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Ärger beim Messi-Klub : Beim FC Barcelona brennt es lichterloh

  • -Aktualisiert am

Unter großem Druck: der umstrittene Klubchef Bartomeu Bild: Imago

Selbst in der Corona-Krise geht es hoch her. Im Fokus steht Josep Maria Bartomeu. Richtig rund lief es für den Vorsitzenden nie. Und nun gibt es mächtig Ärger um „Barçagate“. Auch Superstar Lionel Messi mischt mit.

          3 Min.

          Fußballklubs beweisen in jeder Sommerpause, dass sie keine Spiele benötigen, um Schlagzeilen zu machen. Das ist in der Krise um das Coronavirus nicht anders. So brennt es beim FC Barcelona derzeit lichterloh. Im Streit zwischen Vorstandsmitgliedern untereinander und zwischen Vorstand und Spielern hatte der Vorsitzende Josep Maria Bartomeu es mit einem Befreiungsschlag versucht und vier Vorstandsmitgliedern die Kompetenzen entzogen. Nun sind sogar sechs Mitglieder aus dem Gremium zurückgetreten. Sie sagen, drei weitere planten denselben Schritt.

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          Richtig rund ist es unter Bartomeu bei Barça nie gelaufen. Er war Vizepräsident, als der damalige Klubchef Sandro Rosell im Januar 2014 zurücktrat. Im Sommer 2015, nach dem eindrucksvollen Gewinn des Triple von Champions League, Meisterschaft und Königspokal, ließ sich Bartomeu als Vorsitzender bestätigen. Die Amtszeit läuft nächstes Jahr aus. Dass sie nie frei von Ärger war, überrascht beim Blick auf die sportliche Bilanz: Da sind vier Meisterschaften, vier Siege im Königspokal, je ein Titel in der Champions League, im Supercup der Uefa und in der Klub-WM. Auch in der derzeit unterbrochenen Fußball-Saison führen die Katalanen die Liga mit zwei Punkten Vorsprung vor Real Madrid an und hätten in der Champions League nach einem 1:1 in Neapel beim Rückspiel gute Karten für einen Einzug ins Viertelfinale. Und dennoch nahmen die Querelen kein Ende.

          Bartomeu hatte nie eine glückliche Hand in der Auswahl des Personals. So entließ er nach nur einem Jahr als Präsident den langjährigen sportlichen Direktor Andoni Zubizarreta. Die Torhüterlegende gilt als der eigentliche Architekt des sportlichen Erfolgs. So war eine seiner letzten Amtshandlungen die Vertragsunterzeichnung mit Marc-André ter Stegen. Für Zubizarreta kam Éric Abidal, ehemals Innenverteidiger in den Diensten des FC Barcelona. Er fand keinen Ersatz für die Spieler, die den Klub verließen, und soll sich außerordentlich schlecht mit der Mannschaft verstehen. So hatte Abidal den Spielern vorgeworfen, sie arbeiteten nicht genug und hätten damit die Entlassung von Trainer Ernesto Valverde im Februar provoziert. Lionel Messi wehrte sich entsprechend.

          Ähnliche Kommunikationsprobleme gab es auch vor der Einigung des Vereins mit den Spielern über Gehaltskürzungen angesichts der Corona-Krise. Die Spieler verzichten auf 70 Prozent ihrer Bezüge und werden zudem zwei Prozent in einen Krisenfonds einzahlen, der für die Angestellten des Vereins bestimmt sein soll. Dies gab Kapitän Messi wieder über soziale Netzwerke bekannt und beschwerte sich gleichzeitig über an die Öffentlichkeit lancierte Meldungen, das Team wehre sich gegen Gehaltsabstriche.

          Zum größten Unmut hat bei Barça aber die Beauftragung eines Unternehmens geführt, das sich auf Online-Marketing spezialisiert hat. Es soll in den sozialen Netzwerken gegen Spieler agitiert haben, die nicht auf der Seite Bartomeus stehen, etwa Messi, den früheren Profi Xavi Hernández oder Gerard Piqué. Piqué wurde zum Beispiel unmoralische Geschäftemacherei vorgeworfen, weil er als Sportmanager den Davis Cup ausgerechnet in der spanischen Hauptstadt Madrid organisiert. Schon da sprachen spanische Medien von „Barçagate“.

          Der Klub soll für die Kampagne 900.000 Euro gezahlt haben; die Überweisungen seien in mehrere Beträge von unter 200.000 Euro aufgeteilt worden, damit sie nicht von der Vergabekommission des Vereins abgesegnet werden müssen, heißt es. Dieser Kommission gehörte unter anderen der bisherige Vizechef Emili Rousaud an, der jetzt zurückgetreten ist, nachdem ihm Bartomeu die Amtsgeschäfte entzogen hatte. Rousaud hatte jüngst schwere Vorwürfe erhoben.

          Ob jemand bei Barça in die Kasse gegriffen habe, fragte ihn ein Journalist des öffentlichen katalanischen Regionalradios RAC1. „Ganz ehrlich, ich glaube ja“, sagte Rousaud und fügte an: „Wer? Das weiß ich nicht.“ Der Klub hatte eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, um „Barçagate“ aufzuklären, die Arbeit steht kurz vor dem Ende. Allerdings soll ein interner Ausschuss diesen Bericht vor der Veröffentlichung prüfen. Bislang gehörten ihm neben Bartomeu auch seine beiden nun geschassten Vizepräsidenten an. Mit der neuen Zusammensetzung im Vorstand hätte der Klubchef jetzt mehr Einfluss auf den Abschlussbericht.

          Die Rücktritte sind mehr als ein Imageproblem für Bartomeu. Treten mehr als zwei Drittel zurück oder verbleiben weniger als fünf Personen im Vorstand, wäre dieser den Vereinsstatuten zufolge aufgelöst. Dann müsste Bartomeu eine Neuwahl ansetzen, wogegen er sich seit Wochen wehrt. Doch noch bleiben ihm 13 Vorstandsmitglieder treu. Damit könnte er sich trotz aller Querelen bis Sommer nächsten Jahres im Amt halten.

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