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Starke DFB-Frauen siegen 7:0 : Fußballvölker, seht die Signale!

  • -Aktualisiert am

Klara Bühl (Mitte) erlebt mit drei Toren ihre persönliche Sternstunde im Nationaltrikot. Bild: dpa

Das deutsche Nationalteam der Frauen sieht sich für die EM gut gerüstet. Das 7:0 im einzigen Testspiel gegen die Schweiz hat gezeigt, wie sicher und souverän die DFB-Auswahl auftritt.

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          Bei der Bundestrainerin mischte sich auch eine Portion Ausgelassenheit in ihre sichtbare Erleichterung. Sie jubelte über den Treffer zum 1:0 genauso freudig wie über das Tor zum 7:0. Und mit der besten Laune, die Martina Voss-Tecklenburg verbreitete, rundete sie das gute sportliche Bild ab, das die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft am Freitagabend abgab. Erfurter Signale für England sozusagen.

          Das Match gegen die Schweiz in Thüringen war das einzige Länderspiel im Rahmen der Vorbereitung auf die am 6. Juli beginnende Europameisterschaft in England. Ein etwas risikobehafteter Fahrplan, für den sich die Führungscrew entschieden hatte, mit nur einer Leistungs- und Standortüberprüfung offizieller Natur auszukommen. Man brauche die kostbare gemeinsame Platzzeit im Training, erklärte die Bundestrainerin.

          Etwaige missliche Eindrücke wären jedenfalls nicht mehr zu korrigieren gewesen und als Status quo bis zum EM-Auftaktspiel gegen Dänemark als Ballast mitgeschleppt worden. Der souveräne 7:0-Sieg gegen die Schweizerinnen prägte aber die Wahrnehmung, dass die Mannschaft gerüstet und gewappnet ist. Weil sie – zugegeben gegen einen überraschend schwachen Gegner – das Tempo von Beginn an hochhielt und auch bis zur letzten Minute nicht nachließ. Weil sie gut abgestimmt und eingespielt wirkte und ein hohes Maß an Sicherheit ausstrahlte, was sie will und was sie kann. Weil Klara Bühl mit drei Toren und einer Torvorbereitung ihre persönliche Sternstunde im Nationaltrikot erlebte. Und weil von der Bank frische Kräfte ins Spiel kamen, die nicht nur sofort funktionierten, sondern auch einen Mehrwert für das deutsche Spiel bedeuteten. „Wir haben heute gesehen, dass alle Spielerinnen, die hineinkamen, mindestens das Niveau gehalten und andere Kompetenzen eingebracht haben. Unser Spiel hat überhaupt keinen Bruch bekommen“, sagte Voss-Tecklenburg, welche die Schweizerinnen zwischen 2012 und 2018 anleitete. „Wir haben uns mit vielen Toren belohnt, und wenn wir genau das mitnehmen können, dann hat das einen großen Wert.“

          Mittelfeldspielerin Linda Dahlmann trifft ebenfalls
          Mittelfeldspielerin Linda Dahlmann trifft ebenfalls : Bild: dpa

          Sportlich waren Spielfreude und Klasse offensichtlich, und atmosphärisch verstärkten die 5900 Zuschauer das Zutrauen und den Rückenwind für die Spielerinnen. Mit der Folge, dass die Bundestrainerin sich bestätigt sah. „Es ist unser Anspruch, bei der EM zu den Favoriten dazuzugehören. Wir sehen das Potenzial, um den Titel mitzuspielen“, sagte die 54 Jahre alte Fußballlehrerin.

          Die Startaufstellung von Erfurt dürfte auf vielen Positionen die sein, die auch am 8. Juli in Brentford auch das Turnier aufnimmt. Neun von zehn Feldspielerinnen standen bei den beiden deutschen Topklubs VfL Wolfsburg und Bayern München unter Vertrag. Die Bundestrainerin setzte in der Innenverteidigung auf Marina Hegering, die verletzungsbedingt (mal wieder) auf eine regelrechte Seuchensaison zurückblickt. Mit Blick auf ihre Rolle als Abwehrchefin wären Zweifel, ob ein womöglich langes Turnier ihre körperlichen Ressourcen überfordern könnte, keine vielversprechende Ausgangsposition. Als Leitfigur mit ihrer ausgeprägten Spielübersicht ist Hegering in den Augen der Bundestrainerin unersetzlich und hat an ihrer Seite die künftige Vereinskollegin Kathrin Hendrich, die nach einer starken Saison für Wolfsburg einen sehr stabilen wie selbstbewussten Eindruck macht. Den Charakter eines echten Härtetest hatte die Partie gegen EM-Teilnehmer Schweiz freilich nie. Und so wurde die 32-jährige Hegering in der Defensive nicht derart gefordert, dass es darüber hätte Aufschluss geben können, wo sie mit Blick auf ihr Leistungsvermögen gerade steht.

          Lena Oberdorf scheint wie erwartet im Mittelfeld gesetzt, gemeinsam mit den Antreiberinnen mit spielgestaltender Funktion Sara Däbritz und Lina Magull. Auf den offensiven Außenbahnen hinter der einzigen Spitze Lea Schüller setzte die Bundestrainerin auf die unverwüstliche Svenja Huth und Klara Bühl. Die hochveranlagte Bayern-Spielerin kommt aus einer etwas schwächeren Karrierephase und scheint pünktlich zur EM in Topform. Die Wucht und Explosivität in Bühls Aktionen könnte ein wichtiger Faktor in England werden. Von den ersten vier Toren erzielte die 21-Jährige in der 6., 61. und 66. Minute drei selbst und legte Lina Magull (44.) eines auf. „Die Mannschaft hat gezeigt, welche Qualitäten und welches Potenzial sie hat. Wir sind auf dem richtigen Weg. Wenn wir den weitergehen, mache ich mir keine Sorgen, dass wir ein geiles Turnier spielen“, sagte Bühl.

          Schlüssel-Spiel gegen Dänemark

          Kein Experiment war, dass die Bundestrainerin Nicole Anyomi in der zweiten Halbzeit auf der Rechtsverteidigerposition für die gesetzte Julia Gwinn einwechselte. Die gelernte Angreiferin kann von dort aus mit ihrer Athletik und ihrem Vorwärtsdrang die Statik eines Spiels beeinflussen. Wie überhaupt alle sechs Einwechselspielerinnen auf sich aufmerksam machten. Linda Dallmann (81.), Jule Brand (89.) und Sydney Lohmann (90.+5) waren sogar als Torschützinnen erfolgreich. Die nach Corona-Infektion wieder einsatzfähige Alexandra Popp gab ihr Comeback. Und wenn man in den ersten EM-Spielen die Kapitänin und Spielerin von internationalem Rang als Einwechselspielerin in der Hinterhand hat, dürfte dies auch Wirkung auf die Gegnerinnen haben.

          In der kniffligen Gruppe B gilt es für die DFB-Frauen unbedingt mit einem Sieg gegen Dänemark – immerhin EM-Zweiter 2017 – zu starten, um eine übermäßige Drucksituation im zweiten Match gegen die starken Spanierinnen zu vermeiden. Die Partie gegen Dänemark werde „der Schlüssel für das Turnier sein“, sagte Voss-Tecklenburg. Und: „Hoffentlich nehmen wie die vielen guten Dinge, die wir gegen die Schweiz gesehen haben, mit in die EM.“

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