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Europa-League-Qualifikation : Milan und das Elfmeter-Drama mit 24 Schüssen

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Die Spieler des AC Mailand zeigten beim Elfmeterschießen bei Rio Ave einige Nerven. Bild: Reuters

Einst gewann der AC Mailand mehrmals die Champions League. Doch die Zeiten sind vorbei. Nun muss der Klub in die portugiesische Provinz, um sich für die Europa League zu qualifizieren. Es ist ein Drama in vielen Akten.

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          Der Fußball-Abend des AC Mailand ging selbst den lokalen Flughafenbetreibern zu weit. Last-Minute-Ausgleich, 24 Elfmeter, dazu zahlreiche abgewehrte Matchbälle – mehr Drama geht kaum. Auf die fälligen Überstunden hatten sie am Flughafen von Porto aber gar keine Lust. Planmäßig schloss der Airport gegen Mitternacht seine Pforten und verwehrte den verdutzten italienischen Comeback-Königen eine Nacht im heimischen Bett.

          Doch die verschobene Heimreise konnten die Rossoneri an diesem Abend sicher gut verschmerzen, retteten sie gegen Rio Ave mit dem 9:8 im Elfmeterschießen doch eine mehrmals verloren geglaubte Europa-League-Saison. „Fußball, manchmal testest du mein Herz, aber darum liebe ich dich“, schrieb Hakan Calhanoglu, der Milan mit einem verwandelten Elfmeter zum 2:2 erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung ins Elfmeterschießen rettete.

          Trainer Stefano Pioli fügte hinzu: „Es ist schwierig, seine Emotionen in so einem Moment im Griff zu haben. Elfmeterschießen sind eine Lotterie. Aber wir sind sehr glücklich über dieses Ergebnis.“ Dass der Trainer sich mit der Aufstellung einer halben B-Mannschaft in der Play-off-Runde fast verzockt hätte und die vermeintliche Pflicht- plötzlich zur Mammutaufgabe wurde, war in diesem Moment längst vergessen. Nach dem Last-Minute-Ausgleich in der Verlängerung wurde das Elfmeterschießen zur schier endlosen Odyssee.

          Zunächst bewiesen beide Teams Nerven aus Stahl, die ersten 14 Elfmeter wurden allesamt sicher verwandelt. Dann servierte Milan-Youngster Lorenzo Colombo den Portugiesen die Sensation auf dem Silbertablett. Doch der Versuch des Rio-Abwehrspielers Nelson Monte prallte vom linken an den rechten Innenpfosten und von dort vor die Torlinie. Im Anschluss hatte der Außenseiter zwei weitere Möglichkeiten auf den Sieg. Der Schuss von Torhüter Pawel Kieszek ging jedoch über das Tor, und der Versuch seines Teamkollegen Francisco Geraldes landete am rechten Pfosten.

          So fand das Elfmeterschießen erst in der zweiten Schützenrunde seine Entscheidung. Dem zweiten erfolgreichen Versuch von Mailands Simon Kjaer folgte Gianluigi Donnarummas Parade gegen Aderllan Santos – und die Lombarden zogen nach 24 Schüssen ihren Kopf doch noch aus der Schlinge. „Unglaublicher Marathon! Die Rossoneri versenken Rio Ave nach 24 Elfmetern. Ein Abend wie in einem Roman, eine endlose Serie von Elfmetern im Regen. Eine Mannschaft aus jungen Talenten erobert die Europa League“, schwelgte die „Gazzetta dello Sport“ in Superlativen.

          „Nach einem wahnsinnigen Elfmeter-Roulette und unglaublicher Spannung wird die Mannschaft von ihrem Torhüter Donnarumma gerettet“, schrieb die „Corriere dello Sport“. Der Traum vom letzten noch fehlenden internationalen Titel lebt damit weiter. Doch auf dem Weg zur möglichen Trophäe wird sich Milan schon in der Gruppenphase erheblich steigern müssen.

          Der frühere Leverkusener Bundesliga-Coach Roger Schmidt erreichte dagegen mit der PSV Eindhoven die Europa League auf weniger dramatische Art. Die Niederländer siegten beim früheren norwegischen Serienmeister Rosenborg Trondheim 2:0 (1:0). Schmidt ist nach seinem Abstecher in China seit Saisonbeginn Trainer in Eindhoven. In der Meisterschaft ist er mit sieben Punkten aus drei Spielen ordentlich gestartet.

          Neben Eindhoven hat ein weiterer früherer Europapokalsieger die Gruppenphase erreicht. Roter Stern Belgrad siegte bei Ararat Jerewan 2:1 (1:0). Auch der frühere Champions-League-Finalist Tottenham Hotspur ist weiter, gegen Maccabi Haifa gab es ein lockeres 7:2 (4:1). Dagegen ist Sporting Lissabon überraschend am Linzer ASK mit 1:4 (1:1) gescheitert. Der deutsche Vertreter VfL Wolfsburg scheiterte durch ein Gegentor in der Nachspielzeit mit 1:2 (1:0) bei AEK Athen. Damit sind aus der Bundesliga in der Gruppenphase nun nur Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim dabei.

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