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Afrika-Cup : Ghana kann ganz anders

  • -Aktualisiert am

Ghana trifft im Halbfinale des Afrika-Cups auf die nigerianische Mannschaft Bild: AP

Die „Black Satellites“ haben die fehlenden „Black Stars“ gut ersetzt: Trotz vieler prominenter Ausfälle hat Deutschlands WM-Gegner Ghana beim Africa-Cup das Halbfinale an diesem Donnerstag gegen Nigeria erreicht.

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          Urs Siegenthaler hat in Angola genug gesehen. Zu Beginn der Woche ist der Schweizer Kundschafter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft heimgeflogen. Die beiden Halbfinalspiele der Afrikameisterschaft an diesem Donnerstag, Ghana gegen Nigeria in Luanda (17 Uhr) und Ägypten gegen Algerien in Benguela (20:30 Uhr), schenkt sich der sogenannte Chef-Scout des Deutschen Fußball-Bundes. Die Fernsehübertragungen tun es auch. „Man kann manchmal auch zu viel sehen und sieht nicht mehr das Bild“, sagt „Der Spielleser“, wie Siegenthaler einmal in einer Titelzeile genannt wurde.

          Das Bild von Ghana, das er aus Afrika für Bundestrainer Joachim Löw mitgebracht hat, wird ohnehin nicht in den Rahmen für die Weltmeisterschaft in Südafrika passen, wo am 23. Juni das westafrikanische Land letzter Gruppengegner Deutschlands ist. Zu viele routinierte Stammspieler, Stützen bei der WM in Deutschland vor vier Jahren – Ghana scheiterte in der ersten K.o.-Runde an Brasilien – und beim Afrika-Cup 2008 im eigenen Land, fehlen in Angola. Vor allem Michael Essien, Herz und Hirn der „Black Stars“, Mittelfeldpartner Michael Ballacks beim FC Chelsea, wird schmerzlich vermisst.

          „Wir haben große Probleme“, sagt Hans Adu Sarpei, der 33 Jahre alte linke Verteidiger von Bayer Leverkusen, trotz des Einzugs unter die letzten vier. Michael Essien war als gerade Genesener nach fünfwöchiger Verletzungspause zum Turnier angereist. Der Kapitän spielte fürs erste auch nur in der zweiten Halbzeit gegen die Elfenbeinküste. Dann verletzte er sich im Training abermals. Der 27 Jahre alte Star flog vorzeitig zurück nach London. Den 1:0-Sieg gegen Burkina Faso nach der deprimierenden 1:3-Niederlage gegen die Elfenbeinküste hat Essien noch auf der Tribüne gesehen. Das erste Spiel gegen Togo war wegen des Terroranschlags auf den Bus und der Abreise der Mannschaft ausgefallen.

          DFB-Scout Urs Siegenthaler (r.) hat genug von der ghanaischen Mannschaft gesehen
          DFB-Scout Urs Siegenthaler (r.) hat genug von der ghanaischen Mannschaft gesehen : Bild: dpa

          Kwadwo Asamoah: Spielgestalter alter Schule

          Trainer Rajevac hat in Angola alle prominenten Ausfälle mit einem halben Dutzend „Black Satellites“, wie die U-20-Weltmeister genannt werden, notgedrungen kompensieren können. Gegen Deutschland aber wird in viereinhalb Monaten eine ganz andere ghanaische Mannschaft antreten als zuletzt am vergangenen Sonntag beim 1:0-Sieg im Viertelfinale gegen den Gastgeber. „Für meine Beobachtungen war Angola kein Gradmesser“, sagt Siegenthaler. „Angola wurde völlig überschätzt und hat sehr schwache Spieler in der Mannschaft.“

          Dass das Heimatland eines Abedi Pelé, Anthony Yeboah und Sammy Kuffour mittlerweile wie fast alle afrikanischen Nationen „europäisch“ spielt, „taktiert, spekuliert, verwaltet“, muss Siegenthaler dem Bundestrainer nicht mehr erzählen. „Die Afrikaner haben ihre Unbekümmertheit verloren“, bedauert der 61 Jahre alte Basler Fußballlehrer.

          Besonders aufgefallen ist dem deutschen Spion der ghanaische Spieler mit der Nummer 10, Kwadwo Asamoah: „Ein Spielgestalter alter Schule, wie es ihn heute eigentlich schon nicht mehr gibt.“ Dabei ist der Profi von Udinese Calcio erst 21 Jahre alt. Er dirigiere das Spiel aus der Tiefe, schalte sich selten vorne in die Offensive ein, schlage aber wunderbare Pässe. So einen „tödlicher Pass“ nutzte Asamoah Gyan (Stade Rennes) zum frühen 1:0 und zum Sieg über Angola. Die beiden Bundesligaspieler Sarpei und Isaac Vorsah (TSG 1899 Hoffenheim) würden in der Viererkette „nicht auffallen, aber auch nicht abfallen“.

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