https://www.faz.net/-gtl-14wxx

Afrika Cup in Angola : Tote bei Beschuss auf Togos Mannschaftsbus

  • Aktualisiert am

Togos Nationalmannschaft Bild: REUTERS

Blutiger Auftakt ins afrikanische Fußballjahr: Als das Nationalteam Togos nach Angola einreisten, eröffneten Separatisten das Feuer. Der Assistenztrainer und der Pressesprecher wurden getötet. Der Sport wird beim Afrika Cup zur Nebensache.

          4 Min.

          Grausamer hätte der Auftakt dieses afrikanischen Fußballjahres kaum sein können. Zwei Tage vor dem Beginn des Afrika Cups in Angola und fünf Monate vor Beginn der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden in Südafrika sind bei einem bewaffneten Angriff auf den Mannschaftsbus Togos zwei Menschen getötet worden, weitere wurden verletzt. Die Regierung Angolas verurteilte den Angriff am Freitagabend als „terroristischen Akt“.

          Der Bus mit Spielern und Funktionären, darunter der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stehende Ergänzungsspieler Assimiou Toure, geriet am Freitag kurz nach dem Passieren der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Angola unter Maschinengewehrfeuer. Das Grenzgebiet gilt wegen aufständischer Gruppen als besonders unsicher. Zu dem Anschlag bekannte sich die „Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda“. Die Gruppe drohte nach Angaben der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa mit weiteren Anschlägen während des Afrika Cups.

          Die Mannschaft Togos hatte in Vorbereitung auf das Turnier in Kongo ein Trainingslager absolviert. „Wir hatten gerade die Grenze überschritten, um uns herum waren Polizeibusse. Alles sah gut aus, als plötzlich das Feuer auf uns eröffnet wurde“, berichtete der togoische Stürmer Thomas Dossevi, der für den FC Nantes spielt, dem Sender Radio Monte Carlo. „Wir wurden mit automatischen Waffen wie Hunde beschossen und haben uns 20 Minuten lang unter unseren Sitzen versteckt gehalten.“

          Fernsehbilder zeigen weinende Teammitglieder der togolesischen Nationalmannschaft
          Fernsehbilder zeigen weinende Teammitglieder der togolesischen Nationalmannschaft : Bild: AP

          „Wir sind bestürzt, denken an unseren Mitspieler“

          Ein Mitglied der afrikanischen Fußball-Konföderation Caf erklärte am Samstag in Cabinda, es handele sich bei den beiden Toten um den Assistenztrainer des Teams und den Pressesprecher. Vorherige Berichte, es sei der Busfahrer getötet worden, seien falsch. „Abolo Amelete und Stanislas Ocloo sind um vier Uhr am frühen Morgen verstorben“, sagte Kodjo Samlan, der für Togos Mannschaft zuständige Caf-Sprecher. Zu den Verletzten zählten unter anderem Obilale Kossi, Torhüter des französischen Amateurklubs GSI Pontivy, sowie Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub Vaslui.

          Akakpos Verein teilte mit, der 22-Jährige sei von zwei Kugeln getroffen worden und habe viel Blut verloren. Er sei aber nicht in Lebensgefahr. Assimiou Toure von Bayer Leverkusen ist unverletzt geblieben. „Er ist körperlich nicht verletzt. Er ist gesund, und es geht ihm den Umständen entsprechend gut“, sagte Leverkusens Pressesprecher Dirk Mesch dem Sport Informations-Dienst. „Wir sind bestürzt, denken an unseren Mitspieler. Natürlich auch daran, dass in vier, fünf Monaten in Afrika die Weltmeisterschaft stattfindet“, sagte Kapitän Simon Rolfes.

          Der Star der togoischen Mannschaft, Emmanuel Adebayor, blieb nach Angaben seines englischen Klubs Manchester City unversehrt. Nach Angaben des togoischen Verbandes war mit der Mannschaft ursprünglich vereinbart worden, dass sie fliegen und nicht per Bus nach Angola reisen sollte. Daher erhob das Organisationskomitee in Angola (Cocan) schwere Vorwürfe. „Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun“, sagte Virgilio Santos, Mitglied des Cocan. In der ölreichen Nordprovinz Cabinda kommt es seit der Unabhängigkeit Angolas 1975 immer wieder zu bewaffneten Konflikten.

          „Die Bedingungen sind in keiner Form günstig zu nennen“

          Mit dem Afrika-Cup, der am Sonntag im neuen Nationalstadion von Luanda eröffnet werden soll, waren in Angola viele Hoffnungen verbunden. In Luanda und den Provinzhauptstädten Cabinda, Benguela und Lubango wollte man der Welt und vor allem den Afrikanern ein Turnier der Superlative bieten. Der Fußball, so glaubte man, könne zudem helfen, die große Lücke zwischen Arm und Reich im Land zumindest vorübergehend vergessen zu lassen.

          Weitere Themen

          Das Unbehagen spielt mit

          Handball-EM in Dänemark : Das Unbehagen spielt mit

          Zum Auftakt der Handball-EM befinden sich die deutschen Frauen in einer „Blase“ im dänischen Kolding. Doch die Sorgen wachsen. Denn trotz aller Vorkehrungen gibt es bereits zwei Corona-Fälle beim ersten Gegner.

          Topmeldungen

          Wollen keine Spaltung: Biden und Harris am 1. Dezember in Wilmington

          Joe Biden gegen Spaltung : Die Botschaft lautet Zuversicht

          Biden glaubt, dass Kompromisse zwischen Demokraten und Republikanern möglich sind – trotz aller Polarisierung. Ein Einlenken beim Abzug der Soldaten aus Deutschland scheint ein erstes Zeichen dafür zu sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.