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4:0 in Bielefeld : Wolfsburg zerstört Arminias „Almtraum“

  • -Aktualisiert am

Ab nach Berlin: Wolfsburgs Bas Dost (r.) nimmt seinen Teamkollegen Ivan Perisic mit Bild: AFP

Die Hoffnung auf die Sensation währt nur acht Minuten: Gegen den VfL Wolfsburg hat die Bielefelder Arminia nicht den Hauch einer Chance und verliert verdient 0:4. Das Team von Trainer Hecking fordert im Pokalfinale in Berlin nun den BVB heraus.

          Klein gegen Groß – zu diesem Pokalklassiker wird es am 30. Mai beim Endspiel in Berlin nicht kommen. Borussia Dortmund, das sich tags zuvor beim FC  Bayern in München unter dramatischen Umständen für das Finale qualifiziert hatte, bekommt es dann im Olympiastadion mit dem VfL Wolfsburg zu tun. Der  Bundesliga-Zweite setzte sich am Mittwochabend mit einem 4:0-Sieg beim  bisherigen „Pokalschreck“ Arminia Bielefeld mühelos durch und geriet nie in Gefahr die Kontrolle und Regie über dieses Halbfinale zu verlieren.

          Arnold  (8./55. Minute), Luiz Gustavo (32.) und Perisic (51.) erzielten die Treffer für den kommenden Champions-League-Teilnehmer, der in Berlin nach der deutschen Meisterschaft 2009 erstmals auch den DFB-Pokal erobern will. Bisher hatte es für die Niedersachsen nur zu einer Endspielteilnahme 1995 gereicht. Arminia Bielefeld dagegen, schon 2005 und 2006 im Pokalhalbfinale gescheitert, kann sich nun ganz auf die Mission Wiederaufstieg in die Zweite Liga ein Jahr nach dem Scheitern in der Relegation am SV Darmstadt 98 konzentrieren. Schon am Samstag kann der Tabellenführer der Dritten Liga bei einem Heimsieg über den Tabellenzweiten Holstein Kiel sein wichtigstes Saisonziel  so gut wie erreicht haben.

          Sprach- und chancenlos: Arminas Salger leitete mit seinem Fehlpass vor dem 0:1 die Wolfsburger Torflut ein Bilderstrecke

          Jede Traumreise geht einmal zu Ende. Bei Arminia Bielefeld machte sich nach drei Erfolgen über die Erstligaklubs Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia  Mönchengladbach dieses Gefühl am Mittwochabend schon ziemlich früh breit, weil den wie in den Runden zuvor ordentlich spielenden und mutig kämpfenden Ostwestfalen diesmal ein erstklassiger Gegner in die Quere kam, der nicht zu  Scherzen aufgelegt war und seine Endspielchance von Beginn an konzentriert und  zielstrebig suchte.

          Der Bundesliga-Spitzenklub  ließ den unterklassigen Gegner  zwar da mitspielen, wo es ihm nicht weh tat, versperrte den Arminen aber immer dann den Weg, wenn sie in Strafraumnähe auftauchten. Auf der anderen Seite  nutzten die Niedersachsen ihre wenigen Tormöglichkeiten konsequent aus. Zum Beispiel in der achten Minute, als sich der Bielefelder  Innenverteidiger Salger einen verhängnisvollen Fehlpass auf Caligiuri leistete und dieser umstandslos den in der Strafraummitte auf seine Chance lauernden Arnold freispielte. Gegen dessen wuchtigen Schuss  aus fünfzehn Metern besaß Torhüter Schwolow keine Abwehrchance.

          Beim zweiten Treffer für den VfL war die Fehlerkette der Arminia zu lang, um dafür nicht bestraft zu werden. Aus Masts Handspiel folgte an der Strafraumkante ein Freistoß, den der exzellente Rodriguez auf Dosts Kopf hob. Der stand ebenso frei wie der von dem Holländer per Kopfball angespielte Luiz Gustavo. Der brasilianische Nationalspieler hatte schließlich unbedrängt keine Mühe, per Kopf aus kurzer Tordistanz auf 2:0 zu erhöhen (32.).

          Der VfL belohnte sich angemessen für seine Überlegenheit im Spiel mit und ohne Ball, gegen das die Bielefelder vor allem dann, wenn Wolfsburg seine Attacken über die Flügel aufzog, kein geeignetes Mittel fand. Erstmals in dieser für die Mannschaft von Trainer Norbert Meier so  erfolgreichen Pokalrunde wurde der Klassenunterschied zwischen erster und  dritter Liga sichtbar.

          Dass die etwa 3000 Fans der Grün-Weißen den  Fußball-Gassenhauer „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ schon bei Halbzeit  sangen, hatte wenig mit Übermut, viel mehr jedoch mit der realistischen  Erkenntnis zu tun, dass die Wolfsburger in Bielefeld, als es um die  Endspielchance ging, ihr Spitzenformat zeigten. Genauso abgeklärt, effektiv und spielfreudig bestimmte der VfL auch die  zweite Hälfte, nachdem er sich von Dicks Schreckschuss bei dessen Freistoß  gegen die Latte (47.) rasch erholt hatte.

          Der erste sehenswerte Wolfsburger Angriff brachte schon das 3:0, auf den Weg gebracht von dem belgischen Slalomläufer de Bruyne, weitergeleitet von Caligiuri und vollendet von dem in dessen Vorlage rutschenden Kroaten Perisic (51.). Nun öffneten die Arminen  ihrem Gegner Tür und Tor, weil sich die Spieler nicht mehr mit aller Kraft gegen die Niederlage wehrten. Arnold war dann so frei, seine zweite Torchance  mit einem Schuss in den Torwinkel zum 4:0 zu nutzen (55.). Das auf der „Alm“  erhoffte zweite Pokaldrama dieser Halbfinal-Begegnungen fiel aus. Dafür waren die Kräfteverhältnisse am Mittwoch zu eindeutig. Die Arminen-Fans feierten ihr Team trotzdem. Dafür waren sie von ihrer Mannschaft in dieser Spielzeit schon  viel zu oft verwöhnt worden.

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