https://www.faz.net/-gtl-6xl9y

Afrika-Cup : Kontinent der Talente

  • -Aktualisiert am

Afrikanische Spielfreude zeigt sich mit und ohne Ball: Sambia ist ins Finale eingezogen Bild: AFP

Der 28. Afrika-Cup ist der beste seit vielen Jahren. Noch immer wird der Fußball durch Korruption und die Politik behindert, aber die erweiterte Nachwuchsförderung beginnt zu wirken.

          6 Min.

          Wann kommt der erste Fußball-Weltmeister aus Afrika? Die Frage beschäftigt auch die Fußballfreunde jenseits des Schwarzen Kontinents, seit Kamerun bei der WM 1990 in Italien Titelverteidiger Argentinien besiegte. Der 28. Afrika-Cup in Äquatorialguinea und Gabun, der an diesem Sonntag mit dem Finale zwischen der Elfenbeinküste und Außenseiter Sambia beendet wird, hat keine eindeutige Antwort gegeben. Noch immer gilt: Afrika ist vollgestopft mit außergewöhnlichen Talenten, aber immer noch nicht so gut organisiert, dass das spielerische Potential in vollem Umfang zum Tragen kommen kann.

          „Es sind nur noch Kleinigkeiten. Das letzte Quentchen Glück. Oder die Fähigkeit, im entscheidenden Moment einen Elfmeter auch mal zu verwandeln“ - so beschreibt Gernot Rohr die seiner Meinung nach nur noch minimale Distanz afrikanischer Teams zur Weltspitze. Der Deutsch-Franzose, der in den vergangenen drei Wochen als Trainer Gabuns für viel Begeisterung im Land des Co-Gastgebers sorgte, sieht Afrikas Fußball grundsätzlich auf einem guten Weg: „Das Wichtigste ist, dass die Infrastruktur verbessert wird. Überall auf dem Kontinent entstehen seit geraumer Zeit eine Menge von Fußball-Jugendakademien nach europäischem Vorbild. Das ist der entscheidende Schritt, der Afrikas Fußball auf lange Sicht ganz nach vorn bringen kann“, sagt der 58 Jahre alte Coach.

          Er hat rund um diesen Afrika-Cup bewiesen, wie mit Sachverstand und Akribie ein „Fußball-Leichtgewicht“ wie Gabun in die Phalanx der „Großen“ eindringen kann. „Wir haben im Vorfeld Hunderte Spieler gesichtet, getestet und dann in vielen Trainingslagern daraus ein komplett neues Team geformt“, beschreibt Rohr seine letzten zwei Jahre in Gabun, wo er im Februar 2010 erstmals eine Nationalmannschaft übernommen hatte.

          „Es fehlen immer nur Kleinigkeiten“: Gabuns Nationaltrainer Gernot Rohr (r.) mit Daniel Cousin
          „Es fehlen immer nur Kleinigkeiten“: Gabuns Nationaltrainer Gernot Rohr (r.) mit Daniel Cousin : Bild: dpa

          Der Erfolg ist erstaunlich: Gabun, ein kleines Land von gerade einmal knapp zwei Millionen Einwohnern, erreichte nach drei Vorrundensiegen das Viertelfinale und schied dort nur unglücklich im Elfmeterschießen gegen Mali aus. Überhaupt war der diesjährige Afrika-Cup geprägt vom erfolgreichen Aufstand der „Kleinen“ gegen die etablierten Mächte. Der zuletzt dreimal nacheinander siegreiche Titelverteidiger Ägypten hatte sich ebenso wie Kamerun, Nigeria und Südafrika noch nicht einmal für die Endrunde qualifizieren können.

          Die „Big Guns“, wie Kameruns und Nigerias Nationalmannschaften auf dem Kontinent respektvoll bezeichnet werden, scheiterten schon in ihren Qualifikationsgruppen an Fußball-Entwicklungsländern wie Niger, Botsuana, Sudan oder Libyen. „In Nigeria sind in der Vergangenheit im Fußball so viele Fehler gemacht worden, dass ein solches Desaster irgendwann passieren musste“, sagt Carol Radull, Moderatorin des nigerianischen Sportsenders Supersport. Für sie ist es - ebenso wie für all die anderen nigerianischen Fußballbegeisterten in dem 140-Millionen-Menschen-Land - nur schwer zu akzeptieren, dass sich Nigeria erstmals seit 1986 nicht für das wichtigste Fußball-Ereignis des Kontinents qualifizieren konnte.

          Gabun scheiterte erst im Elfmeterschießen an Mali
          Gabun scheiterte erst im Elfmeterschießen an Mali : Bild: AFP

          „Der Fehler liegt in der miserablen Jugendarbeit“, findet die Journalistin. „In Nigeria schauen alle nur, dass sie so schnell wie möglich einen Klub irgendwo im Ausland finden. Und die Funktionäre helfen den Spielern dabei, weil sie damit Geld verdienen können. Um die Entwicklung der jungen Fußballer kümmert sich keiner“, klagt Radull, die findet: „Kleine Länder wie Niger oder Botsuana haben es uns vorgemacht. Von diesem Afrika-Cup müssen wir lernen.“

          Weitere Themen

          Ägypten erfüllt die Erwartungen

          Handball-WM : Ägypten erfüllt die Erwartungen

          Mit einem in dieser Höhe nicht erwarteten Erfolg gegen Nordmazedonien zieht Gastgeber Ägypten vorzeitig in die Hauptrunde bei der Handball-WM ein. Auch Rekord-Weltmeister Frankreich hält Kurs.

          Topmeldungen

          Fahndungsfotos um 1971 von Mitgliedern der Baader-Meinhof Gruppe.

          Südlich von Hamburg : Waldarbeiter entdecken mögliches RAF-Depot

          Waldarbeiter haben in Niedersachsen einen ungewöhnlichen Fund gemacht: In einem vergrabenen Fass haben sie mutmaßliche RAF-Schriftstücke und andere verdächtige Gefäße entdeckt. Das Landeskriminalamt untersucht den Fund nun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.