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Abseits-Kommentar : Abseits von Sinn und Verstand

  • -Aktualisiert am

Abseits? Passiv? Aktiv? Die Diskussionen gehen weiter Bild: dpa

Die Fifa schraubt mal wieder an der Abseitsregel. Aber auch jetzt bleibt das die Regelung des passiven Abseits aktiver Unsinn. Wie wäre es endlich mal mit klarer Regelauslegung?

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          Was wäre eine neue Spielzeit ohne eine kleine Änderung an der Auslegung der Abseitsregel? Sie litte vermutlich an einem deutlichen Verlust an Stoff für Streitgespräche unter Spielern, Trainern und Fans. Also ändert der Internationale Fußball-Verband (Fifa) dem Vernehmen nach nun in diesem Sommer eine Nuance am passiven Abseits, ohne dem aktiven Unsinn ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Bislang sollte ein Schiedsrichter auf Abseits entscheiden, wenn ein verteidigender Spieler den Ball unglücklich zu einem im passiven Abseits wartenden Angreifer gelenkt hatte. Künftig soll dem Schiedsrichter die Beurteilung, was an einer solchen Aktion unglücklich sein könnte, erspart bleiben.

          Die Abseitssituation entsteht demnach fortan immer dann, wenn ein im passiven Abseits postierter Stürmer nach einer Abwehraktion an den Ball kommt, also auch dann, wenn der Verteidiger den Ball kontrolliert spielt.  Die Fifa will den Schiedsrichtern und ihren Assistenten an der Seitenlinie das schwierige Leben inmitten schneller Ballstaffetten erleichtern und das passive Abseits mit der Neuerung gewissermaßen reaktivieren. Das ist ehrenwert. Oder anders ausgedrückt: Abseits ist wieder ein bisschen mehr dann, wenn ein Angreifer im Abseits steht. Die Passiv-Interpretation greift in der neuen Saison also nur noch, wenn sich im Verlauf eines Angriffs dank eindeutig kreativen Kombinationsspiels eine neue Spielsituation auf dem Feld ergibt. 

          Unbefriedigende Lösung

          Die vermeintliche Vereinfachung der am meisten diskutierten und wohl am schlechtesten verstandenen Regel des Fifa-Gesetzbuchs hat aber ihre Tücken. Wie geht ein Schiedsrichter damit um, wenn ein Abwehrspieler den Ball nun kunstvoll getarnt als Verteidigungsaktion absichtlich zum gegnerischen Stürmer spielt, der im passiven Abseits steht? Der Unparteiische müsste dann abpfeifen. Es entspricht wohl kaum dem Geist des Fußballspiels, wenn Abwehrspielern solche Möglichkeiten geboten werden. Die neue Regelung bleibt also unbefriedigend. Die Fifa sollte lieber wieder zur einfachsten aller Regelinterpretationen aus längst vergangenen Zeiten zurückkehren: Abseits ist dann, wenn ein Spieler im Moment des Abspiels im Abseits steht.

          Die Spieler könnten sich, wenn man Umfragen Glauben schenken darf, mit einer solchen Eindeutigkeit besser anfreunden als mit der ewigen Unsicherheit in der aktuellen Regelauslegung. Oder wie wäre es mit dem ganz gewagten Gedanken, das Abseits eines schönen Tages wie im Hockey doch komplett oder zumindest außerhalb der Strafräume aufzuheben? Im Hockey, das dem Fußball von der Anlage her in vielem ähnelt, hat sich das Spiel ganz und gar nicht zu seinem Nachteil entwickelt. Es gibt nur weniger Diskussionen um Fehlentscheidungen. Aber genau diese Gesprächsthemen will die Fifa ihrem Fußballvolk wohl nicht rauben.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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