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8:0 gegen Estland : Ausrufezeichen zum Abschluss

Viel Freude an diesem Abend: Reus (r.), Kehrer (l.) und Sané Bild: dpa

Mit einem 8:0 in die Sommerferien: Gegen Estland sprüht das deutsche Fußball-Nationalteam zum Saisonabschluss noch einmal vor Esprit. Reus und Gnabry treffen doppelt.

          3 Min.

          Es war ein spielend leichtes Saisonfinale für die deutsche Nationalmannschaft nach einer Spielzeit, die mit viel Tristesse begonnen hatte, aber am Dienstagabend mit Hoffnung auf eine erfolgreiche Erneuerung bis zur Europameisterschaft 2020 zu Ende ging. In Mainz siegte eine im Vergleich zu Saisonbeginn stark verjüngte und verbesserte DFB-Auswahl hochverdient mit 8:0 gegen Estland. Die Nummer 96 der Weltrangliste hatte nie eine Chance gegen eine von Beginn an konzentrierte, entschlossene und spielfreudige deutsche Mannschaft, die sich damit den dritten Sieg im dritten EM-Qualifikationsspiel sicherte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Tore an einem durchweg einseitigen, aber aus deutscher Sicht höchst unterhaltsamen Fußball-Sommerabend erzielten Marco Reus (10. und 37. Minute), Serge Gnabry (17. und 62.), Leon Goretzka (20.), Ilkay Gündogan (26., Foulelfmeter), Timo Werner (79.) und Leroy Sané (88.) gegen einen völlig überforderten und punktlosen Tabellenletzten der Gruppe C.

          Fußball-Länderspiele

          Ein echter Maßstab für die Qualität der Nachfolger für die vor Jahresfrist bei der WM und danach in der Nations League gescheiterten Weltmeister konnte diese Acht-Tore-Show allerdings nicht sein. Aber ein Ausrufezeichen in eigener Sache war dieser Sieg natürlich dennoch. Der Wille, für sich zu werben, und die Bereitschaft, auch gegen einen überforderten Gegner nicht nachzulassen, war dem jungen Team zur Freude der Fans von der ersten bis zur letzten Minute anzumerken. „Die Begeisterung der Mannschaft war ausschlaggebend. Wir wollten die Zuschauer begeistern, das ist uns gelungen. Solch eine Leistung ist nur mit Zusammenhalt und Motivation möglich“, sagte Interims-Bundestrainer Marcus Sorg.

          In der kommenden Saison dürfte es jedoch vermutlich ganz schnell spannend werden, wenn es um das Potential und die Perspektiven der deutschen Mannschaft für die Europameisterschaft geht. Im September trifft das in diesen Tagen von Sorg tadellos vorbereitete Team dann wohl wieder unter seinem Chef Joachim Löw in Hamburg auf den großen Konkurrenten Niederlande und wenige Tage später auf Tabellenführer Nordirland. Die Nordiren stehen nach einem 1:0-Sieg in Weißrussland mit drei Punkten vor den Deutschen, allerdings haben sie auch ein Spiel mehr bestritten.

          Zum Nationalmannschafts-Saisonstart 2019/2020 wird sich dann zeigen, ob die Spielfreude und Handlungsschnelligkeit, die in Mainz vor allem die erfahrenen Stars Gündogan und Reus zeigten, und die Kombinationssicherheit, die sich fast durch das gesamte DFB-Team zog, auch gegen erstklassige Teams wie die Niederlande und einen unangenehmen Gegner wie Nordirland möglich sein werden. Aber schon in Mainz stimmten die Zuschauer nach langer Zeit mitten im Spiel endlich auch mal wieder einen fast vergessenen deutschen Fußball-Oldie an: „Oh, wie ist es schön.“

          Mit Thilo Kehrer und Goretzka für Jonathan Tah und Lukas Klostermann hatte Sorg nur zwei neue Spieler gegenüber dem 2:0 gegen Weißrussland in die Startelf beordert. Der erste Erfolg zeigte sich nach zehn Minuten. Nach einem ersten schnellen und präzisen Angriff über Gündogan, und einem scharfen Zuspiel von Kehrer von der rechten Seite war Reus in Mittelstürmerposition souverän zur Stelle - 1:0.

          Der Auftakt zum Schützenfest: Marco Reus markierte das frühe 1:0

          Auch beim 2:0 von Gnabry war Gündogan der Ausgangspunkt des Angriffs, der diesmal über Sané lief, der dem Münchner mit viel Übersicht den Ball vor das leere Tor servierte (17.). Nur drei Minuten später war Goretzka mit einem Kopfball nach Flanke von Joshua Kimmich zum 3:0 erfolgreich, ehe Gündogan einen Foulelfmeter nach einer Attacke gegen Goretzka zum 4:0 (26.) nutzte.

          Den Schlusspunkt in der ersten Halbzeit, in der die deutsche Mannschaft auf 15:2 Torschüsse und 81 Prozent Ballbesitz kam, setzte Reus mit einem herrlichen Freistoßtor (37.). Es war der erste direkte Freistoß, den die Deutschen seit 2007 zu einem Tor nutzen konnten ´– damals traf Torsten Frings. Und das 5:0 zur Halbzeit war zudem die höchste Führung seit dem 7:1 im WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien.

          Die neu formierte Startelf: Die Begeisterung der Mannschaft war ausschlaggebend

          In Mainz hätte der vierfache Weltmeister aber auch leicht das halbe Dutzend vollmachen können. Reus kam einem weiteren Treffer am nächsten, doch seinen Schuss nach gut einer halben Stunde konnte Torwart Lepmets, der Schlimmeres verhinderte, an die Latte lenken. Beeindruckend war auch ein weiteres statistisches Detail: Das konzentrierte und kombinationsfreudige Team von Sorg kam auf eine Passquote von 95 Prozent.

          In der zweiten Halbzeit wechselte Sorg nach und nach Marcel Halstenberg (46.), Julian Draxler (53.) und Timo Werner (62.) für Schulz, Gündogan und Reus ein. Spielfluss und Druck ließen durch die Wechsel nicht vollständig nach, aber sie reduzierten sich ein wenig. An Torchancen mangelte es aber weiterhin nicht. Aber erst in der 62. Minute traf zum 6:0 wiederum Gnabry, für den die eingewechselten Draxler und Halstenberg perfekte Vorarbeiten leisteten. Timo Werner sorgte schließlich für den siebten Streich (79.).

          Es hätte am Ende sogar zweistellig werden können, wenn zwei weitere Treffer von Sane nicht aberkannt worden wären, der dann aber in der 88. Minute zum 8:0 traf. Aber auch so stand zum deutschen Saisonfinale eine Bilanz, die sich auch für Aushilfsbundestrainers Sorg sehen lassen konnte: Zwei Spiele, sechs Punkte und 10:0-Tore.

          Länderspiel

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