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FC Dreams : Hartplatzhelden aus Ghana

  • -Aktualisiert am

Hartplatzhelden: In Ghana wird an jeder Straßenecke gekickt und auf jedem Untergrund. Bild: Paul Herrschner

Der FC Dreams bildet in Ghana Talente aus. Inzwischen wissen dort alle, dass der Sprung in den europäischen Fußball kein Traum bleiben muss. Einer von ihnen ist dem FC Chelsea nun rund 30 Millionen Euro wert.

          5 Min.

          Der Platz, auf dem Träume wahr werden sollen, liegt in Kweiman im äußersten Norden von Accras. Idyllisch gelegen, umringt von Wald, fernab der staubigen Hektik von Ghanas Hauptstadt. Das Fußballfeld ist ein holpriger Rasen, auf einer Fläche, groß wie ein Mittelkreis, wächst überhaupt kein Gras mehr. Es ist ein Platz, auf dem sich jeder deutsche Kreisligaklub zieren würde, seine Heimspiele auszutragen. Der Dreams Football Club spielt hier in der zweiten ghanaischen Liga. Edwin Okraku lenkt seinen schwarzen SUV von der Straße auf einen Trampelpfad, der zum Platz führt. Der Manager des Dreams FC ist spät dran, das Spiel seiner Mannschaft läuft bereits. Der Rasenplatz sei ein echter Fortschritt, sagt er, aber Ziel sei ein eigener Kunstrasen. Okraku setzt sich auf einen Plastikstuhl zwischen den Trainerbänken. „Noch 0:0“, sagt Jiji Mohammed, der Dreams-Präsident.

          2009 haben Okraku, Mohammed und Prince Abdul Hamid, der Dritte im Bunde und heutige Vizepräsident, den Dreams FC gegründet. Drei Jugendfreunde, die aus demselben Slum in Accra stammen. Ihr ehrgeiziges Ziel: Einmal die besten Nachwuchsspieler des Landes hervorbringen. „Unsere Philosophie baut auf Talenten auf“, sagt Okraku. Heute ist der Klub Tabellenführer der zweiten Liga, mit einem Durchschnittsalter von knapp 20 Jahren.

          Ziel ist es eine Plattform zu schaffen

          Das Spiel an diesem Samstag gegen Danbort ist wichtig. Sieben Heimspiele ist Dreams zuletzt ungeschlagen geblieben, der Aufstieg in die Premier League winkt. An der Seitenlinie coacht der frühere Wolfsburger Profi Charles Akonnor. Die Verpflichtung des einstigen Kapitäns der Black Stars, der ghanaischen Nationalmannschaft, war ein echter Coup. Akonnor arbeitet ohne Bezahlung. „Er ist von unserem Projekt überzeugt“, sagt Okraku. Fünfzehn Minuten vor Schluss bringt Akonnor einen frischen Stürmer, in der 89. Minute erzielt der Neue das Siegtor. Kweiman bebt.

          Aufgedreht sitzt Okraku auf der Fahrt nach Hause hinter dem Lenkrad. Er hatte früher als Journalist gearbeitet und später in Liverpool Betriebswirtschaft studiert, bevor der heute 42-Jährige Sportmanager wurde. „Scouting ist der Schlüssel“, sagt er. „Wir sind wahrscheinlich der einzige Klub in Ghana, der im ganzen Land nach Talenten sucht.“ Drei fest angestellte Scouts, dazu fünf freie Mitarbeiter decken auch die abgelegensten Regionen Ghanas ab. „Wir holen die Talente nach Accra, bilden sie aus und schaffen eine Plattform, um sie ins Ausland zu bringen.“ Das sei der Dreams-Weg. Der Grund, warum man Okraku heute so genau zuhört, ist die Geschichte eines Jungen aus dem Norden.

          Er kam aus Tamale, 600 Kilometer von Accra entfernt, und wurde auf Empfehlung eines Bekannten zum Probetraining in die Hauptstadt geschickt. Das ist sieben Jahre her. Bis zum Wochenende spielte Abdul Rahman Baba in der Bundesliga beim FC Augsburg, dann machte der FC Chelsea aus der Premier League den Wechsel nach England perfekt. 30 Millionen Euro sollen die Augsburger bekommen. Baba ist omnipräsent bei Dreams. Und das, obwohl er seit drei Jahren nicht mehr da ist. Sein Konterfei prangt in der Geschäftsstelle, auf der Website, bei Okraku im Wohnzimmer. Immer wieder sieht man aktuelle Dreams-Spieler in Fürther Trikots herumlaufen, Babas erstem Klub in Deutschland, oder in Augsburger Leibchen - Geschenke, die Baba auf Heimatbesuch mitbringt. „Er ist ein Vorbild für unsere Spieler, er motiviert sie“, sagt Mohammed. Sie alle sind stolz auf ihren Jungen.

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