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Hollands Qualifikations-Fehlstart : Ängstlicher Hiddink bereits am Pranger

  • Aktualisiert am

Bedient: Guus Hiddink Bild: Reuters

Das ging schnell! Nach gerade einmal zwei Spielen wird Guus Hiddink als Bondscoach der Niederlande bereits infrage gestellt. Vor allem, dass er wie sein Vorgänger Louis van Gaal defensiv spielen lässt, wird ihm vorgeworfen.

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          Blamage, Chaos und Verzweiflung! Nach dem Fehlstart in die EM-Qualifikation haben die niederländischen Medien das Oranje-Team mit heftiger Kritik und jeder Menge Häme überschüttet. Vor allem Bondscoach Guus Hiddink wurde nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel seiner neuen Amtszeit angezählt. „Hiddink hat einen Teil seiner Glaubwürdigkeit bereits verloren“, schrieb das „Algemeen Dagblad“ am Mittwoch nach der 1:2-Niederlage in Tschechien am Vorabend. „Oranje erlebt einen Abend voll Chaos und Verzweiflung.“

          Hiddink wurde besonders vorgeworfen, dass er in Prag im 5-3-2-System seines Vorgängers Louis van Gaal spielen ließ, obwohl er die defensive Ausrichtung van Gaals während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien noch heftig kritisiert hatte. Unter ihm werde wieder im traditionellen niederländischen 4-3-3-Format gespielt, hatte Hiddink bei seiner Präsentation getönt.

          Fünf Tage nach dem bereits kläglichen Auftritt beim 0:2 im Test gegen Italien schickte der 67-Jährige die Elftal im ersten Pflichtspiel seiner zweiten Periode als Nationaltrainer aber doch mit fünf Verteidigern aufs Feld. „Van Gaal ist auf einmal ein ängstlicher Mann geworden“, spottete „De Telegraaf“.

          Dass er nach dem frühen 0:1 durch Borek Dockal (22. Minute) noch vor der Pause in Luciano Narsingh doch einen dritten Angreifer brachte, wurde ihm erst recht als Konzeptlosigkeit vorgeworfen. „Ein Abend, der bereits im Zeichen von Panik und Versagen stand, endete dramatisch“, schrieb das „Algemeen Dagblad“ mit Blick auf den 2:1-Siegtreffer der Gastgeber durch den früheren Bundesliga-Profi Vaclav Pilar, bei dem Rechtsverteidiger Daryl Janmaat in der Nachspielzeit schwer gepatzt hatte. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Stefan de Vrij (55.) blieb damit wertlos.

          Hiddink war bedient

          „Blamage von Prag“, titelte „De Telegraaf“. Von einer der „peinlichsten Darbietungen seit langer Zeit“ schrieb „De Volkskrant“. „Die Angst, mit der die Niederlande dem Gegner begegneten, war eine Farce.“

          Kopf runter: Die Tschechen freun sich, die Niederländer trauern

          Hiddink war nach der Partie bedient. Erst nach einer halben Stunde in der Mannschaftskabine stellte er sich den Medien und wies die Schuld an der Niederlage allein seinen Spielern zu. „Wenn man so naiv verteidigt, braucht man sich nicht zu wundern“, schimpfte der Bondscoach. Seine ängstliche Aufstellung begründete er vor allem mit dem verletzungsbedingten Fehlen von Arjen Robben. „Ohne ihn sind wir noch nicht so weit, um mit drei Angreifern zu spielen.“

          Zumindest in diesem Punkt stimmten die Medien mit Hiddink überein. „Die Erkenntnis, dass Oranje bei der WM dank des nie zu packenden Robben und nicht dank der fünf Verteidiger über sich hinausgewachen ist, wird immer deutlicher“, schrieb „De Telegraaf“.

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