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DFB-Abwehrchef Niklas Süle : Deutschlands van Dijk

Niklas Süle: Chef der Münchener- und der DFB-Abwehrabteilung Bild: dpa

Er ist der neue Abwehrchef des DFB - auch wenn er es selbst noch nicht wahr haben will. Nach dem Aus von Mats Hummels und Jérôme Boateng führt Niklas Süle die deutsche Defensive. Wer passt am besten zum Münchner – und welches System?

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Niklas Süle ballt die linke Hand zur Faust und klopft drei Mal auf den Tisch. „Bis jetzt ist es gut gelaufen, ich hatte erst eine schwere Verletzung“, sagt der neue Abwehrchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Seit dem Kreuzbandriss Ende 2014, damals noch 19 Jahre jung, ist Süle durchgehend gesund und fit, bei Bayern München hat er seit seinem Wechsel aus Hoffenheim vor über zwei Jahren nicht eine einzige Trainingseinheit verpasst. So fit kommen die wenigstens nach einer solch schweren Verletzung zurück. Im Fußballgeschäft leitet die erste Kreuzbandverletzung sogar häufig das Ende der Karriere ein.

          Doch es ist nicht nur diese Unverwüstlichkeit, die Süle für Bundestrainer Joachim Löw so wertvoll macht. „Er ist ein fantastischer Verteidiger“, schwärmt auch der niederländische Kapitän Virgil van Dijk, der gerade erst zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde – und sich sogar Hoffnung auf die Wahl zum Weltfußballer machen darf. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nannte Süle den „besten Innenverteidiger Deutschlands“, Jupp Heynckes sieht seinen früheren Schüler auf dem Weg zum „begehrtesten Innenverteidiger im europäischen Fußball“ – noch vor Liverpools van Dijk, der im Duell mit Deutschland (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur EM-Qualifikation, TV: RTL) die Abwehr auf der anderen Seite zusammen halten soll.

          Der neue Boss Süle geht mit Leistung voran - und ist spätestens seit dem Ausscheiden der 2014er-Weltmeister Mats Hummels und Jérôme Boateng im März nicht mehr aus der deutschen Abwehrreihe wegzudenken. „Niklas ist jetzt in der Verantwortung“, sagte Löw kurz nach dem Aus für die langjährigen Säulen Hummels und Boateng: „Wir erwarten noch mehr von ihm. Er muss jetzt hinten organisieren, dirigieren, sich zeigen. Genauso wie Antonio Rüdiger.“

          Dem mit 1,95 Meter groß gewachsenen Süle kommt dabei vor allem seine Schnelligkeit zu gute. Er ist für die Offensivspieler des Gegners nicht ein so leichtes Opfer wie Hummels oder Boateng, die bei langen Bällen hinter die letzte Abwehrreihe doch häufig die Orientierung und Spritzigkeit vermissen lassen, um ihre Gegenspieler wieder einzufangen. Dazu beweist Süle immer wieder ein gutes Timing beim Tackling, hat allerdings erheblichen Nachholbedarf in der Spieleröffnung. Diagonalbälle auf außen, Pässe durch die Mittelfeldlinie des Gegners hindurch, das sind noch nicht seine Stärken. Dazu lässt er ab und an eine technisch saubere Verarbeitung des Balles, gerade beim ersten Kontakt, vermissen. Den Gegner lädt das zu schnellen Gegenangriffen ein.

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          Rüdiger, Süles potenzieller Partner, fehlt nach seiner Knie-OP bei den EM-Qualifikationsspielen am Freitag in Hamburg gegen die Niederlande und drei Tage später in Nordirland (20.45 Uhr). Umso wichtiger ist Süle in Löws Planspielen. Der 24-Jährige selbst sieht bei sich auf dem Weg zum Wortführer noch Steigerungspotenzial. „In der Kommunikation neben dem Platz bin ich sehr stark, auf dem Platz fehlt mir das noch ein bisschen, um ein richtiger Abwehrchef zu werden“, sagt Süle. Außerdem, betont der gebürtige Frankfurter, könne er von van Dijk lernen: „Ich schaue mir im Offensivkopfball bei ihm was ab, da war ich schon mal stärker.“

          Der Hüne ist allerdings selbstbewusst genug, um in der Systemfrage öffentlich eine klare Präferenz zu hinterlegen: „Ich bin großer Fan der Dreierkette, weil wir damit sehr variabel im Aufbau sind und in der Defensive immer einen Mann mehr zum Verschieben haben. Damit kann man sehr kompakt sein.“

          Süle kommt dabei die zentrale Rolle zu. Löw, der zumindest gegen vermeintlich „kleine“ Gegner auch immer wieder auf die Viererkette setzt, muss bis zur EM 2020 die Frage nach den passenden Nebenleuten beantworten. Im Dreierverbund scheint seine Idealformation aus Süle, Weltmeister Matthias Ginter und Rüdiger zu bestehen. Verteidigt seine Abwehr zu viert, sollte perspektivisch Rüdiger die erste Option neben Süle sein. Weitere Alternativen sind Jonathan Tah, der aktuell verletzte Thilo Kehrer und Niklas Stark. An Süle kommt jedoch keiner ran – sofern er denn weiter gesund bleibt.

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