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5:2 in Hoffenheim : Machtdemonstration der Wolfsburger Frauen

  • -Aktualisiert am

Weltklasse auf Wolfsburger Seite: Pernille Harder hatte nach dem Schlusspfiff allen Grund zur Freude. Bild: Picture-Alliance

Die Fußball-Frauen der TSG Hoffenheim wollten das Team des VfL Wolfsburg eigentlich herausfordern. Doch dann zogen sie sich ängstlich in die eigene Hälfte zurück und konnten den Serienmeister nicht beeindrucken.

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          Mit dem Slogan „Die Liga is back“ hatte der DFB vor dem ersten Spiel der Frauenfußball-Bundesliga im neuen Jahr auf seinen Social-Media-Kanälen geworben. Nach dem Gipfeltreffen zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfL Wolfsburg am Freitagabend ist die Liga aber vor allem entschieden.

          Der 5:2-Sieg des deutschen Serienmeisters und Tabellenführers VfL Wolfsburg beim direkten Verfolger TSG Hoffenheim war eine Machtdemonstration, die schon fast zu einer Entscheidung im Kampf um die deutsche Meisterschaft geführt hat. Bei noch acht ausstehenden Spielen hat der bislang unbesiegte VfL nun sechs Punkte Vorsprung und die deutlich bessere Tordifferenz. Die Treffer für Wolfsburg erzielten Fridolina Rolfö (7. Minute), Pernille Harder (15./80.), Alexandra Popp (23.) und Svenja Huth (71.), Maximiliane Rall (73.) und Luana Bühler (84.) gelangen die Ehrentreffer für Hoffenheim.  

          Die TSG Hoffenheim wollte den Serienmeister VfL Wolfsburg eigentlich herausfordern. Trainer Jürgen Ehrmann hatte dafür auf den Tag gehofft, an dem alles passt, um erstmals überhaupt in sieben Hoffenheimer Erstligajahren gegen den Gegner aus Niedersachsen nicht leer auszugehen in einem direkten Duell. Ausreichend Selbstbewusstsein hatte sich das Überraschungsteam der Saison eigentlich im bisherigen Saisonverlauf erspielt durch elf Siege in den ersten 13 Saisonspielen. Dadurch hatte die TSG sogar dem „ewigen Zweiten“ Bayern München den Rang abgelaufen und berechtigte Hoffnungen auf eine spannendere Bundesligasaison geweckt. Im direkten Vergleich mit Wolfsburg ließ der Herausforderer aber jeden Mut vermissen.

          Ängstlich zogen sich die die Hoffenheimerinnen mit neun Feldspielerinnen weit in die eigene Spielfeldhälfte vors eigene Tor zurück, ohne die Gegnerinnen in irgendeiner Weise zu beeindrucken. In vorderster Front war Nicole Billa bei zarten Störversuchen gegen das Wolfsburger Aufbauspiel auf sich allein gestellt.

          Das Wolfsburger Starensemble mit seinen vier deutschen Nationalspielerinnen und sechs internationalen Spitzenspielerinnen in der Startelf ließ derweil gegen das junge Hoffenheimer Team vom Anpfiff weg keinen Zweifel am eigenen Vorhaben: Schon mit dem Anstoß setzten sie ein Zeichen, indem sie den Ball weit in die Hoffenheimer Hälfte schlugen und mit dem gesamten Offensivverbund nachrückten. Bis zum Anstoß nach dem 0:1 durch einen Kopfball der Schwedin Rolfö nach einer Flanke der dänischen Weltklassespielerin Harder kam Hoffenheim nicht mehr aus der eigenen Hälfte raus.  

          Beim zweiten Wolfsburger Treffer demonstrierte Harder ihr Können abermals, als sie im Strafraum einen Haken schlug und anschließend der Hoffenheimer Schlussfrau Janina Leitzig den Ball durch die Beine spitzelte. Leitzig sah anschließend beim 0:3 von Alexandra Popp schlecht aus. Die herausragend schnelle Wolfsburger Mittelstürmerin Ewa Pajor durfte es sich sogar ungestraft leisten, höchst fahrlässig mit fast einem halben Dutzend an Torgelegenheiten umzugehen.  

          Klangvolle Begegnungen fehlen

          So erhöhte Wolfsburg erst in der Schlussphase durch Svenja Huth und abermals Pernille Harder, Maximiliane Rall gelang immerhin mit einem schönen Linksschuss der sehenswerte Treffer zum zwischenzeitlichen 1:4 sowie Luana Bühler das 2:5 kurz vor Abpfiff. Immerhin war Hoffenheim damit der erste Gegner, der in dieser Spielzeit gegen Wolfsburg zwei Tore erzielte. „Ich hatte schon gehofft, dass es ein engeres Spiel würde. Es ging dann doch sehr schnell“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg in der Halbzeit des Spiels.  

          Das klare Ergebnis und das deshalb wenig spannende Aufeinandertreffen der beiden Spitzenteams der Liga passte zum Rahmen. Während Spitzenspiele in England seit geraumer Zeit einen Zuschauerzuspruch oft im fünfstelligen Bereich erzielen, sahen im Hoffenheimer Dietmar-Hopp-Stadion lediglich 1710 Fußballfreunde zu. Der Zufall, dass die Männerteams beider Klubs am Samstag ebenfalls in der Bundesliga im nahen Sinsheimer Stadion aufeinandertreffen, hat offensichtlich nicht einmal eine größere Zahl an Wolfsburger Fans zur Anreise bewogen. Bei den Treffern des alten und vermutlich auch neuen deutschen Meisters jubelten jedenfalls nur wenige Dutzend Anhänger. Selbst eine Zusammenlegung der Termine auf einen Tag hätte vermutlich nicht mehr Zuschauer angezogen, zumal ein Vorspielcharakter fürs Duell der Frauen sportlich auch fragwürdig gewesen wäre. Beide Vereine waren deshalb über die getrennte Terminierung nicht unglücklich.Immerhin mischten sich einige Hoffenheimer Spieler wie Ermin Bicakcic am Abend vor ihrem Spiel unter die Zuschauer und setzten somit ein positives Zeichen. Auch der Hoffenheimer Klubbesitzer Dietmar Hopp nahm sich Zeit, um den Frauen zuzuschauen. Er musste allerdings wegen eines weiteren Termins früher gehen und sah somit nur Gegentore.

          Dem deutschen Frauenfußball fehlen neben einem schlüssigen Konzept zur Erhöhung der Attraktivität der Bundesliga, an dem eine neugeschaffene Kommission der Vereine arbeitet, vor allem aber auch Duelle, die die Herzen der Fußballfans höher schlagen lassen: Während in England Duelle zwischen Chelsea und Arsenal oder Manchester United und Manchester City oder FC Liverpool auch die Herzen der Fans des Männerteams schneller schlagen lassen, fehlen diese klangvollen Begegnungen derzeit im Frauenfußball noch gänzlich. Hoffnung weckt deshalb vor allem der Einstieg der Frankfurter Eintracht beim vierfachen Champions-League-Sieger FFC Frankfurt.

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