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Afrika-Cup : Aus Trotteln werden Helden

  • -Aktualisiert am

Von wegen Randfigur: Sambias Nationalspieler wissen den Wert von Torwart Kennedy Mweene (Mitte) zu schätzen Bild: AFP

In afrikanischen Nationalteams standen oft Schlussmänner von zweifelhafter Qualität zwischen den Pfosten. Doch beim Afrika-Cup überraschen die Halbfinalisten mit starken Torhüterleistungen.

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          „Torhüter“ - das war im afrikanischen Fußball lange so etwas wie ein Schimpfwort. Es ist noch nicht lange her, da musste derjenige in den Kasten, der sich auf dem Feld am wenigsten geschickt anstellte. Torhüter waren nie die Helden in Afrika, nie wurde sich ernsthaft um ihre Ausbildung gekümmert, deshalb wollte kaum ein Kind freiwillig zwischen die Pfosten. Diese Einstellung hatte Folgen - selbst in den Nationalmannschaften standen Profis von zweifelhafter Qualität zwischen den Pfosten.

          Doch bei der 28. Auflage des Afrika-Cups in diesen Tagen in Gabun und Äquatorialguinea erleben die Zuschauer Erstaunliches: Zumindest diejenigen Teams, die es bis ins Halbfinale an diesem Mittwoch schafften - Sambia trifft auf Gambia (17.00 Uhr), Mali spielt gegen die Elfenbeinküste (20.00 Uhr) -, bauen das Fundament ihrer Leistungen auf eminent starken Torhüterleistungen auf. Weil sie mittlerweile auf Torhüter zurückgreifen können, die schon jahrelang in Europa aktiv sind.

          Allen voran Ghanas Torwart Adambathia Larsen Kwarasey beeindruckt die Experten. „Er ist Garant unseres Erfolges. Endlich haben wir im Tor einen Mann, auf den man sich wirklich verlassen kann“, analysiert Ghanas früherer Teamkapitän Stephen Appiah, der die Nationalmannschaft derzeit als Technischer Angestellter begleitet.

          Kwarasey, der als Sohn eines Ghanaers und einer Dänin in Norwegen aufwuchs, ist nicht nur ein Hüne von Kerl. Er genoss auch eine exzellente Torwartausbildung, wie er sie in Afrika nicht hätte erleben können. „Ich habe Norwegen viel zu verdanken, was meine Ausbildung angeht. Doch von Kindesbeinen an war es mein Traum, einmal für Ghana zu spielen“, sagt der 24-Jährige.

          Ein entscheidender Fehler - Torwartschicksal

          Kwarasey erlernte das Torhüter-Handwerk beim Provinzklub Trosterud IL, wechselte 2007 zum norwegischen Erstligaklub Stromsgodset IF. Für das norwegische U-21-Nationalteam absolvierte er 2008 ein Match, im September 2011 debütierte er schließlich für Ghana. „Kwarasey ist nicht nur stark in der Strafraumbeherrschung. Er dirigiert auch lautstark unsere ganze Abwehr. So etwas kannten wir im Nationalteam bisher nicht“, erklärt Stephen Appiah.

          Tunesiens Torwart Aymen Mathlouthi ließ im Auftaktspiel seiner Mannschaft mit einer Top-Leistung die Stürmer von Gegner Marokko fast verzweifeln. Der Einzug der Nordafrikaner ins Viertelfinale war fast allein ein Verdienst ihrer Nummer eins. Ins Halbfinale schafften es die Tunesier dennoch nicht, weil Ghana mit Kwarasey im Viertelfinale zu stark war und Mathlouthi ausgerechnet in der Verlängerung dann doch ein Patzer unterlief. Sein erster bei diesem Turnier - leider entscheidend. Torwartschicksal.

          Das liegt nicht nur an den besseren Trainingsmöglichkeiten, die Afrikas Schlussmänner inzwischen haben Bilderstrecke
          Das liegt nicht nur an den besseren Trainingsmöglichkeiten, die Afrikas Schlussmänner inzwischen haben :

          Unter den letzten Vier steht aber die Elfenbeinküste, die sich auf die soliden Dienste eines Boubacar Barry im Tor verlassen kann. Der mittlerweile 32 Jahre alte Profi spielt schon seit elf Jahren in Europa. Die Afrika-Cups 2008 in Ghana und 2010 in Angola bestritt er ebenso als Stammkeeper der „Elefanten“ wie die WM 2010 in Südafrika.

          „Copa“, wie er allgemein nur genannt wird, genießt bei seinen berühmten Teamkollegen einen ausgezeichneten Ruf. „Copa ist das Herz unserer Mannschaft. Wenn er etwas sagt, hören alle anderen ganz genau zu“, berichtet Stürmerstar Didier Drogba. Und Abwehrchef Kolo Touré fügt hinzu: „Wenn Copa im Tor steht, weiß ich: Da ist hinter dir einer, auf den du dich verlassen kannst.“

          Stammtorhüter bei den „Gewehrkugeln“

          Kennedy Mweene, Torhüter der sambischen Auswahl, mag unter seinen Kollegen der vier Halbfinalisten der am wenigsten bekannte sein, doch der 27 Jahre alte Sportler bringt in Sachen Nationalmannschaft die meiste Erfahrung mit. Schon seit sieben Jahren ist er Stammtorhüter der „Chipolopolo“, der „Gewehrkugeln“, wie Sambias Nationalspieler genannt werden. Auch Mweene, mit nur 1,86 Metern der „kleinste“ der vier Halbfinal-Torhüter, besitzt seine größten Stärken in der Strafraumbeherrschung und im Herauslaufen.

          In der Saison 2008/09 wurde er in der südafrikanischen Premier Soccer League, in der er seit 2005 spielt, als „Bester Torhüter der Saison“ ausgezeichnet. Dort, bei seinem Klub Free State Stars, wird er von Milton Nienov trainiert. Einem Brasilianer, der als Spieler und Torwarttrainer weltweit Erfahrung sammelte. „Ich habe Nienov fast alles zu verdanken. Er hat meine Torwartbewegungen auf ein ganz anderes Niveau gehoben“, sagt Mweene.

          Die Kinder träumen nicht mehr nur von Didier Drogba

          Der vierte Halbfinalist, Mali, setzte sich gegen Gabun im Elfmeterschießen durch, der Held war Torwart Soumaila Diakité. Nun gibt es sie also, die Vorbilder. Mittlerweile träumen die afrikanischen Fußballkinder nicht mehr nur davon, wie Drogba Tore zu schießen, sondern wie Kwarasey Gegentreffer zu verhindern. Als nächster Schritt muss in Afrika das Torwarttraining verbessert werden. Dann werden auch auf dieser Position Spieler vom schwarzen Kontinent bei den Spitzenklubs in aller Welt erfolgreich spielen.

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