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Afrika-Cup : Randale im Halbfinale

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Spieler von Äquatorialguinea wurden von den Fans mit Wasserflaschen beworfen. Bild: Reuters

Ghana steht im Finale des Afrika-Cups, aber das war am Ende Nebensache: Die Fans von Gastgeber Äquatorialguinea randalierten, ghanaische Fans waren in Gefahr. Die Partie stand kurz vor dem Abbruch, 36 Personen wurden verletzt.

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          Überschattet von Ausschreitungen der Fans von Gastgeber Äquatorialguinea hat Ghana das Finale beim Afrika-Cup erreicht. Im Finale am Sonntag fordern die Black Stars die Elfenbeinküste. Ghana setzte sich am Donnerstagabend nach einer rund halbstündigen Unterbrechung und chaotischen Zuständen im Fußball-Stadion von Malabo gegen das Heimteam mit 3:0 (2:0) durch. Jordan Ayew per Foulelfmeter (42. Minute), Mubaraka Wakaso (45.+1.) und Andre Ayew (75.) erzielten die Tore für das Team von Trainer Avram Grant.

          Neun Minuten vor Ende der Spielzeit stand die Partie vor dem Abbruch. Zahlreiche Fans aus Ghana hatten sich in den Innenraum des Stadions geflüchtet, um sich vor Wurfgeschossen der Heimfans in Sicherheit zu bringen. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel. Ein Hubschrauber schwebte wenige Meter über dem Spielfeld. Angeblich setzte die Polizei außerhalb der Arena Tränengas ein, wo die Tumulte laut Medienberichten weitergingen.

          Erst als die Ghana-Fans von Sicherheitskräften aus dem Innenraum geführt worden waren, konnte das Spiel in einem mittlerweile fast leeren Stadion beendet werden. Allerdings ließ der Schiedsrichter nur noch drei Minuten spielen, statt der eigentlich noch zu absolvierenden neun Minuten.

          Schon vor der Halbzeitpause hatten Zuschauer immer wieder Gegenstände - hauptsächlich Plastikflaschen - Richtung Spielfeld geworfen. Die Ghanaer konnten nur unter Polizeischutz in die Kabine. Schon bei dem von einem skandalösen Elfmeterpfiff begleiteten 2:1 nach Verlängerung im Viertelfinale der Gastgeber gegen Tunesien hatte die Polizei die Spieler des Gästeteams schützen müssen.

          Insgesamt wurden bei den Ausschreitungen mindestens 36 Personen verletzt, 14 von ihnen seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Disziplinarkammer des afrikanischen Fußballverbandes CAF verurteilte den Verband von Äquatorialguinea am Freitag wegen wiederholt „aggressiven Verhaltens“ zu einer Geldstrafe von 100.000 Dollar. Bereits nach dem Viertelfinale musste der Gastgeber eine Strafe von 5000 Dollar zahlen.

          Verband tagt am Freitag

          Spieler und Trainer des Gastgeberlandes reagierten schockiert auf die schweren Ausschreitungen. „Ich habe noch nie so etwas mitmachen müssen. Ich entschuldige mich im Namen meines Teams vor dem afrikanischen Verband CAF und der Welt. Es war eine seltsame Erfahrung“, sagte Äquatorialguineas Kapitän Emilio Nsue der Onlineausgabe der englischen Tageszeitung “The Guardian“, die mit einem eigenen Reporter vor Ort war und die Szenerie eindringlich beschreibt.

          Afrika-Cup : Ausschreitungen im Halbfinale

          Ghanas Trainer Avram Grant äußerte sich besorgt um die Sicherheit seiner Spieler. Auch sein Kapitän André Ayew zeigte sich bei Canal Plus „sehr enttäuscht, verbittert und nicht zufrieden.“ Die ghanaische Regierung habe Fans extra einfliegen lassen. „Und dann gab es viele Verletzte“, bedauerte der Teamkollege von Augsburgs Abdul Rahman Baba. Ghanas Fußballverband (GFA) hat nach den schweren Ausschreitungen darüber hinaus am Freitag Konsequenzen für den Gastgeber gefordert. „Es ist schade, dass diese dunkle Wolke unseren Erfolg überschattet, die afrikanische Konföderation muss entschieden handeln“, sagte GFA-Präsident Kwesi Nyantakyi einem Bericht der „L’Équipe“ zufolge. „Diese Art von Verhalten ist einfach nicht zu akzeptieren.“Der Kontinentalverband CAF gab zunächst keine Stellungnahme zu den Geschehnissen ab.

          Am frühen Freitagnachmittag sollte ein Treffen mit Vertretern des Kongos zum Spiel um Platz drei gegen Äquatorialguinea stattfinden, berichtete ein „Guardian“-Reporter unter Berufung auf den kongolesischen Verband. Diese Partie soll am Samstag ebenfalls wieder in Malabo stattfinden.

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          Im Endspiel am Sonntag kommt es zu einer Neuauflage der Partie von 1992, als die Elfenbeinküste in einer dramatischen Begegnung mit 11:10 im Elfmeterschießen gewann. Seitdem konnte keines der beiden Fußball-Schwergewichte des Kontinents mehr den Afrika-Cup gewinnen. Ghana stand zuletzt 2010 im Finale, unterlag aber Ägypten (0:1). Der letzte Titel der Black Stars liegt bereits 33 Jahre zurück.

          Gegen Äquatorialguinea war Ghana überlegen, musste aber bis kurz vor der Pause auf einen Treffer warten. Als Torwart Felipe Ovono Appiah von den Beinen holte, ließ sich Ayew die Strafstoß-Chance nicht nehmen. Kurz darauf spielte Ghana einen sehenswerten Konter. Wakaso schoss mit links ein. Andre Ayew setzte mit seinem Tor den sportlichen Schlusspunkt.

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