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AC Mailand : Wenn ehrgeizige Athleten zu Engelchen werden

  • -Aktualisiert am

„Ein Vorbild für Jugendliche”: Kaká und Kollegen Bild: AP

Der AC Mailand fordert von seinen Spielern die Unterschrift unter einen Ehrenkodex. Sonst droht der Rausschmiss. Glaubt der aktuelle Champions-League-Gewinner wirklich an den Erfolg mit diesem Spielertyp?

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          Was würden deutsche Fußballprofis nicht alles tun, um beim aktuellen Titelträger der Champions League zu unterschreiben! Doch ebendort, beim AC Mailand, reicht das Autogramm unterm Gehaltsvertrag nicht mehr aus, um in einer der renommiertesten Mannschaften der Welt Karriere zu machen. Ab sofort fordert die Clubführung zusätzlich die Unterschrift unter einen Ehrenkodex, damit die Angestellten den strengen moralischen Anforderungen ihres Arbeitgebers gerecht werden. Sonst droht der Rausschmiss.

          „Die Spieler sind ein Vorbild für Jugendliche“, mahnte anlässlich der Präsentation der Milan-Gebote der Vereinsmanager Adriano Galliani. Ob er, der in der Vorsaison wegen Bestechungsversuchen von Schiedsrichtern ein mehrmonatiges Berufsverbot auferlegt bekam, selber dem Ehrenkodex entspräche? Aber sicher ist der treue Gefolgsmann von Vereinsboss Silvio Berlusconi, dem seinerseits Freiheitsstrafen nur wegen Verjährung der Prozesse erspart blieben, einfach kein Vorbild für Jugendliche und fällt daher nicht unter die strengen Regeln (Siehe auch: Champions League: Milan und Chelsea im Achtelfinale - Liverpool bangt).

          Ehrgeizige Athleten werden zu Engelchen

          Woran nun sollen sich Kaká und Co. in Zukunft eisern halten? Paragraph eins: kein nächtlicher Diskothekenbesuch. Das wird manchen jungen Mann schwer treffen. Aber soll der AC Mailand mit allerlei Soubretten und Models ähnlich in die Schlagzeilen kommen wie Roms Francesco Totti, der einem Paparazzo lieber für viel Geld kompromittierende Disko-Bilder abkaufte, ehe er Ärger mit seiner Angetrauten bekam? Nicht zu reden vom Stadtrivalen Inter Mailand, dessen Spieler vor zwei Jahren bei einer Party mit Prostituierten hoffentlich weniger klägliche Leistungen ablieferten als danach auf dem Spielfeld.

          Nein, solche Eskapaden wird es - schwarz auf weiß - beim seriösen AC Mailand nicht geben. Stattdessen lassen sich hier ehrgeizige Athleten zu Engelchen umschulen, die sich vertraglich verpflichten, an den Wohltätigkeitsaktionen ihres Arbeitgebers brav mitzuwirken und sich auch auf dem Platz stets nur fair zu verhalten. Stürmer Pippo Inzaghi, den ganz Italien als „Schwalbenkönig“ kennt, wird sich also künftig bei keinem Rempler mehr theatralisch hinwerfen. Und auch das Rauhbein Rino Gattuso dürfte nun wohl jedem unfairen Zweikampf aus dem Wege gehen, denn so steht es geschrieben.

          Auffällig der Paragraph, der die Spieler obendrein zur strengen Einhaltung der Diät des Mannschaftsarztes verpflichtet. Keine Kalorie zu viel, kein Alkohol. Das ist bei etlichen Athleten wie Cafú und Maldini, die sich bald dem vierzigsten Geburtstag nähern, gewiss einsichtig. In dem heiklen Alter kurz vor der Midlife-Crisis sollte man ganz besonders auf die Gesundheit achten. Aber wirken domestizierte Spieler, die nach der Vollkornpasta früh ins Bett steigen und beim Einschlafen noch mal den Ehrenkodex durchbeten, nicht irgendwie ganz anders als dynamische Fußballer? Vielleicht hat Galliani ja einfach die Hausordnung eines Altersheims abgeschrieben.

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