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6,7 Millionen Euro : Korruption bei Vergabe der Fußball-WM 2006?

  • -Aktualisiert am
Franz Beckenbauer (links) war Chef des Organisationskomitees, Wolfgang Niersbach Vizepräsident.
Franz Beckenbauer (links) war Chef des Organisationskomitees, Wolfgang Niersbach Vizepräsident. : Bild: Picture-Alliance

Der Umgang des DFB mit dem heiklen Thema war schon im Sommer ein Stein des Anstoßes. In einem Brief hatte der Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen) unter anderem an Bundeskanzlerin Angela Merkel eine „transparente Aufarbeitung“ der deutschen Bewerbung im Jahr 2000 gefordert. „Bisher findet um die Vergabe der WM 2006 noch keine breite Diskussion statt. Umso größer sollte unser gemeinsames Interesse sein, zweifelsfrei deutlich zu machen, dass die WM 2006 ohne Korruption oder andere Vergünstigungen an Deutschland vergeben wurde.“

Mutlu, Mitglied im Sportausschuss des Bundestages, nannte neben der Bundesregierung auch Franz Beckenbauer als Adressaten. „Dazu möchte ich Sie bitten, die bisherigen Ermittlungsergebnisse und Untersuchungen staatlicher Stellen insbesondere in den Vereinigten Staaten, der Schweiz, Großbritannien, Australien, Argentinien, Südafrika zu prüfen und im Hinblick auf eine rückblickende Bewertung des Bewerbungsprozesses der Organisationskomitees um die WM 2006 (Männer) und 2011 (Frauen) zu bewerten und die Prüfungsberichte öffentlich zu machen.“

Also machten sich die Deutschen ans Werk

Die bekannten Bestechungsversuche bei anderen Bewerbungsverfahren sowie die Ausgangslage vor der Wahl durch das Fifa-Exekutiv-Komitee im Juli 2000 in Zürich stärkten die Vermutung, auch im Fall der Deutschen sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen: Der DFB musste damals neben den acht Europäern im Fifa-Vorstand weitere vier Mitglieder für eine Mehrheit gewinnen. Größter Konkurrent war Südafrika.

Also machten sich die Deutschen ans Werk: Sie schlossen Verträge über Verwertungsrechte von Freundschaftsspielen mit dem FC Bayern, dessen Präsident Beckenbauer war, die Galionsfigur des OK. Die Übertragungsrechte sicherte sich die Züricher Agentur CWL, die damals zum Kirch-Konzern gehörte und deren Direktor Günter Netzer hieß, ein Werber für das deutsche Projekt. Die Länderverbände sollten für die Übertragungsrechte jeweils bis zu 300.000 Euro bekommen.

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Es war kein Zufall, dass Spielgeschäfte mit drei Nationalverbänden abgeschlossen wurden, die Fifa-Vorstandsmitglieder stellten. Zu diesem Trio gehörte der geständige und lebenslang gesperrte ehemalige Fifa-Vizepräsident aus Trinidad und Tobago, Jack Warner. Er soll für seine Stimme bei der Wahl des Ausrichters 2010 sieben Millionen Dollar gefordert haben. Die Beteiligten bestreiten einen Deal zugunsten der Deutschen.

Wie weit der Lobbyismus in Deutschland reichte, will der Abgeordnete Mutlu von der Bundesregierung wissen und forderte sie auf, die WM-Akten der Ministerien zu öffnen. Denn der Bundessicherheitsrat hatte eine Waffenlieferung von 1200 Panzerfäusten nach Saudi-Arabien genehmigt. Damals gehörte ein inzwischen verstorbenes Mitglied des Königshauses dem Fifa-Vorstand an. Der (nicht verbotene) Lobbyismus führte allerdings nicht zum Ziel. Mit dem Dreyfus-Dahrlehen sollen nach Angaben des „Spiegel“ die Stimmen von vier asiatischen Fifa-Mitgliedern in der Exekutive mit 24 Mitgliedern „gesichert“ worden sein.

Blatter irrt: Es ging 12:11 für Deutschland aus

Vor der Wahl am 6. Juli 2000 in Zürich verließ dann das Fifa-Vorstandsmitglied Charles Dempsey aus Neuseeland den Raum. Bis heute hält sich das Gerücht, auch Dempsey sei von den Deutschen „überzeugt“ worden. Der DFB bestreitet das mit Hinweis auf einen Originalbrief Dempseys an den damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun: Demnach habe er nach einer Niederlage Englands im ersten Wahlgang für Deutschland stimmen wollen. Dem Druck der anderen Seite habe er sich durch Verlassen des Raumes entzogen.

Das Thema schwelte, bis Fifa-Boss Joseph Blatters Amtsführung auch von den Deutschen kritisiert wurde. Prompt fiel dem Walliser im Juli 2012 in einem Interview mit dem Schweizer „Blick“ zum Stichwort dieses ein: „Gekaufte WM (...) Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10:10 bei der Abstimmung ein 10:9 für Deutschland hatte.“ Blatter irrt. Es ging 12:11 für Deutschland aus.

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