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4:1 in Amsterdam : Ein Abend für Dortmunder Träume

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Die Zauberer des BVB im Einsatzt gegen Ajax Amsterdam Bild: Impire AG., F.A.Z.

Die Borussia qualifiziert sich nicht nur vorzeitig als Gruppensieger für das Achtelfinale in der Champions League qualifiziert. Beim eindrucksvollen 4:1-Sieg in Amsterdam bestätigt der deutsche Meister auch alle Komplimente der Konkurrenz.

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          Wie werden sie sich noch wehren wollen gegen all diese Komplimente, die nun auf sie niederprasseln? Dortmund sei ein Titelkandidat, hatte zuletzt Real-Trainer José Mourinho behauptet, und das schien doch ein wenig weit her geholt zu sein für eine Mannschaft, die in der vergangenen Saison schon in der Gruppenphase der Champions League gescheitert war.

          Doch in Amsterdam bewies der deutsche Meister nun eindrucksvoll, dass bis auf Neuzugang Marco Reus zwar dasselbe Personal wie im Vorjahr und doch eine ganz andere Mannschaft zu Werke geht. Nach dem 4:1-Sieg gegen Ajax und einer überragenden Leistung gehört Borussia Dortmund endgültig zu den Teams, auf die zu achten sein wird.

          Nur einen Punkt hätte die Borussia benötigt, um vorzeitig am fünften Spieltag das Achtelfinale zu erreichen. Doch dank des 1:1 von Real Madrid in Manchester zieht Dortmund nun sogar als feststehender Vorrundenerster in die nächste Runde – und das in einer Gruppe, die mit vier Landesmeistern besetzt ist.

          Doch was bei der Auslosung noch als schweres Handikap galt, erwies sich im Nachhinein sogar als Vorteil für die Dortmunder – gegen lauter spielstarke Mannschaft konnte auch der deutsche Meister all seine Vorzüge präsentieren. Dazu gehört neben allem technischen Vermögen vor allem diese beeindruckende Laufstärke der Borussen, die in der ersten Halbzeit gegen Ajax zwar weniger im Ballbesitz waren, aber allein in diesen ersten 45 Minuten schon zwei Kilometer mehr liefen als die Niederländer.

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          Anspielstationen fand Ajax so nur selten, weil angesichts der BVB-Präsenz der Eindruck entstand, dass Dortmund einfach mit mehr Spielern angetreten war. Es waren allerdings natürlich nur elf – und die funktionierten bestens abgestimmt. Eine erste Kostprobe bekamen die 52.000 zunächst lautstarken Zuschauern in der 9. Minute präsentiert, als die Borussia in der Kategorie „Umschaltspiel“ modernsten Fußball vorführte.

          Nach der Ballerorberung durch Rechtsverteidiger Piszczek in der eigenen Hälfte dauerte es 14 Sekunden, und schon hatte Reus nach einem bestens dosierten Pass von Mario Götze dem Amsterdamer Torwart Vermeer den Ball durch die Beine ins Tor geschoben.

          Aufgeschoben ist bei Götze nur aufgehoben

          Das war aus Dortmunder Sicht ein wegweisender Beginn – nach einer 1:0-Führung haben sie in dieser Saison noch keine Partie verloren. Davon war die Borussia wieder weit entfernt, denn angeführt von einem überragenden Götze blieb Dortmund die bestimmende Mannschaft. Götze verpasste nach einem Sololauf in der 30. Minute zwar den zweiten Treffer, als er im letzten Moment den Ball verstolperte.

          Aufgeschoben war in diesem Fall nur aufgehoben, denn als ihm die Amsterdamer wenig später wieder etwas zu viel Raum zur Verfügung stellten, war Gegenspieler van Rhijn auf verlorenem Posten. Der 20 Jahre alte deutsche Nationalspieler umkurvte ihn mit selbstverständlicher Leichtigkeit und überwand Vermeer zum zweiten Mal an diesem Abend (36.).

          Mit den Abstauberqualitäten eines Torjägers

          Angesichts des Dortmunder Pressings versuchte Ajax notgedrungen auch weiterhin, mit langen und vor allem hohen Pässen die Dortmunder Verteidigung in Verlegenheit zu bringen. Das blieb ein erfolgloses Vorhaben – auf der anderen Seite kam die Borussia dagegen zum dritten Treffer, als Vermeer einen abgefälschten Schuss von Götze nach vorne abprallen ließ und Lewandowski (41.) bewies, dass er bei aller spielerischen Klasse auch die Abstauberqualitäten eines Torjägers in seinem Repertoire hat.

          Alle Fußballspiele deutscher Mannschaften, die hoch führen, stehen seit dem 4:4 im Länderspiel gegen Schweden nach einer 4:0-Führung immer unter besonderem Vorbehalt. Zwar schien auch aus dieser Partie angesichts des Zwischenstandes vorzeitig die Spannung heraus zu sein, aber die Dortmunder blieben zumindest so wachsam wie nötig.

          Bender mit einer blutigen Gesichtswunde

          Das galt vor allem für den bis dahin weitgehend beschäftigungslosen Torwart Roman Weidenfeller, der sich nicht überraschen ließ, als Eriksen in der 51. Minute alleine vor ihm auftauchte. Es war ein Weckruf für die Westfalen, die Konzentration zu bewahren – und wozu das führen kann, bewies die 67. Minute, als es nach einer Balleroberung wieder zu schnell für Ajax ging, Götze flankte auf Lewandowski, und der Pole traf nach der Ballannahme aus spitzen Winkel an Vermeer vorbei zum 0:4.

          An den Abend, an dem sich die Borussia endgültig auch international einen Namen mit Klang verschaffte, wird nur Sven Bender nicht gerne zurückdenken. Der defensive Mittelfeldspieler, der sich in der vergangenen Saison gegen Arsenal London einen Kieferbruch zugezogen hatte, musste mit einer blutenden Gesichtswunde vom Platz, nachdem ihn Enoh – allerdings unabsichtlich – mit dem Ellbogen im Gesicht (60.) getroffen hatte. Für die Borussia war das in jedem Fall ärgerlicher als das 1:4 von Hoesen in der 86. Minute.

          Ajax Amsterdam - Borussia Dortmund 1:4 (0:3)

          Ajax Amsterdam: Vermeer - van Rhijn, Alderweireld, Moisander, Blind - Enoh (64. Hoesen), Poulsen (46. Schöne), Eriksen - Lukoki, de Jong, Boerrigter (73. Fischer)
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (63. Perisic), Gündogan - Reus (79. Schieber), Götze (70. Blaszczykowski), Großkreutz - Lewandowski
          Schiedsrichter: Proença (Portugal)
          Zuschauer: 52.000
          Tore: 0:1 Reus (8.), 0:2 Götze (36.), 0:3 Lewandowski (41.), 0:4 Lewandowski (67.), 1:4 Hoesen (86.)
          Gelbe Karten: Enoh, Moisander / Götze

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