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Afrikas Fußball : Die Supermacht, die sich selbst schlägt

Schwarzafrikas heitere Premiere: Zaire mit Torwart Muamba Kazadi (li.) und Boba Lobilo bei der WM 1974 Bild:

Die ersten Schwarzafrikaner bei einer Fußball-WM waren lustige Stümper. Später kamen fröhliche Tänzer und romantische Verlierer. Nach Jahrzehnten der Träume und Hoffnungen bleibt die Frage: Wann kommt der erste Weltmeister endlich aus Afrika?

          Die erste Entdeckung des schwarzen Fußball-Kontinents fand 1974 statt. Damals kam Zaire als erstes schwarzafrikanisches Team zu einer Weltmeisterschaft. Das Team trug erheblich zum Unterhaltungswert des Turniers in Deutschland bei. Schon beim 0:9 gegen Jugoslawien, als drei Einwechselspieler auf der Bank gemütlich eine Zigarette rauchten. Dann beim 0:3 gegen Brasilien, als sich Verteidiger Mwepu Ilonga seinen Platz in der WM-Geschichte sicherte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Sein großer Moment kam bei einem Freistoß. Rivellino und Jairzinho standen beim Ball und warteten auf den Pfiff. Plötzlich startete Ilonga aus der Mauer und hämmerte den Ball, vorbei an den verdutzten Brasilianern, weit in die gegnerische Hälfte. Das Resultat: eine der lustigsten Gelben Karten der Geschichte. Das Publikum schlug sich auf die Schenkel, man lachte und rief: Die kennen ja nicht mal die Regeln! Ilonga erklärte die Aktion später mit Nervosität. Die Elf sei in Todesangst vor dem wütenden Diktator Mobutu gewesen.

          Dank Kamerun steht Afrika für eine kommende Supermacht

          Die zweite Entdeckung Fußball-Afrikas fand 1990 statt. Der 38-jährige Roger Milla, aus dem Ruhestand in den WM-Kader geholt, schoss Kamerun mit vier Toren gegen Rumänien und Kolumbien ins Viertelfinale. Nach jedem Treffer zelebrierte er den bis heute berühmtesten Torjubel: ein hüftwackelndes Tänzchen um die Eckfahne. Als die Kameruner im Viertelfinale die Engländer zeitweise vorführten, übernahm Afrika die Rolle des sentimentalen Favoriten - erst recht, als sie unglücklich verloren. Die deutschen Spieler, die im Fernsehen dieses Spiel anschauten, in dem ihr nächster Gegner ermittelt wurde, feierten Kameruns Tore. Franz Beckenbauer fragte sie: „Warum jubelt ihr, wollt ihr gegen die spielen?“ Da seien sie ruhig geworden, so der Teamchef.

          Der unbezwingbare Löwe: Roger Milla schoss 1990 vier Tore für Kamerun

          Es war eine neue Sicht auf die Fußballwelt: Afrika stand nicht mehr für Slapstick, sondern für eine kommende Supermacht. Doch leider war 1990 kein gutes Jahr für Prognosen - keine blühenden Landschaften, auch nicht im Fußball. Die beiden großen Prophezeiungen jener letzten WM, die Deutschland gewann, blieben Schall und Rauch. Die von Beckenbauer nach dem Finalsieg von Rom: „Durch die Wiedervereinigung und die Spieler der DDR wird Deutschland auf Jahre hinaus unschlagbar sein.“ Und die von Pelé: „Bald wird der Weltmeister aus Afrika kommen.“ Zwei Jahre später kamen die Dänen und widerlegten Beckenbauer im EM-Finale. Und zwanzig Jahre später wartet Afrika immer noch darauf, Pelé zu bestätigen.

          So gut wie alle Fehler gemacht, die man machen kann

          Immer noch hat kein afrikanisches Team auch nur das WM-Halbfinale erreicht. Allerdings sind die Chancen zumindest für ein Halbfinale wohl so gut wie nie seit 1990. Seit damals Kamerun in der Verlängerung gegen England mit begeisterndem Fußball herrlich naiv verlor, haben afrikanische Teams so gut wie alle Fehler gemacht, die man machen kann. Die Nigerianer glaubten 1994, die Italiener bei 1:0-Führung kurz vor Schluss vorführen zu können - und mussten mit dem wertlosen Lob Cesar Luis Menottis zufrieden sein, sie seien „die letzten großen Romantiker“.

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