater sagt, es ist die Hauptsache, zufrieden zu sein“, sagt der Brasilianer. „Ich lebe gern in Deutschland.“ Torhüter Ronny Kockel hat seinen neuen Kollegen schon mit Erdnussflips und Schokolade versorgt, „damit Toni sich wohl fühlt“.

          „Der KFC ist sein Baby, und er lässt es nicht im Stich“

          Normalerweise müsste an dieser Stelle der Hinweis kommen: Achtung, Satire! Aber er kommt nicht, es ist keine Satire, kein Witz, sondern die Vision eines wohlhabenden Mannes, der sein „Baby“, als das er den Klub betrachtet, buchstäblich großziehen will. Das Insolvenzrecht spielte in Uerdingen zeitweise eine größere Rolle als die Abseitsregel. Bis vor zwei Jahren, als Kourkoudialos seine Liebe für den siechen Verein entdeckte und den Konkurs abwendete.

          2007 in Duisburg: Ailton auf dem Zebra

          Aber die Rolle des Retters reicht dem Mann nicht, den alle der Einfachheit halber „Lakis“ nennen, weil seine Firmengruppe so heißt. Der Sanierer maroder Immobilien will den KFC auf ein stabiles Fundament stellen - und bis 2014 bis in die dritte Liga bringen, mindestens.

          Dass Lakis die Lust verlieren könnte, wenn nicht alles nach Plan laufen sollte, stehe nicht zu befürchten, sagt Geschäftsstellenleiter Lutz Spendig, der ein Fernstudium Fußballmanagement absolviert hat und dem Klub wieder ein seriöses, solides Erscheinungsbild geben will. „Herr Lakis hat keine Kinder. Der KFC ist sein Baby, und er lässt sein Kind nicht im Stich.“ Lakis hat nicht irgendein „Kind adoptiert, sondern einen Verein, der Geschichte geschrieben hat und noch immer auf Platz 23 der „ewigen“ Bundesligatabelle steht.

          Zwanzig Treffer sollen es werden

          Noch unter dem Namen Bayer Uerdingen gelang 1985 gegen Bayern München der Gewinn des deutschen Pokals; in der darauffolgenden Saison wurde auf der europäischen Bühne das sogenannte „Fußballwunder von Uerdingen“ aufgeführt. Nach einem 0:2 in Dresden lag der Bundesligaklub daheim zur Pause 1:3 zurück, gewann am Ende 7:3 und erreichte die nächste Runde. Wer heute auf der Geschäftsstelle des KFC die Treppe zum ersten Stock hinaufsteigt, sieht an der Wand die Bilder von Protagonisten, die Großes geleistet haben: Bierhoff, Chapuisat, Herget, Kuntz, Laudrup und auch Magath (als Manager) grüßen im Postkartenformat. In diese Reihe passt Ailton. Der Brasilianer war mit Werder Bremen deutscher Meister und Pokalsieger und „Fußballer des Jahres“.

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