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Neustart im Frauenfußball : Auf ins letzte Hurra als FFC Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Sechs letzte Spiele: Der FFC Frankfurt hofft auf einen würdigen Abschied. Bild: Picture-Alliance

Der Abschied des erfolgreichsten reinen Frauenfußballvereins Europas findet doch auf dem Platz statt. Der FFC Frankfurt hofft, beginnend mit dem Duell mit Sand, auf noch sechs Spiele vor der Ehe mit der Eintracht.

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          Im Fanshop gilt: zwanzig Prozent auf alles. Möglichst viele Utensilien mit Logo des 1. FFC Frankfurt sollen noch Käufer finden. Käufer mit einem Faible für in Kürze fußballmuseale Devotionalien. Denn wenn die an diesem Freitag fortgesetzte Frauenfußball-Bundesliga planmäßig am 28. Juni endet, dann ist der FFC drei Tage später Geschichte. Aufgegangen im großen Nachbarn Frankfurter Eintracht. Der Vertrag soll in Kürze unterzeichnet werden, strittige Punkte gebe es nicht, heißt es.

          Auf ins letzte Hurra geht es für den FFC in den verbleibenden sechs Ligapartien. Nach knapp drei Monaten coronabedingtem Spielstopp empfangen die Hessinnen zum Wiederbeginn an diesem Freitag (19.15 Uhr bei Eurosport) den SC Sand im quasi menschenleeren Stadion am Brentanobad. Der FFC-Tross, bestehend aus 21 Spielerinnen, vier Trainern und Betreuern, reist direkt aus dem einwöchigen Quarantäne-Trainingslager in der Sportschule Grünberg nach Frankfurt-Rödelheim. „Es fühlt sich an wie der erste Spieltag einer Runde. Aufregung und Vorfreude sind auf jeden Fall da“, sagt Cheftrainer Niko Arnautis vor dem Kaltstart.

          Sportlich im Niemandsland

          Vor Beginn der Krise hatte der FFC einen Lauf mit drei Siegen in Serie. Ob dieser konserviert werden konnte? Niemand vermag es vorherzusagen. Arnautis ist aber überzeugt, dass sich der Charakter seiner jungen Mannschaft, der sich in einem leidenschaftlichen, kraftaufwendigen Fußball spiegelte, nicht verändert hat.

          Sportlich steht für den FFC nicht mehr viel auf dem Spiel angesichts Rang sechs. Ein konkretes Restsaisonziel haben sie sich beim FFC nicht gesetzt. Aber immerhin ein kurzfristiges. Arnautis fände es „schön, wenn wir zumindest bis Sonntag auf Rang vier vorrückten“. Voraussetzung dafür wäre ein Heimerfolg gegen Sand. Verzichten muss das Team auf Sophia Kleinherne. Die Nationalspielerin konnte ihre mündliche Abiturprüfung doch nicht während des Grünberger Quarantäne-Lagers absolvieren, musste abreisen und ist deshalb nicht spielberechtigt.

          Angesichts des Abbruchs der Saison in der Zweiten Frauen-Bundesliga hat Arnautis drei Spielerinnen aus der dort beheimateten FFC-Reservemannschaft hochgezogen. Profispielerinnen sind diese freilich nicht, so wie es im erstklassigen deutschen Frauenfußball ein verbreitetes Modell ist, dass die Akteurinnen „nebenbei“ noch zur Schule gehen, studieren oder einen Job haben.

          „Zuverlässigkeit und Kontinuität für die Spielerinnen“: FFC-Investor und Ligasprecher Siegfried Dietrich hat die Fortsetzung mit erkämpft.

          Beim FFC sind die meisten Legionärinnen Berufsfußballerinnen, dazu gibt es Schülerinnen und Studentinnen und mit Laura Störzel (Polizistin) nur eine Aktive mit einer Arbeitsstelle. Andernorts ergibt sich ein anderes Bild, und so gibt es Stimmen aus der Liga, dass Nutzen und Aufwand des Re-Starts nicht im rechten Verhältnis stünden. Dass die Teams kleinerer Vereine durch die Anforderungen des im Vergleich zum Männerfußball nur gering veränderten Sicherheits- und Hygienekonzepts überstrapaziert werden.

          Siegfried Dietrich hat sich in den vergangenen Wochen zum Chefdiplomaten in der Szene aufgeschwungen. Der FFC-Manager hatte als Vorsitzender des Ausschusses Frauenfußball beim DFB großen Anteil am einheitlichen, geordneten Vorgehen der Frauen-Bundesligaklubs, das sich umso deutlicher abhob, desto mehr sich parallel die dritte Liga der Männer selbst zerfleischte. „Zuverlässigkeit und Kontinuität für die Spielerinnen und deren sportliche Zukunft sowie für die Sponsoren“, darum sei es neben dem Thema Gleichberechtigung gegangen, sagt Dietrich.

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