https://www.faz.net/-gtl-16qcg

5:3 gegen Japan : Paraguay setzt sich im Elfmeterschießen durch

Nur einer traf das Tor nicht: Yuichi Komano versagten im Elfmeterschießen die Nerven Bild: AFP

120 Minuten Kampf und Krampf - zum Verdruss der Fans: Ein schwaches Spiel zwischen Japan und Paraguay endet 0:0. Im Elfmeterschießen scheitert Komano an der Latte. Paraguay trifft im Viertelfinale auf Spanien.

          2 Min.

          Wer nach Pretoria gekommen war, um guten Fußball zu sehen, musste sich ziemlich fehl am Platze vorgekommen sein beim Achtelfinalspiel zwischen Paraguay und Japan. Immerhin aber ging es spannend zu. Erst im Elfmeterschießen, dem ersten dieser Weltmeisterschaft, setzte sich Paraguay mit 5:3 gegen Japan durch. Oscar Cardozo verwandelte vor 36.740 Zuschauern im Loftus-Versfeld-Stadion den entscheidenden Elfmeter, der Japaner Komano hatte nur die Latte getroffen. „Das ganze Land weint heute vor Freude“, sagte Paraguays Trainer Martino. „Die Mannschaft hat gekämpft und wir sind überglücklich. Das war unser Tag.“ Der japanische Fußball-Nationaltrainer Takeshi Okada hat nach dem Ausscheiden der Mannschaft seinen Rücktritt angedeutet: „Es gibt nichts mehr für mich zu tun“, sagte er.

          In 120 umkämpften, aber niveauarmen Minuten war keiner der Mannschaften ein Treffer gelungen. Paraguay trifft nun am Samstag in Johannesburg auf Spanien (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker), das sich am Abend im iberischen Bruderduell gegen Portugal durchsetzte. Damit ist in jedem der vier Viertelfinalspiele eine Mannschaft aus Südamerika vertreten. Das Achtelfinale gehörte indes zum Schwächsten, was diese WM bislang zu bieten hatte.

          Für die Paraguayer war es der vierte Versuch, ein Viertelfinale zu erreichen. Bei ihren bisherigen Versuchen hatten sie jeweils das Pech, auf einen übermächtigen Gegner zu treffen: England (1986), Frankreich (1998) und Deutschland (2002) waren eine Nummer zu groß. Diesmal aber lag die Favoritenrolle bei ihnen, und die eigenen Erwartungen waren entsprechend. „Noch haben wir Paraguay keinen Ruhm beschert. Wir wollen mehr“, hatte Trainer Gerardo Martino vor dem Spiel gesagt.

          Der Japaner bringt seinen Schuss nicht unter, sondern trifft nur die Latte

          Wenig Tempo, so gut wie keine Ideen, etliche Fehler

          Einer seiner beiden Dortmunder Profis, der angeschlagene Valdez, musste zunächst auf die Bank, für ihn spielte der zweite, Barrios. Im Vergleich zum 0:0 gegen Neuseeland nahm er noch vier weitere Änderungen in der Startelf vor. Etwas mehr Initiative als Japan zeigten die Paraguayer schon in der Anfangsphase. Mit WM-Niveau hatte es aber iwenig zu tun, was beide Mannschaften boten: wenig Tempo, so gut wie keine Ideen, etliche Fehler - es war eine der schwächsten Partien bei diesem Turnier.

          So kam es etwas unvermittelt, dass sich beiden Teams nach gut 20 Minuten jeweils eine exzellente Chance bot. Für Paraguay war es Barrios, der mit List und Wendigkeit zwei Verteidiger stehen ließ. Sein Schuss aus kurzer Distanz war aber zu unplatziert und traf Torwart Kawashima. Auf der anderen Seite sah Matsui, dass Villar zu weit vor seinem Tor stand, sein Versuch, aus mehr als 30 Metern landete an der Latte. Eher zufällig hatte etwas später Santa Cruz die Chance, Paraguay in Führung zu bringen, als er aus elf Metern knapp vorbeischoss.

          Erst einmal hatte Japan es unter die besten 16 Teams bei einem Weltturnier geschafft, 2002 mit Heimvorteil. In Südafrika waren ihre Auftritte mit viel Lob bedacht worden, vor allem der 3:1-Sieg im entscheidenden Gruppenspiel gegen Dänemark. Trainer Okada hatte keinen Grund, an seiner Aufstellung etwas zu ändern.

          Spiegelbild des Spiels: verbissen, aber ohne Inspiration

          Und mit ein bisschen Anlauf kamen die Japaner besser ins Spiel. Technisch hatten sie gewiss mehr zu bieten als die hölzernen Paraguayer. Entscheidend durchsetzten konnten sie sich damit aber nicht. Auch Honda, der bei dieser WM bislang so überzeugende Angreifer, kam nicht zum Zuge. Ein Schuss aus gut 16 Metern ging knapp am Tor vorbei.

          Auch die zweite Hälfte begann mit leichten Vorteilen für Paraguay. Ein Schuss von Benitez wurde gerade noch abgeblockt, und auch der Kopfball von Riveros aus knapp zehn Metern brachte Japan in Gefahr. Nach einer Stunde wechselte Trainer Martino doch noch Valdez für Benitez ein. Seine Vorstellung passte bestens zum Spiel: verbissen, aber ohne Inspiration. Das behielt eine umkämpfte, aber ereignisarme halbe Stunde lang Gültigkeit - bis in die Verlängerung. Da tauchte Valdez plötzlich frei vor Torwart Kawashima auf, wurde aber im letzten Moment noch gestört. Nicht besser erging es den Japanern bei ihren beiden Möglichkeiten - und später im Elfmeterschießen.

          Weitere Themen

          HSV verteidigt Tabellenführung

          1:1 in Bielefeld : HSV verteidigt Tabellenführung

          Kein Sieger im Spitzenspiel: Arminias Klos trifft nur einmal und Bielefeld verpasst die Überraschung. Der HSV hingegen bleibt weiter an der Tabellenspitze – und hat das nächste Top-Duell bereits vor der Brust.

          Tränen in Tokio

          Emotionen bei Rugby-WM : Tränen in Tokio

          Die Nationalhymne als emotionale Härteprüfung: Das Rugby-Fieber der Japaner erreicht im Viertelfinale ungeahnte Höhen. Doch dann schalten die „Springboks“ den WM-Gastgeber aus. Die Trauer ist schier grenzenlos.

          Topmeldungen

          Sicherheitszone in Syrien : Kramp-Karrenbauer auf Konfrontationskurs

          Die Verteidigungsministerin fordert eine internationale Schutzzone in Nordsyrien – und schließt auch den Einsatz deutscher Soldaten dabei nicht aus. Damit irritiert sie die SPD und vor allem Außenminister Maas. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Auch der Kreml äußert sich.

          Google Pixel 4 XL im Test : Unter dem Radar

          Google probiert im Pixel 4 einen neuen Sensor aus. Mit Hilfe von Radartechnologie lasst sich das Smartphone berührungslos steuern. Auch die Kamera überzeugt mit einer neuen Funktion.
          Armutszuwanderung: Der Versuch, Kinder von Migranten durch Kinderstuben und Auffangklassen besser zu integrieren, gelingt nicht immer. Es ist vor allem schwer, die Eltern einzubeziehen.

          Ein Lehrer berichtet : Integration durch die Schule?

          Anspruch und Wirklichkeit entlang des A-40-Äquators: In Duisburg sollen die Eltern von Einwandererfamilien stärker in den Bildungsprozess ihrer Kinder einbezogen werden. Funktioniert das? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.