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Ägypten : „Al-Ahly ist das Volk“

  • -Aktualisiert am

Die Ultras von al-Ahly schlugen vor einem Jahr Schlägerbanden in die Flucht Bild: dapd

Und das Volk ist al-Ahly. Auf mehr als 50 Millionen Fans wird die Anhängerschar des ägyptischen Klubs geschätzt - für das Regime sind sie ein Problem. Das zeigt der Gewaltausbruch vergangene Woche.

          Achmed Fuad hat Nächte voller Blut, Schweiß und Tränen hinter sich. Wut, Hass und Trauer sind an diesem Freitag seine einzigen Gefühle. „Wir wollen Rache für unsere toten Brüder“, sagt er. Um dies zu betonen, hat er denselben Satz in schwarzer Schrift auf ein weißes Plakat geschrieben.

          Auf dem Tahrir-Platz in Kairo hebt der Sechsunddreißigjährige es über die Köpfe der Menschenmenge. Tausende sind es; viele von ihnen Anhänger des Fußballvereins al-Ahly, erkennbar an Fahnen, die sie schwenken, und den roten Trikots, die sie tragen.

          Auch Achmed Fuad demonstriert in der Signalfarbe. Er ist Ultra, ein besonders fanatischer Fan. „Ich habe schon viele Schlachten für meinen Verein geschlagen“, sagt der bullige Zwei-Zentner-Mann mit dem schwarzen Schnauzbart - und klingt dabei glaubwürdig. „Aber das, was jetzt auf uns zukommt, wird alles in den Schatten stellen.“ Dabei ist das schwer vorstellbar.

          Vor zwölf Monaten hatten sich die Ahly-Utras mit Verve und Muskelkraft während der sogenannten „Kamelschlacht“ vor die friedlich demonstrierenden Massen im Herzen der ägyptischen Hauptstadt gestellt und auf Kamelen angreifende Schlägerbanden in die Flucht geschlagen. Dieser Tag hat sich ins kollektive Gedächtnis der Ägypter eingebrannt wie kaum ein anderer seit dem Sturz Hosni Mubaraks. Schließlich war der Sieg über die „Baltagija“, wie der gesteuerte Mob im Volksmund genannt wird, der Anfang vom Ende des verhassten Raïs.

          Dass Ultras wie Ahmed Fuad ihre Kampferfahrung damals in den Dienst der Revolution gestellt hatten, bezahlten in dieser Woche viele von ihnen beim „Massaker von Port Said“ mit ihrem Leben, Hunderte kamen mit Brüchen, Blessuren, nur wenige mit dem Schrecken davon.

          Bei Ausschreitungen in Port Said kamen mehr als 70 Personen ums Leben

          Der Demokratie-Aktivist Wael Abbas sprach im Interview mit dem Fernsehsender Al Dschazira von einer geplanten „Vendetta“ des Ancien Régime gegen den Männerbund, schließlich war es der Jahrestag der „Kamelschlacht“. Die Fans des Kairoer Fußballvereins al-Ahly waren den Mächtigen seit Jahren ein Dorn im Auge, galt ihr Stadion doch als Brutstätte des Hasses gegen die Regierung, sie selbst als Anarchisten - und der Verein als Mythos.

          35 Meisterschaften, 33 Pokalsiege und das vom afrikanischen Fußballverband verliehene Prädikat „Klub des Jahrhunderts“ hatten dazu beigetragen. Ebenso Spieler wie der legendäre Stürmer Mahmoud Mokhtar, der die Größe Thomas Häßlers hatte, dabei aber die Sprungkraft eines Karl-Heinz Riedle besaß. Oder die Saison 2005, als man mit 24 Siegen, zwei Remis und 74 von 78 möglichen Punkten alle Liga-Gegner deklassierte - auch den Antipoden Zamalek SC, der nach einer Nilinsel benannt ist, die die Megametropole teilt.

          Rote Trikots - die Farben der präkolonialen Flagge

          Es ist eine Feindschaft, die bis in die britische Kolonialzeit zurückreicht. Schließlich hieß Zamalek SC einst Farouk und trug damit den Namen des letzten Königs von Ägypten. Der war wegen seiner Verschwendungssucht verhasst und galt als Lakai der Briten, die den Verein gegründet hatten und sich gemeinsam mit den Schönen und Reichen der Hauptstadt zu Tee und Keksen am Spielfeldrand trafen.

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