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Adidas und die Fußballskandale : Gute Freunde, schlechte Freunde

  • -Aktualisiert am

Man kennt sich: Adidas-Chef Hainer, DFB-Präsident Niersbach und Uefa-Chef Platini (von links). Bild: Picture-Alliance

Der heiße Herbst der Fußballskandale bringt Adidas immer wieder ins Spiel. Dort will man zwar die Transparenz fördern – doch alte Bekannte und Seilschaften werfen immer wieder ihre Schatten.

          5 Min.

          Der Skandal um den Internationalen Fußballverband (Fifa) entwickelt sich für Herbert Hainer zu einem Dilemma. Mit einem unguten Gefühl dürfte der Vorstandsvorsitzende von Adidas die fallenden Dominosteine beobachten – von der Fifa über den europäischen Fußballverband (Uefa) und nun zum Deutschen Fußballbund (DFB).

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Er ist schließlich Chef des Hauptsponsors für alle drei Organisationen, die den populärsten Sport der Welt repräsentieren. Die lange schwelenden, jetzt hochgekommenen Vorwürfe über eine gekaufte „Sommermärchen-WM“ 2006 bringen schwer absehbare Folgen mit sich und könnten bereits Auswirkungen auf die Verhandlungen zwischen dem DFB und Adidas um einen neuen Sponsorenvertrag haben.

          Beobachter halten es nicht für ausgeschlossen, dass die gegenwärtig auf Hochtouren laufenden Gespräche mit dem größten deutschen Sportverband ins Stocken geraten und sich der für spätestens Frühjahr 2016 erwartete Vertragsabschluss verzögert. Hainer selbst hatte die Hoffnung, in diesem Zeitraum ein Ergebnis für einen neuen Ausrüstervertrag der deutschen Nationalelf zu erreichen und den Wettbewerber Nike aus den Vereinigten Staaten ausbooten zu können.

          Der Anschluss an den Ende 2018 auslaufenden Sponsorenvertrag würde deutlich teurer sein als die bisher im Jahr gezahlten 25 Millionen Euro. Doch jetzt, so die Befürchtungen, drohen die handelnden Personen abhandenzukommen. Alle Entscheidungsträger würden lahmgelegt, in der Fifa, in der Uefa, jetzt im DFB, heißt es.

          Es geht um viel Geld

          Dabei liegen die Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe 2006 vor Hainers Zeit, der erst 2001 Vorstandschef geworden war. Im Visier steht vielmehr sein im Jahr 2009 verstorbener Vorgänger Louis-Dreyfus, der angeblich aus der Privatschatulle Geld bereitgestellt hatte, um den Zuschlag für Deutschland im Jahr 2000 zu erwirken. Dennoch gerät die Drei-Streifen-Marke, wie in den vergangenen Monaten schon im Fifa-Skandal, zwangsläufig mit in den Sog. Der Sportausrüster muss Reputationsschäden fürchten.

          Dementsprechend deutlich grenzte sich Adidas am Wochenende auf Anfrage in einer ungewohnt klaren Aussage ab: „Uns ist von einer derartigen Zahlung von Robert Louis-Dreyfus nichts bekannt“, heißt es in der Erklärung. „Wir können ausschließen, dass es sich um einen Geschäftsvorgang der Adidas AG (damals Adidas-Salomon AG) handelt.“

          DFB-Präsident Niersbach : Es gab keine schwarzen Kassen

          Mehr allerdings wurde nicht gesagt. Unter Sponsoren und Beobachtern wurden Stimmen laut, dass der Verband schnell klare Verhältnisse schaffen müsse, um nicht noch mehr in den Strudel zu geraten. Zu groß scheint die Angst, dass noch mehr Protagonisten mitgerissen werden und noch mehr Dominosteine fallen könnten. Es geht um viel Geld, für den Verband, für Vereine wie für die Geldgeber.

          Für Adidas ist das nicht nur ein Dilemma, sondern für Hainer auch delikat. Denn die Zusammenarbeit zwischen Adidas und dem DFB war immer viel mehr als eine normale Sponsorenbeziehung. Im Jahr 1954, als die Nationalmannschaft unter Trainer Sepp Herberger in Bern Weltmeister wurde, schnürten die Spieler neuartige Stiefel – und zwar mit Schraubstollen. Die kamen vom findigen Unternehmensgründer Adi Dassler, der beim Turnier als Zeugwart mithalf. Über die folgenden Jahrzehnte wurde Adidas Teil der deutschen Fußballkultur – mit wachsendem Einfluss.

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