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4:2 in St. Petersburg : Dortmund auf dem Zenit europäischer Klasse

Lag es an Trikotfarbe und Sponsorname: Dortmund war in St. Petersburg so motiviert wie sonst nur gegen Schalke Bild: AP

In der Bundesliga schwächelt Borussia Dortmund. In der Champions League zeigt der Vorjahresfinalist indes sein europäisches Gesicht. Im Achtelfinal-Hinspiel sichert sich der BVB eine herausragende Ausgangsposition für das Rückspiel in drei Wochen.

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          Die Ausgangsposition für Borussia Dortmund könnte besser kaum sein – nach dem 4:2-Sieg bei Zenit St. Petersburg im Achtelfinalhinspiel der Champions League spricht viel dafür, dass der Finalist der vergangenen Saison auch in der aktuellen Spielzeit mindestens zu den besten acht europäischen Vereinen zählen wird.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mchitarjan und Reus gaben in St. Petersburg mit ihren Treffern in der vierten und fünften Minute früh die Richtung vor. Zweimal kamen die Westfalen in der zweiten Halbzeit zwar ein wenig von ihrem Weg ab, doch sowohl nach dem 1:2 durch Schatow (58. Minute) und dem 2:3 durch Hulk (69./Foulelfmeter hatten die Borussen sofort eine Antwort parat – Lewandowski sorgte (61. und (71.) in beiden Fällen fast im Gegenzug dafür, dass der Zwei-Tore-Abstand wieder hergestellt war.

          Lehrveranstaltung zu Pressing und Gegenpressing

          Spiele von Borussia Dortmund sind in der Regel nie langweilig, und zuweilen schafft es die Mannschaft auch immer noch, ihren Trainer Jürgen Klopp zu überraschen. Der hatte am vergangenen Samstag entgeistert eins der schlechtesten Spiele unter seiner Regie (seit 2008) bei der 0:3-Niederlage in Hamburg gesehen.

          Lockerer Hinspielsieg: Die Dortmunder Mchitarjan und Reus (r.) jubeln in St. Petersburg Bilderstrecke

          Diesmal aber lief es von Beginn an anders und vermutlich viel besser, als es sich sogar Klopp insgeheim vorgestellt hatte. In den ersten Minuten entpuppte sich seine Mannschaft nämlich als Meister der Effizienz und zeigte damit ein zuletzt selten gesehenes Gesicht. Mchitarjan nutzte gleich die erste Gelegenheit zur Führung, und Reus erhöhte nur eine Minute später auf 2:0. Beiden Treffern war die Dortmunder Spezialität der Balleroberung im Mittelfeld mit anschließendem schnellen Spiel in die Spitze vorausgegangen.

          Zenit war nicht nur in der Anfangsphase deutlich anzumerken, dass in der russischen Liga der Spielbetrieb wegen der langen Winterpause ruht und die Mannschaft ihr letztes Pflichtspiel Mitte Dezember ausgetragen hatte. Dass die Dortmunder so rasant und aggressiv zu Werke gingen, mag allerdings auch an anderen Dingen gelegen haben. Zenit hat mit Gasprom nicht nur denselben Trikotsponsor wie der FC Schalke 04 – die Russen traten dazu noch in blauer Kleidung an: Für den BVB war es also ein leichtes, dieses Achtelfinale mit dem Einsatz und der Konzentration wie in einem Revier-Derby anzugehen.

          „Das war eine Lehrveranstaltung zum Thema Pressing und Gegenpressing“, sagte der sichtlich zufriedene Klopp. Aus ihrer eklatanten Überlegenheit in der ersten Halbzeit aber hatten die Dortmunder kein weiteres Kapital mehr geschlagen, obwohl sie gegen einen sichtlich überforderten Gegner zunächst so gut wie jeden Zweikampf gewannen. Daran änderte für St. Petersburg auch die frühe Einwechslung des ehemaligen Bayern-Spieler Anatoli Timoschtschuk nichts, der den verletzten Dribbelkünstler Arschawin ersetzte – im Gegenteil: Timoschtschuk erwies sich in der Folge als Unsicherheitsfaktor.

          Hummels fällt aus

          Immerhin kam Zenit mit einer veränderten Einstellung nach der Pause auf den Platz zurück und konnte hier und da einige Schwächen der Dortmunder nutzen, die vorübergehend etwas ihre Ordnung verloren. Die Borussia musste neben ihren Langzeitverletzten Gündogan, Subotic, Blaszczykowski und seit dem Wochenende auch Sven Bender abermals auch ihren Abwehrchef Mats Hummels ersetzen, der aber am Wochenende beim Bundesliga-Heimspiel gegen Nürnberg in die Mannschaft zurückkehren soll. Die Russen durften kurz etwas Hoffnung schöpfen, als sie einen Fehler von Sokratis nutzten und zum Anschlusstreffer kamen – allerdings hatte Rondon vor seinem Pfostenschuss im Abseits gestanden.

          An Abenden wie diesen aber machen sich solche Geschenke nicht negativ bemerkbar, zumal die Dortmunder weiterhin mit ihrem Pressing den Spielaufbau des Gegners empfindlich störten – und die Fehler, die Zenit machte, durch Robert Lewandowski sofort bestraften. Der Pole nutzte erst ein Zusammenspiel mit seinem Landsmann Lukasz Piszczek zu seinem fünften Treffer in der aktuellen Saison der Champions League und schließlich zehn Minuten später ein Zuspiel von Reus gleich zu seinem sechsten Tor.

          Zwischendurch hatte Hulk allen Frust in seinen Elfmeter, der durchaus umstritten war, gelegt und den Ball mit voller Wucht in den Torwinkel getreten. Angesichts des Zwei-Tore-Vorsprungs und der vier erzielten Auswärtstore aber wollte kein Dortmunder über die Art und Weise der Entstehung beider Gegentore mäkeln. „Ich wusste, dass wir nach der Niederlage in Hamburg eine Reaktion zeigen würden, aber dass dies dann gleich in so eine Leistung mündet, war nicht zu erwarten“, sagte Klopp, „das war ein schöner Abend für uns.“

          Zenit St. Petersburg - Borussia Dortmund 2:4 (0:2)

          Zenit St. Petersburg: Lodygin - Anjukow (84. Smolnikow), Luís, Lombaerts, Criscito - Witsel, Faisulin (84. Kerschakow) - Hulk, Schatow, Arschawin (15. Timoschtschuk) - Rondon
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer - Kehl, Sahin - Reus (85. Hofmann), Mchitarjan (70. Aubameyang), Großkreutz (90.+1 Durm) - Lewandowski
          Schiedsrichter: Collum (Schottland)
          Zuschauer: 15 000 (ausverkauft/ Kapazität nach Uefa-Sanktion begrenzt)
          Tore: 0:1 Mchitarjan (4.), 0:2 Reus (5.), 1:2 Schatow (57.), 1:3 Lewandowski (61.), 2:3 Hulk (69./Foulelfmeter), 2:4 Lewandowski  (71.)
          Gelbe Karten: Anjukow, Faisulin / Piszczek

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